Review

Wenn ein Streifen als Komödie initiiert ist, sollte er zumindest einem Anspruch folgen: Den Betrachter erheitern, amüsieren, zum Schmunzeln oder gar zum Lachen bringen, was im vorliegenden Fall nur für eine Minute während des Abspanns zutrifft. Sehr viel ärgerlicher ist jedoch der Umstand, aus einer tollen Grundidee nicht mehr zu entfachen als ein paar anrührende Momente.

Lars Olafson (Thure Lindhardt) ist ein erfolgreicher Maler gewesen, der jedoch seit zehn Jahren kein Werk mehr zustande gebracht hat. Als er auf Anraten seines Agenten in das verschlafene Nest Koda Lake im kanadischen Nirgendwo einen Job als Lehrer an der hiesigen Kunstakademie antritt, lernt er den stummen und leicht zurückgebliebenen Schüler Eddie (Dylan Smith) kennen, den er bei sich aufnimmt. Bereits in der ersten Nacht schlafwandelt Eddie und frisst ein Kaninchen, kurz darauf tötet er einen Menschen, was Lars endlich wieder inspiriert, zum Pinsel zu greifen. Doch wie weit geht Lars mit seinen Manipulationen, um endlich das Meisterwerk fertig zu stellen?

Ein Kannibale als Muse, - daraus ließe sich witziger Stoff mit einiger Situationskomik und gleichermaßen viel Raum für Tiefe basteln, doch die dänisch-kanadische Erzählung versäumt es bereits mit der Exposition und der Vorstellung von Lars Figur einen Sympathieträger zu etablieren.
Denn als dieser tumb während der Fahrt auf die Landkarte starrt, fährt er einen Hirsch an, den er anschließend mit einem Stein von seinen Qualen zu erlösen versucht, doch anstatt eines beherzten Schlages zertrümmert Lars regelrecht den Schädel, was natürlich nicht unbedingt zur amüsanten Grundstimmung beiträgt.

Ansonsten verläuft die Erzählung in den meisten Punkten komplett vorhersehbar, da jede Figur, die dem Gespann irgendwie krumm kommt, in der darauf folgenden Nacht zum Opfer des Schlafwandlers wird. Ob ein nervender Nachbar oder ein paar hänselnde Eisangler, - Überraschungen gibt es zu keiner Zeit, selbst der misstrauische Sheriff und das obligatorische Love Interest, der zwiespältige Agent oder der Schuldirektor bleiben nichts als Stichwortgeber, wobei einige Klischees weniger ins Gewicht fallen, als mangelnder Mut zur exzessiven Darstellung.

Und damit sind nicht zwangsläufig etwaige Gewalttaten gemeint, bei denen allenfalls mal kurz Leichenteile im Bild erscheinen oder Bisse aus weiter Distanz angekündigt werden, denn man sieht Lars Gemälde zu keiner Zeit und so soll sich der Betrachter offenbar selbst das sprichwörtliche Bild ausmalen, welches im Kopf des Künstlers herumspukt, was jedoch nicht transportiert werden kann. Denn auch an dieser Stelle fehlt es an humorigen Einlagen, an übersteigerten Gesten oder bizarren Einfällen. Lars steht vor der Staffelei, wirkt konzentriert und schwingt den Pinsel, - ja und?

Was die Geschichte ein wenig rettet, ist die Besetzung Eddies und das recht nuancierte Spiel von Dylan Smith, der einen Typen verkörpert, dem man trotz seiner Gräueltaten einfach nicht böse sein kann und dessen Figur arg ins Tragische abdriftet. Er wird zum Spielball des Künstlers, der, wie viele berühmte Maler, irgendwann durchdreht, um auf Biegen und Brechen Inspiration zu erlangen. Es gibt ein paar bewegende Momente zwischen Eddie und Lars, die weitaus besser gefruchtet hätten, wenn die Erzählung zumindest als Tragikkomödie angelegt worden wäre.

So bleibt unterm Strich ein leidlich unterhaltsamer Streifen mit passablen bis sehr guten Darstellern, einem soliden Handwerk, leider recht austauschbaren Kulissen und einem, so muss es final leider gesagt werden, künstlerisch geringem Anspruch.
Zwar bringt die taugliche Grundidee ein wenig frischen Wind ins momentan recht angestaubte Horrorgenre, doch weder Gorehounds, noch Freunde frecher Komödien dürften mit dem Werk auf ihre Kosten kommen.
5 von 10

Details
Ähnliche Filme