Ohne die entsprechende Sounduntermalung funktioniert kein Film, das haben die oscarprämierten Streifen „The Hurt Locker“, „Jurassic Park“ oder auch „Der Exorzist“ durchaus gemein. Besonders im Horrorfilm sind Ton und Effekte von wesentlicher Bedeutung, wie der britische Regisseur Peter Strickland mit seinem Werk herauszukristallisieren versucht.
Gilderoy (Toby Jones) ist ein anerkannter Tonspezialist beim Film, der in den Siebzigern von England nach Rom beordert wird, um bei einem italienischen Film in der Postproduktion zu helfen. Wie sich herausstellt, handelt es sich bei dem Streifen um einen Giallo, dessen Gewalt und morbide Atmosphäre sich schon bald auf Gilderoy übertragen…
Der Streifen kann als eine Art Hommage an die italienischen Horrorstreifen der 70er und 80er verstanden werden, als die Sounds noch nicht aus dem Computerarchiv stammten und größtenteils per Hand erzeugt werden mussten.
Ein Blick hinter die technisch veralteten Kulissen ist demnach durchaus interessant, wenn nah am Mikro eine Melone per Machete gespalten wird und der Zuschauer sogleich entsprechende Bilder im Kopf hat. Nach einer Viertelstunde wird allerdings klar: Mehr kommt da nicht.
Toby Jones performt zwar wie gewohnt mit aller Überzeugung und Nuanciertheit, doch seine Figur ist total passiv angelegt, da er seiner Tätigkeit zunehmend gleichgültiger gegenüber steht und von der lockeren und etwas undisziplinierten Mentalität der italienischen Kollegen reichlich angenervt ist.
Zudem sind die Schauplätze bewusst limitiert gehalten, um die volle Konzentration auf den Sound zu lenken, da man den zu vertonenden Streifen „The Equestrian Vortex“ zu keiner Zeit zu Gesicht bekommt und lediglich die dazugehörigen Sounds wahrnimmt.
Einen roten Faden oder gar einem Spannungsbogen verfolgt der Stoff nicht, er spielt mit verschiedenen Ebenen, driftet zwischen Wahrheit, Einbildung und Wahn und überlässt es dem Zuhörer, ob er sich auf diesen Sog einlassen mag oder eben völlig außen vor bleibt.
Mal wird eine Hexe synchronisiert, dann ein Ertränken per Bassin und Kleidung simuliert, hinzu kommen die üblichen Nahaufnahmen von Reglern, Augen oder einer Spinne um den Giallo zu huldigen, während eine Synchronsprecherin einem schrillen Sound per Kopfhörer ausgesetzt wird.
Kann man sich alles mal anhören, doch auf Dauer wird es eintönig, zumal eben keine Story im herkömmlichen Sinne verfolgt wird. Zwar vermag die latent bedrückende Stimmung partiell zu überzeugen, doch hinter alledem steckt zu wenig Substanz und dürfte Leuten, die eine spannende Geschichte erwarten, spätestens nach einer halben Stunde zu wenig sein.
Ein Soundexperiment, eine Huldigung, ein Mindfuck, - im Gesamtbild eher etwas für Zuschauer, die keine Handlung benötigen und sich mit viel Phantasie im aussagefreien Mischmasch aus Bild und Ton einlassen und wohl fühlen können.
3 von 10