Schon die ersten Minuten liefern gleich eine Visitenkarte des Stils von PUPPE ab. Es gibt keine Dialoge, nur die Gesichter erster Protagonisten. Die Geschichte der jugendlichen Anna (Anke Retzlaff), die in der einsamen Berggegend ihre Grenzen erfahren soll und auf den rechten Weg kommen soll, glänzt nicht durch eine spektakuläre Handlung, sondern verschreibt sich völlig dem "wie" alles passiert und damit der intensiven Performance der Darsteller. In der Einöde soll Anna einen neuen Lebensabschnitt beginnen und durch den normalen Alltag die einfachen und lebenswerten Dinge wieder schätzen lernen.
Es herrscht ein bewusster Minimalismus vor und pathetische Momente sucht man vergeblich. Die Handlung spielt sich meist in den ausdruckstarken Gesichtern der jungen Darsteller ab. Generell nimmt die Natur eine dominante Stelle in PUPPE ein. Es gibt sehr schöne Naturaufnahmen und die Berge scheinen übermächtig über allem zu thronen und wirken in ihrer Größe fast surreal. An Nebengeräuschen in den ruhigen Szenen sind meist nur Vögel oder Fliegen zu hören. Die Stille scheint eine ideale Basis für einen Neuanfang zu sein. Der schweizerische Regisseur Sebastian Kutzli setzt hier in vielen Teilen des Films auf reduzierte Musikbegleitung und erinnert durch dies Einstellung ein wenig an Werke von Michael Haneke.
Spannung oder dramatische Höhepunkte üblicher Art sucht man vergeblich in PUPPE. Lediglich das etwas emotionale Ende trägt hier zu einem erhöhten Puls bei. Sicherlich hätte die Geschichte noch diverse Ausbaupotentiale gehabt, aber vor allem die Schauspieler bleiben in Erinnerung. Dazu gehört auch insbesondere Anke Retzlaff, die dem Resozialisierungsdrama als verhärmte und vom Leben enttäuschte Jugendliche ihren Stempel durch eine sehr harsche Mimik und volle Konzentration auf den Moment aufdrückt. Sie agiert sehr durchdringend, stark und bis in die Haarspitzen konzentriert in jeder Szene. Ihre Leidenschaft für die Figur der Anna wird nachhaltig über die Leinwand transportiert.
Die Kamera ist meist relativ statisch unterwegs und fährt ganz bewusst nah auf die Gesichter der Hauptdarsteller und oft herrscht eine leicht unterkühlte Atmosphäre vor. Corinna Harfouch als unkonventionelle Sozialarbeiterin Geena demonstriert durch eine sehr überzeugende und in wenigen Szenen intensive, aber zurückhaltende Darstellung mit der sie sich nie in den Vordergrund spielt, warum sie zu eine der besten und preisgekrönten deutschen Schauspielerinnen gehört. Sebastian Kutzli war bisher meist mit Kurzfilmen beschäftig und nach PUPPE kann man auf sein nächstes Projekt sehr gespannt sein.
6/10 Schafen....äh,....Punkten