Lang von mir erwartet, gibt es über den Film 'der Wolkenatlas' nun Gutes und weniger Gutes zu berichten. Erst einmal kann man sagen, dass es sich lohnt den Film zu schauen. Was einige wahrscheinlich erwartet haben, ist zum Glück nicht eingetreten, es ist kein Esoterik-Schinken, der lediglichen mit den Gefühlen und dem gefährlichen Halbwissen der meisten Zuschauer spielt entstanden. ...und doch passiert es genau dann doch, dass die letzten Szenen lediglich den Eindruck eines vernebelten Gefühlsgewusels vermitteln, was leider nicht zum Gesamtbild der eigentlich starken erzählerischen Gesamtsituationen des Filmes passt. Dabei komme ich zu dem Schluss, diese gefühlsbetonten und in meinen Augen mit richtigen und falschen Hoffnungen gespickten Abschlussszenen wiedersprechen gar nicht unbedingt der Logik der Charaktere und den Situationen in denen Sie stecken, nur fehlt für ein rundes Gesamtbild irgendwie eine gute JetztMenschheit-Reflektionsebene, die wirkliche Anknüpfungspunkt bieten könnte. Das muss der Zuschauer allein bewerkstelligen, dabei hätte die Geschichte gerade da Stellung beziehen und wirklich zukunftweisend sein können. Denn, "...die Wahrheit, die einer bereits weiß...", muss schon konkretisiert werden, um die Möglichkeit zu haben, sich als allgemeines Wissen zu verbreiten.
Ziemlich deutlich wird das bei folgender Aussage des Filmes.
"Unsere Welt folgt einer naturgegebenen Ordnung und wer sie versucht umzukrempeln, dem wird es schlecht ergehen"
Im Film wird diese "Weiseheit" nicht oder zumindest zu wenig in Relation zu irgendetwas gesetzt und hängt damit im luftleeren Raum. Man lässt dem Zuschauer an dieser Stelle meiner Ansicht nach zuviel Spielraum für Interpretation. Einerseits kann sich dadurch ein egomanischer Macho oder Manager in seiner Handlungsweise bestätigt fühlen, indem er die Aussage einfach als Recht des stärkeren interpretiert. Anderseits können sich reflektierte Humanisten damit, die aktuellen katastrophalen Umstände auf der Erde auch gut erklären und zu dem Schluss kommen, die Menschheit und das Individuum an sich handle gewissermaßen schon immer gegen diese Ordnung und seien deßhalb in ihren Umständen gefangen und einem unabwendbaren Schicksal erlegen.
Optisch ist das Ganze einwandfrei! Die einzelnen Geschichten an sich sind, nichtsdestotrotz man den Film locker ein zweites mal schauen kann/sollte/mag, gut nachverfolgbar und rechtfertigen die von den Machern gewählte Form der strukturellen Szenenverpflechtung. Gellschaftsprinzipien offenbarende Momente sind die Höhepunkte des Filmes. Die metaphysisch starke Figuren und Geschichtselemente sind dabei sicherlich nicht zufällig und rechtfertigen ein genaueres Betrachten. Am stärksten und tiefsinnigsten greift meiner Ansicht nach die Sklaven-Anwaltsgeschichte auf dem Segelschiff. Enttäuschen verläuft die anfänglich starke, zum Ende aber verflachende Geschichte des chinesischen CyborgServierMädchens.
Offen und rätselhaft bleibt für mich am Schluss vor allem der Umstand, das "Tom Hanks" mit seiner Familie auf dem Mars wohnt!?! Ich denke es muss der Mars sein, von woaus sonst sollte man mit bloßem Auge einen Planeten blau leuchten sehen? Aber vielleicht ist dies lediglich eine Andeutung, zu den von Halle Berry und T.H. verkörperten Charakteren, nämlich darauf , dass diese irgendwie hinterm Mond leben ;-)
Komisch find ich außerdem, den Moment als ein alter Mann den Begriff 'DejaVu' in einem falschen Zusammenhang benutzt, als er sich an ein (nicht geträumtes) Ereignis aus seiner Kindheit erinnert. Immerhin aber wird ein DejaVu hier nicht fälschlicherweise, alleinig als Funktionsstörung des Gehirns bezeichnet. 8-o