"Unsere Leben gehören nicht uns allein. Von der Wiege bis zur Bahre sind wir mit anderen verbunden."
"Cloud Atlas" verbindet sechs unterschiedliche Geschichten in verschiedenen Zeitaltern zu einem Gesamtbild, die von Schicksal, Liebe, Hoffnung, Verrat, Freiheit und Überleben erzählen.
1849 reist der amerikanische Anwalt Adam Ewing (Jim Sturgess) auf einem Handelssegler in seine Heimat zurück. Während der Überfahrt bietet er dem entflohenen Sklaven Autua (David Gyasi) Zuflucht und gerät in die Bedrängnis des geldgierigen Schiffsarztes Dr. Henry Goose (Tom Hanks).
1936 arbeitet der talentierte, aber durch seine homosexuelle Ader verachtete, Musiker Robert Frobisher (Ben Wishaw) mit dem ausgebrannten, schottischen Künstler Vyvyan Ayrs (Jim Broadbent) an dem Wolkenatlas-Sextett.
1973 deckt die Journalistin Luisa Rey (Halle Berry) einen von Lloyd Hooks (Hugh Grant) provozierten Sicherheitsskandal in einem Atommeiler auf und gerät in die Schusslinie des Auftragskillers Bill Smoke (Hugo Weaving).
2012 versucht der gealterte und verschuldete Verleger Timothy Cavendish (Jim Broadbent) sich vor seinen Gläubigern in Sicherheit zu bringen und wird von seinem Bruder Denholme (Hugh Grant) in ein Pflegeheim gesteckt.
2144 befreit Hae-Joo Chang (Jim Sturgess) die geklonte Kellnerin Sonmi-451 (Doona Bae), da er in ihren immer mehr auftretenden menschlichen Zügen den Grundstein einer globalen Revolution sieht.
2346 nach einer apokalyptischen Umwälzung verlässt der Ziegenhirte Zachary (Tom Hanks) sein von Kannibalen bedrohtes Dorf, um mit der Botschafterin einer höher entwickelten Gesellschaft (Halle Berry) eine Tempelanlage zu finden, die eine Flucht von der sterbenden Erde ermöglicht.
Schlappe 500 Jahre Menschheitsgeschichte umspannt die Rahmenhandlung des monumentalen Werkes "Cloud Atlas". Tom Tykwer ("Lola rennt", "Das Parfum") sowie die Wachowski-Brüder ("Matrix"-Reihe, "Speed Racer") setzen in ihrem Film den gleichnamigen und als schwer verfilmbar geltenden Roman von David Mitchell um. Eine komplexe, Epochen überspannende Geschichte mit zahlreichen Hauptfiguren, die trotz ihrer geografischen und zeitlichen Entfernungen immer wieder Verbindungen zueinander entdecken, in einer Handlung, die viele große und kleine Menschheitsthemen anreißt und gleichzeitig mit vielen kleinen, wie auch bewegenden gewaltigen Erlebnissen Horizonte aufreißen will.
An die dabei verwendete Erzählstruktur muss man sich zunächst erst einmal gewöhnen. Nur zu Beginn setzt "Cloud Atlas" auf eine chronologische Grundlage, indem er kurz die jeweiligen Zeitebenen und seine wichtigsten Charaktere rundimentär einführt. Danach springt der episodenhaft erzählte Film munter kreuz und quer durch die Zeiten und Handlungsorte, teilweise innerhalb von Minuten.
Dies erfordert vom Publikum eine gewisse Aufmerksamkeit, denn nicht immer sind die leicht verwobenen Geschichten einfach zueinander zuzuordnen. Das Tempo ist dadurch aber angenehm hoch und lässt, trotz der langen Laufzeit, nur im mittleren Teil ein paar Längen zu.
Durch seine in späteren Zeitebenen bezugnehmende Situationen und wiederkehrende Darsteller in ähnlichen Konstellationen, erhält "Cloud Atlas" einen esoterischen Charakter. Der Sinn dahinter ist die Vermittlung einer Moral. So wirbt das Filmplakat nicht unsachgemäß mit dem Satz "Alles ist verbunden". Der Film enthält genau diese Kernaussage. Häufig muss man aber schon etwas genauer hinsehen, um diese Moral zu entdecken.
Überwiegend ist "Cloud Atlas" ein anspruchsvoller Film. Die einzelnen Geschichten stimmen mitunter nachdenklich, sprechen diverse philosophische, soziale und Glaubensfragen an. Meist bleiben die angesprochenen Themen aber oberflächlich und unaufgelöst offen.
Optisch ist der Film sehr abwechslungsreich, allein schon durch seine verschiedenen Epochen. Egal ob Kolonialzeitalter, dystopische Zukunft oder apokalyptisches Mittelalter. Die Kulissen sind stets eindrucksvoll und detailreich. Ebenso die verwendeteten digitalen Effekte.
Weniger eindrucksvoll sind die nur spärlich verwendeten Actionszenen. In den knapp drei Stunden nehmen diese Sequenzen einen kaum nennenswerten Bruchteil ein und werden dann auch nie näher fokussiert. Höhen erlebt man bei ihnen nicht. Dafür überrascht die Inszenierung hierbei mit ruppiger Härte.
Die Schauspieler, von denen Tom Hanks ("The Green Mile", "Verschollen", "") und Halle Berry ("X-Men"-Reihe, "Einsame Entscheidung") am meisten auffallen, bleiben quer durch die Zeiten dieselben, tauchen aber immer wieder in neuen Rollen auf. Einige von ihnen sind in ihren Masken gar nur schwer zu erkennen. Spätestens der Abspann aber klärt über die Rollenverteilung auf.
Seinen skurrilen Humor erhält "Cloud Atlas" vor allem durch seine kuriose Rollenvergabe. Hugo Weaving ("Herr der Ringe"-Reihe) beispielsweise taucht als strenge Krankenschwester mit großer Oberweite auf, was eher zu unfreiwilligem lachen animiert.
Der Film ist gespickt mit bekannten Gesichtern in denen auch die Nebenrollen, wie beispielsweise in Form von Susan Sarandon ("Elizabethtown") und dem sichtbar gealterten Hugh Grant ("Vier Hochzeiten und ein Todesfall"), sehr ansprechend besetzt sind.
"Cloud Atlas" ist definitiv ein außergewöhnlicher aber auch gewöhnungsbedürftiger Film. Das Tempo ist durch die verschlungene Erzählweise stets hoch, richtige Höhen sind aber nicht zu entdecken. Die Charaktere werden durch ihre enorme Anzahl nur rundimentär beschrieben, Dank sehr anpassungsfähiger Schauspieler aber plausibel dargestellt. Die Handlung ist enorm komplex und durch die vielen Zeitebenen optisch sehr abwechslungsreich. Gänzlich zu Ende führt der Film seine Erzählstränge und Themen jedoch nicht. Trotz der langen Laufzeit wünscht man sich nach dem sehen des atmosphärischen Epos doch noch ein wenig mehr Aufklärung.
8 / 10