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"Cloud Atlas" ist eine Literaturverfilmung, basierend auf dem Roman "Wolkenatlas" von David Miitchell. Regie führten die Wachowski-Geschwister ("Matrix"-Trilogie) und Tom Tykwer ("Das Parfüm"). Der Film behandelt sechs verschiedene Zeitebenen, die (zunächst) scheinbar nichts miteinander zu tun haben:
Die erste Geschichte spielt im Jahr 1849, wo ein junger Anwalt (Jim Sturgess) den Pazifik bereist. Dabei muss er mitansehen, wie die Maori von ihren Besatzern unterdrückt werden. Einer der Maori schmuggelt sich als blinder Passagier an Bord des Schiffes. Als der Anwalt ihn entdeckt, muss er entscheiden, ob er ihm hilft oder ihn verrät.
Die zweite Geschichte handelt von einem jungen Komponisten (Ben Whishaw), der die Musik zum Wolkenatlas komponiert. Sein Lehrmeister beansprucht die Komposition aber für sich.
Die dritte Geschichte hingegen spielt in den 70ern, wo eine junge Journalistin (Halle Berry) einen Skandal über einen defekten Atommeiler aufdecken möchte, und sich dabei in Lebensgefahr begibt.
Die vierte Geschichte spielt im Jahr 2012: Ein älterer Verleger (Jim Broadbent) hatte einen großen Bucherfolg gehabt, doch die Brüder des Buchautors wollen einen Anteil am Umsatz haben. Als der Verleger diesen nicht bezahlenn kann, wendet er sich an seinen Bruder, der ihn daraufhin "zum Schutz" in ein Altersheim steckt, dass der Verleger für ein Hotel hält. Als er herausfindet wo er sich befindet, will er aus dem Altersheim ausbrechen.
Die fünfte Geschichte spielt im Jahr 2144, wo ein Klon (Doona Bae), die nur als Bedienstete gezüchtet wurde, versucht aus dem ihr vorbestimmtem Leben auszubrechen, und dabei Unterstützung von Rebellen bekommt, die das Regime stürzen wollen.
Die letzte Geschichte schließlich spielt nach der Apokalypse, wo ein Ziegenhirte (Tom Hanks) ein hartes Leben, bedroht von plündernden Kannibalen, lebt und auf ein technisiertes Volk trifft, die das Wissen der alten Welt bewahren wollen. Dieses Volk ist jedoch im Sterben und hofft Kontakt zu alten Kolonien im All herstellen zu können, um zu überleben.

Anfangs verwirren die vielen Geschichten, zwischen denen teilweise mitten im Geschehen hin und hergesprungen wird, doch nach und nach ergeben diese mehr Sinn, bis sich schließlich die Zusammenhänge zwischen den einzelnen Zeitebenen für den Zuschauer erschliessen. Zwischendurch werden philosophische Fragen aufgestellt, ob es nach dem Tod noch ein Leben gibt, ob Himmel oder Hölle existieren oder man wiedergeboren wird.
Tatsächlich gibt es dann einige wiederkehrende Motive, wie ein bestimmtes Muttermal, das immer wieder auftaucht. Auch übernehmen die meisten Schauspieler mehrere Rollen in mehreren oder sogar allen Zeitebenen, wo sie verschiedene Figuren, teilweise sogar unterschiedlichen Geschlechts oder Herkunft spielen.
Teilweise scheinen sie sich wiederzuerkennen, können diese Erlebnisse aber nicht richtig einordnen. Und auch eine aufkeimende Romanze zwischen den Figuren die Tom Hanks und Halle Berry in den verschiedenen Zeitebenen spielen, wird mehrfach thematisiert, ohne jedoch in Kitsch auszuarten. Diese werden meist eher angeschnitten.
Die letzte Interpretation des Ganzen liegt dann beim Zuschauer, es ist also ein Film zum Nachdenken.

Besonders gelungen sind vor allem die Kostüme und die Maske, die die Schauspieler glaubwürdig in verschiedene Rollen, mit verschiedenem Geschlecht oder Hautfarbe hineinversetzen. Jeder Schauspieler hatte bis zu 6 verschiedene Rollen zu spielen, was ein unglaublicher Aufwand war und auch leicht hätte schief gehen können. Dass es dennoch gelungen ist, alle Figuren in allen Zeitebenen spannend und glaubhaft rüberzubringen liegt vor allem an einer grandiosen schauspielerischen Leistung sämtlicher Darsteller, bis in die Nebenrollen hinein.

Insgesamt kann der Film auf visueller Ebene überzeugen, die Kulissen sind sehr schön gewählt und vor allem die Geschichte um den Klon im Jahr 2144 weiss auch optisch sehr zu überzeugen. Die Actionszenen sind sehr ordentlich, auch wenn es sich alles in allem nicht um einen Action Film handelt. Dennoch lässt sich hier ab und an die Handschrift der Wachowskis erkennen.

Auch der Score ist sehr gut gelungen und erzeugt dank wiederkehrender Themen einen tollen Rahmen für das Gesamtbild. Besonders interessant ist, dass die Entstehung der Titelkomposition selber sogar im Film thematisiert und auch später ab und an direkt oder indirekt auftaucht und teilweise von den Figuren kommentiert wird.

Die Tatsache, dass hier drei verschiedene Regisseure am Werk waren, schadet dem Film ebenfalls in keinster Weise, diese ergänzen sich gut, was nicht zwingend zu erwarten gewesen wäre, da Tykwer ja in seinen bisherigen Filmen einen anderen Stil pflegte, als die Wachowski-Geschwister. Dies ist allerdings wohl auch dem Episodenstil zu verdanken, in dem der Film aufgebaut ist.


Fazit: Ein grandioser Film, der die Laufzeit von beinahe 3 Stunden locker ausfüllt. Für die Höchstnote reicht es nur deshalb nicht, weil die ersten 20 Minuten doch recht verwirrend daherkommen, ehe der Film dann an Fahrt aufnimmt und man sich an die häufigeren Zeitsprünge gewöhnt. Alles in allem ist der Film spannend, toll inszeniert, mit großartigen schauspielerischen Leistungen und vor allem ein Film der zum Nachdenken anregt! 9/10 Punkten

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