Tommy Lee Jones und Meryl Streep spielen ein altes Ehepaar, das sich auseinander gelebt hat. Die beiden schlafen in unterschiedlichen Betten, haben sich seit Langem nicht berührt und sind gelangweilt von der alltäglichen Routine. Sie will dies ändern und meldet die beiden zu einer Intensiv-Therapie bei einem Psychiater, gespielt von Steve Carell, an. Ihr Mann ist nicht gerade begeistert von der Idee, nimmt aber widerwillig teil. Allmählich kommen sich die beiden wieder näher.
Auffällig ist bei “Wie beim ersten Mal“ zunächst einmal vor allem der gut besetzte Cast, der hält was er verspricht. Meryl Streep agiert wie gewohnt vollkommen glaubhaft, zeigt viele Emotionen, ohne, dass sie zu aufdringlich oder unglaubhaft daherkommen. Egal, ob ihre Figur gerade frustriert ist, weil ihr Mann nicht an der Therapie teilnehmen will, oder, ob sie sichtlich nervös nach Jahren wieder zu ihrem Mann ins Bett steigt: Streep spielt hier ganz groß auf, wie schon bei der letzten Zusammenarbeit mit Regisseur David Frankel “Der Teufel trägt Prada“. Tommy Lee Jones steht dem in nichts nach und überzeugt ebenfalls auf ganzer Linie. Mit seiner kauzigen Art, seiner oftmals offen zur Schau gestellten Ablehnung und Unlust der Therapie, teilweise auch seiner Frau gegenüber, sorgt er immer wieder für den einen oder anderen Lacher. Jones schafft es aber auch, seine Figur in den emotionalen Momenten verletzlich wirken zu lassen, sodass diese nicht zur Witzfigur verkommt. Da stört es nicht, dass sich Steve Carell in der Rolle des gutmütigen Psychiaters angenehmerweise zurücknimmt.
Ohne Streep und Jones wäre der Film definitiv gescheitert, denn ansonsten überzeugt Frankels Werk leider nicht in allen Punkten. Es wirkt so, als könnte er sich nicht so recht entscheiden, was sein Film denn nun sein soll, eine Komödie mit einem lustigen Tommy Lee Jones und einem Happy End im klassischem Hollywood-Stil oder ein ernsthaftes Beziehungsdrama, das um einen realistischen Einblick in eine eingerostete Beziehung bemüht ist.
So beginnt der Film zunächst ambitioniert, zeigt die alltägliche Routine der beiden Protagonisten und wie sie ihn schließlich zur Therapie überredet. Auch bei der Therapie gibt es immer wieder gute Dialoge, Szenen, in denen ruhig und ernst über Sex und Liebe gesprochen wird, Momente, in denen das Drama realistisch erscheint und die Figuren an Profil gewinnen. Dann sind da aber auch die Szenen, die die Glaubwürdigkeit des Films massiv einschränken. Wenn Tommy Lee Jones etwa stocksteif im Bett liegt und extrem ungelenk versucht, seine Frau zu umarmen, dann ist das nicht sonderlich lustig und darüber hinaus alles andere als glaubhaft. Auch das Happy End will nicht so recht in ein realistisches Drama passen, dass dann beim Abspann noch fröhlich getanzt wird, macht das Ganze noch schlimmer.
Letztlich ist “Wie beim ersten Mal“ somit für ein Drama nicht realistisch genug, aber auch nicht so lustig, dass der Film als Komödie einen Lacher nach dem anderen verbucht. Dies ist ärgerlich, weil die beiden Hauptdarsteller das Potential für einen hervorragenden Film geboten hätten. Es gibt durchaus Szenen, etwa die, in der die beiden Protagonisten nach Jahren Hand in Hand im Bette liegen, die die Emotionalität und Zerbrechlichkeit des Moments hervorragend einfangen, die durchaus im Kopf bleiben. Aber auch im Film sind die guten Szenen nicht von Dauer.
Fazit:
“Wie beim ersten Mal“ überzeugt zwar mit zwei hervorragenden Hauptdarstellern, macht aber zu wenig aus diesem Potential. Der Film ist für eine Komödie nicht amüsant genug, aber ein ernsthaftes, nachdenkliches Drama kommt leider auch nicht zustande, da beispielsweise das überzogene Happy End stört. So bleibt eine Tragi-Komödie, die nicht so recht weiß, was sie will und deshalb nicht über das Mittelmaß hinauskommt.
60%