Review

Alle paar Monate wieder stolpert man beim Schlendern durch die Videothekengänge über einen neuen Film mit Nicolas Cage.

Seien wir doch mal ehrlich, die Blütezeit um die Jahrtausendwende, in denen er noch in Krachern wie "Con Air", "The Rock" oder "Im Körper des Feindes" mitwirkte und einer der begehrtesten Schauspieler Hollywoods war , sind schon lange vorbei. Heute darf er noch ab und zu in einem mittelprächtigen Kinofilm mitwirken, und seit letztem Jahr macht sich der Trend breit, in dem man seine neuen Werke direkt beim Filmverleih vor Ort findet. Ohne Kinoauswertung direkt auf DVD gepresst. Sätze wie "Huch, noch nie etwas davon gehört" sind da nicht selten.

So war es bei "Trespass", "Pakt der Rache" und eben auch bei "Stolen", wobei man zumindest bei diesem Film im Vorfeld schon mit den Augen schlackern darf - immerhin sitzt Simon West im Regiestuhl, der vor kurzem die erfolgreiche Fortsetzung  der Expendables ins Kino brachte (und auch damals "Con Air" mit Cage verfilmte).

Die Story entpuppt sich leider als viel zu harmlos und man hat das Gefühl, diesen Film schon in tausend anderen Variationen gesehen zu haben: Ein Quartett raubt Banken aus, Quartett baut Scheiße und der Kopf der Bande Will Montgomery (Cage) wandert für acht Jahre in den Knast, nachdem er die Beute versteckt hat.
West zeigt im Intro eindrucksvoll, dass er mit viel Wumms inszenieren kann, begeht dabei jedoch den Fehler, mit einer plumpen "Nein, wir töten keine Menschen"-Szene den Zuschauer auf die Seite von Cage zu ziehen, während der böse Bub Vincent (Josh Lucas) den Passanten lieber abknallen will. Eindimensionaler geht es nicht.
Nach dem furiosen Bakraub-Intro, in dem die Fronten zwischen Gut und Böse jämmerlich geklärt worden sind, machen wir den direkten Zeitsprung dieser acht Jahre mit. Die damals anwesenden Cops sind Will auf der Spur und denken, dass er sich zuerst mal die acht Millionen Dollar unter den Nagel reißt. Doch Will hat das Geld damals verbrannt und ihn interessiert momentan nur seine Tochter Alison (Sami Gayle), die ohne Vater aufwuchs und ihn dementsprechend kackbratzig begrüßt.
Leider sind hinter Will nicht nur die Polizisten her, sondern auch Vincent, der mittlerweile komplett durchgeknallt ist. Vincent fackelt auch nicht lange und entführt seine Tochter. Vincent will seinen Anteil des damaligen Bankraubs, ansonsten tötet er das Mädchen. Will bleiben zwölf Stunden Zeit, um das Geld aufzutreiben...

Was meine Euphorie bei "Stolen" etwas ausbremste, ist ganz einfach: Die Story ist einfach blöd umgesetzt.
Weder die Polizei noch der durchgeknallte Vincent wollen Will glauben, dass er das Geld nicht hat und so hangelt man sich durch platte Dialoge, viele Actionpassagen (vornehmlich Verfolgungsjagden mit Autos, gähn) und künstlich dramatisch aufgesetzten Szenen bis zum Schluss - und muss feststellen, dass man zwar mit "Stolen" nichts schlechtes gesehen hat, aber auch keinen Film, der für eine zweite Sichtung gut wäre.
Simon West fehlt hier das Gespür für einen eleganten, ausgeglichenen Handlungsverlauf. Während sich fast der ganze Film als ideenloses Katz- und Mausspiel entpuppt, holt West im letzten Drittel den Holzhammer rauß, lässt Cage eine Lösung finden (was wahnsinnig plump ausgefallen ist), bis sich im Finale der Showdown ereignet. Dieser ist nicht von schlechten Eltern, jedoch wird der Showdown mit einer dummen Aktion vermasselt. Wenn man einen Kofferraum nicht aufbekommt, ist es natürlich der Oberknaller, wenn der Kontrahent wie aus dem Nichts auf einmal mit einem Brecheisen auf den Gegner los geht, was sich natürlich als sehr hilfreich erweist, wenn man etwas aufbrechen will. Hier, am Anfang und eben an so vielen Stellen macht es sich Simon West so einfach mit dämlichen Handlungen und Zufällen, dass der Sehspaß getrübt wird. Zudem dudelt eine fürchterliche Musikuntermalung die ganze Zeit mit, die einem den letzten Nerv rauben kann.

Während Nicolas Cage und Josh Lucas ihre Rollen passabel rüberbringen, die 16jährige Sami Gayle durchaus mithalten kann, kann man alle Cops in der Pfeife rauchen. Damit meine ich nicht die Schauspieler ansich selbst, sondern ihre absolut talentfreien Verhaltensweisen. Von M.C. Gainley (als dritter Dieb im Bunde) hätte ich gerne mehr gesehen, jedoch fällt seine Rolle sehr kurz aus.


"Stolen" ist ein Action-Thriller, der etwas altbacken und nicht richtig durchdacht wirkt. Die Story bietet nichts neues und Handlungslücken werden geschickt mit Verfolgungsjagden kaschiert. Garantiert anschaubar ohne Folgeschäden. Aber auch nicht mehr.

5/10

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