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Bei der zweiten Kooperation von Nicolas Cage und Regisseur Simon West ist die Tochter zwar „Stolen“ und nicht „Taken“, aber es ist klar, welches Liam-Neeson-Vehikel hier Pate stand, immerhin bevor Filme wie „3 Days to Kill“ und „The Gunman“ massiv in die gleiche Kerbe schlugen.
Der Protagonist ist natürlich einer der besten seines Faches, aber kein Agent oder ähnliches, sondern ein Meisterdieb. Gemeinsam mit seinen Kollegen Vincent (Josh Lucas), Riley (Malin Akerman) und Hoyt (M.C. Gainey) geht Klau-Maestro Will Montgomery (Nicolas Cage) auf Beutezug, klaut nicht nur eine Riesenmenge Geld aus einem Banktresor, sondern schlägt auch dem auf der Lauer liegenden FBI ein Schnippchen. Nur will gibt es auf der Flucht Streit zwischen Will und Vincent ob man einen Zeugen töten soll oder nicht, Vincent wird verletzt, die Cops kreuzen auf und können Will nach einer fetzigen Verfolgungsjagd verhaften, auch wenn sie ihn ohne die Beute aufgreifen.
Acht Jahre später kommt Will aus dem Knast und wird argwöhnisch von den FBI-Beamten Harlend (Danny Huston) und Fletcher (Mark Valley) beäugt, die glauben, dass er die Beute versteckt hat. Will möchte allerdings nur Frieden mit seiner Tochter Alison (Sami Gayle) schließen, die aber nicht gut auf Daddy zu sprechen ist. Das ist verständlich, allerdings kommt Alison dabei über die Maßen zickig rüber und es bleibt die einzige Vater-Tochter-Interaktion bis zum Start des Mainplot, wodurch das Verhältnis der beiden weitaus weniger gut etabliert ist als im Vorbild „Taken“, der trotz ähnlich kurzer Exposition wesentlich besser und nachhaltiger vermittelt, was der Vater für seine entfremdete Tochter empfindet.

Hier wird die Tochter nun von Vince eingesackt, der durch die damalige Verletzung ein Bein verlor, ziemlich aufgebracht ist und nun die Beute möchte – gestohlenes Geld gegen gestohlene Tochter, so der Deal. Da Will die Beute allerdings verbrannte, um nicht mit Beweismitteln erwischt zu werden und noch länger einzufahren, muss der nun improvisieren…
Ursprünglich mal als Vehikel für B-Actionregisseur William Kaufman geplant wurde „Stolen“ unter der Regie des profilierteren Simon West abgedreht, der sicherlich auch ein höheres Budget an Land ziehen konnte und von Anfang an aufs Gas tritt. „Stolen“ ist eine Non-Stop-Hatz durch New Orleans, die vom Lokalkolorit der Stadt (natürlich ist wieder Mardis Gras) lebt und auch sonst mit der Videoclipoptik punktet, die schon die erste Cage/West-Kollaboration prägte. Film und Protagonist bleiben ständig in Bewegung, was „Stolen“ durchaus gut tut, denn über Manches denkt man hier besser nicht nach, etwa das manchmal etwas trottelige Verhalten der FBI-Beamten oder den in Rekordzeit durchgeführten Megacoup, den „Stolen“ etwas schwachbrüstig damit begründen will, dass Will im Knast ja Zeit hatte alles auszubaldowern – sonstige Vorbereitung scheint da egal zu sein. Klischees gibt es auch in großen Mengen, darunter auch den scheinbar toten, aber mehrfach wieder aufstehenden Fiesling.
Letzteres hielt man wohl für nötig, denn im Gegensatz zu Bryan Mills aus „Taken“ steht Will Montgomery nicht massig Feindvolk zum Roden gegenüber. Hier gibt es einen Schurken (und ein Helferlein), hin und wieder poliert der Held auch ein paar Cops die Kauleisten, aber das sind wenige Auseinandersetzungen, wenn auch erfreulich übersichtlich und zackig in Szene gesetzt. Stattdessen sind es die dauernden Verfolgungsjagden, die für Schauwerte sorgen, inklusive reichlich Autoaction, Blechschäden und handgemachten Stunts. Das sorgt für kurzweilige Action ohne die ganz großen Aha-Momente, macht aber durchweg Laune, sobald es knallt.

Dazwischen mangelt es „Stolen“ dann hin und wieder an Spannung und Leben. Der Film ist zwar erfreulich geradlinig und schnörkellos, verzichtet auf Riesentwists am Ende wie derzeit en vogue im Thrillergenre und spielt mit offenen Karten: Das Geld hat Will wirklich verbrannt, keine Enthüllungen oder sonstiger Mumpitz, die den Zuschauer oder andere Charaktere hinters Licht führen sollen. Doch leider bleiben die Figuren etwas blass, nicht nur die Vater-Tochter-Bindung wird selten spürbar, auch die Attraktion zwischen Will und Riley kommt kaum rüber; einzig und allein die Sympathien, die Will bei seinen FBI-Gegenspielern hervorruft, das Messen von zweierlei Profis, das wirkt tatsächlich recht überzeugend.
Nicolas Cage spielt den Helden erfreulich zurückgenommen, gibt den besonnenen wie brillanten Vater in Not mit Charme und Überzeugungskraft ohne in sein sonst so häufiges Overacting zu verfallen. Dafür dreht Josh Lucas umso mehr auf, was aber zu seiner etwas durchgeknallten Fieslingsfigur passt. Routinierten Support ohne Akzente liefert Malin Akerman ab, ähnlich sieht es bei Mark Valley und M.C. Gainey aus, die beide schon West-erfahren sind: Gainey war auch schon bei „Con Air“ dabei, Mark Valley wurde von ihm in der „Human Target“-Pilotfolge dirigiert. Sympathisch, aber nicht herausstechend ist die Performance Danny Hustons, während Sami Gayle darstellerisch ganz klar abfällt. Immerhin: Markig sind die meisten Charaktere, die „Stolen“ aufzubieten weiß.

„Stolen“ ist einfaches, wenn auch wenig nachhaltiges Prämissenkino, das vor allem wegen der markigen Figuren, des hohen Tempos und der handgemachten Action relativ kurzweilig ist. Zwar trüben Klischees und Logiklücken den Spaß ebenso wie die Tatsache, dass die meisten Beziehungen der Figuren eher behauptet als überzeugend vermittelt werden, aber recht flotter, handgemachter Actionthrill wird schon geboten, wenn auch größeren Nährwert oder wahrhaft memorable Momente.

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