Nessie, Yeti, Chupacabra, Jersey Devil und Bigfoot: Was gäben manche Sensationsreporter dafür, eine dieser modernen Legenden vor die Linse zu bekommen, natürlich auf die zeitgenössische 3D-HD-Kamera mit eingebautem Bildstabilisator und integrierter Nachtsichtfunktion. So oder so ähnlich muss es zur Grundidee zum vorliegenden Werk gekommen sein, denn einmal mehr kreuzen sich Found Footage und Monsterhorror.
Journalist Sean und seine drei Mitarbeiter drehen eine Reportage über Bigfoot und treffen irgendwo im Nirgendwo auf Mr. Dryback, der angeblich einen toten Sasquatch versteckt hält.
Das Team übernachtet in schlichten Hütten im Wald, als es zu Poltergeräuschen an den Wänden kommt. Doch noch glaubt die Crew, es sei alles ein Fake von Dryback...
Immerhin hantieren hinter den insgesamt drei Kameras Profis, die mit weitgehend ruhiger Hand durchs Geschehen führen und dem Zuschauer nicht gleich nach zehn Minuten ein ernstes Augenleiden bescheren. Die schlichten Charaktere sind rasch etabliert, nur der Nerd in Form eines ängstlichen Tontechnikers nervt ein wenig, wobei diesen Job ursprünglich ein Dunkelhäutiger übernehmen sollte, der jedoch nicht ohne Augenzwinkern darauf hinweist, auf keinen Fall als pures Kanonenfutter enden zu wollen.
Der Rest verläuft leider weitaus weniger selbstironisch, da, erst einmal an den einfachen Hütten ohne Strom und Heizung angekommen, schlicht zu wenig geschieht, außer dass es nachts laut poltert und rommst und aus der Ferne so etwas wie ein gedämpftes Brüllen zu vernehmen ist. Später entdecken die vier noch überdimensionale Fußspuren am Flussufer, doch Bigfoot selbst will sich einfach nicht blicken lassen.
Derweil lockern zwar ein paar flapsige Sprüche etwas auf und die selbstverliebten Einspieler von Sean bringen fast schon ein wenig Medienkritik mit, doch auf spannende Momente wartet man lange Zeit vergebens, da die Geräuschkulisse allein nicht ausreicht, um eine undefinierbare Gefahr spürbar werden zu lassen. Für überaus aufmerksame Betrachter gibt es allerdings zwei, drei kleine Gimmicks, die jeweils für eine Millisekunde im Bild erscheinen, auch wenn diese Phänomene auf nichts Eindeutiges hinweisen.
Aus dieser Erwartungshaltung heraus wird dem Zuschauer im letzten Drittel schließlich ein Strick gedreht, denn, soviel sei verraten, - am Titel sollte man sich nicht so sehr festklammern. Zwar ist die finale Auflösung ein wenig plakativ ausgefallen, doch sie entschädigt final für einige ereignislose Passagen, welche primär im Mittelteil auftreten.
So findet die Crew ein stinkendes Nest im Wald, es gibt eine ominöse Box in einer Höhle an der Küste, zwei kleine blutige Einlagen sind zu verzeichnen und geschickt wird im letzten Drittel zu zwei Handlungssträngen (zwei Gruppen, zwei Orte, zwei Kameras) übergegangen, während die wenigen Mimen ihre Sache überwiegend authentisch performen.
Was im Endeffekt fehlt, sind nervenaufreibende Einlagen, eine spürbare Bedrohung, welche sich auf den Betrachter überträgt, denn über weite Teile stehen (die durchweg ordentlich synchronisierten) Dialoge zu sehr im Vordergrund, während die Holzhütten zumindest auf atmosphärischer Ebene ein wenig punkten können.
Dennoch mangelt es dem Ganzen an Drive, um durch die finale Wendung vollends zu überzeugen. Somit können sich lediglich knallharte Handkamerafans an dem Werk erfreuen, während dem Rest des geneigten Publikums mehr oder minder passabler Durchschnitt geboten wird.
5,5 von 10