Ich hab mir den Film vor ein paar Tagen angeschaut und hab den erstmal sacken lassen. Dieses "sacken lassen" ist für mich schon mal ein Indiz für einen wirklich guten Film. Warum gut? Weil ich direkt nach dem Film erstmal Luft holen und das Gesehene verdauen musste. Und weil ich dann merke, ob er mich weiterhin beschäftigt oder nicht. Und wenn das bei mir der Fall ist, dann war es so gut wie immer ein guter Film
Zum Inhalt selbst möchte ich nicht viel sagen, ich habe mich auch vorher -so gut es ging- kaum über den Film informiert und Reviews möglichst gemieden. Ich lass mir lieber unvorbereitet ins Gesicht schlagen als mit Ansage
Ich wußte zwar, worum es in dem Film geht, aber ab einem bestimmten Punkt hat er einen mächtigen Haken geschlagen, der mich wirklich überrascht und mich fassungslos vor dem TV sitzen lassen hat (es geht um Angelos Absichten). Die Schauspieler machen ihre Sache sehr gut, der Score und das Sounddesign passen hervorragend zum Gezeigten. Mir hat nur in manchen turbulenteren Szenen die Musikuntermalung nicht gefallen, die kam irgendwie wie in einem billigen Actionfilm rüber, aber das ist auch der einzige Kritikpunkt, der mir aufgefallen ist. Der Film wurde sehr schön fotografiert und das Ganze wirkte schon sehr bedrückend, da sich die Geschichte fast nur im düsteren Haus abspielt. Beeindruckend finde ich vor allem die letzte Szene im Film, wieder ein Twist, der es in sich hat. Die Idee mit der Glaskugel beim finalen Bild ist einfach nur genial, hier verschmelzen Bild und Ton zu einer faszinierenden Einheit, die mich völlig in ihren Bann gezogen hat. Auch die Klänge der Spieluhr am Ende fügen sich wunderbar ein.
Insgesamt ist 'Im Glaskäfig' für mich einer der verstörendsten Filme, die ich je gesehen habe. Er ist nicht immer explizit (das muß er aber auch nicht sein!), er ist sadistisch, krank und (bis auf eine Szene mit der Haushälterin, Stichwort Lohn) völlig humorlos. Ich muß gestehen, daß ich das auf den Schuber gedruckte Zitat von John Waters anfangs ein wenig belächelt habe (obwohl ich schon stutzig war, daß so ein Spruch von ihm kommt).....mittlerweile ist mir das Lachen (wie auch der eine oder andere Pringle während des Films) im Hals stecken geblieben, diese Aussage von John Waters unterschreibe ich uneingeschränkt.
Mein erster Gedanke direkt nach dem Film war "Hoffentlich hat diese VÖ keine bösen Konsequenzen für Bildstörung". Wahnsinn, solch einen Gedankengang hatte ich nach einem Film bisher noch nie! Durch die FSK-Freigabe sollte es aber keine Probleme geben....oder könnte da doch noch was kommen, falls jemand den Film in die Hände kriegt, der mit solchen Filmen nicht umgehen kann?
Dieser Film hat es geschafft, mich in seiner Handlung mehrfach zu überraschen und wirklich zu verstören und zu deprimieren. So etwas intensives habe ich seit Martyrs beim FFF nicht mehr erlebt. Ein ganz dickes DANKE an Bildstörung für diese Erfahrung! Volle 10 Punke