Als KZ-Arzt hat Klaus (Günter Meisner) Hunderte von Kindern eigenhändig ermordet und kann auch im spanischen Exil nicht von seiner Obsession lassen. Nun liegt er an die eisernen Lunge gefesselt hilflos in seinem Zimmer und ist dem jungen Pfleger Angelo (David Sust) ausgeliefert, der zunehmend die Gewalt über Haus und Familie übernimmt. Klaus Ehefrau ist sein erstes Opfer...
"Das Grauen hat, ganz wie die Sünde, seine eigene Faszination" schreibt der perverse KZ-Doktor in sein Tagebuch, hier sind keine Bilder aus dem Lager notwendig, ein paar Zeilen reichen schon. Obwohl Agustí Villarongas Erstling auf der Berlinale 1986 beschlagnahmt wurde, sind in dem intensiven Film keine explizieten Gewaltdarstellungen zu sehen. Insofern ist es dem Label Bildstörung hoch anzurechnen, dass sie dieses Filmkunstwerk ungeschnitten und mittlerweile mit FSK 18 geprüft veröffentlicht haben (OmU).
Bei Villoronga geht es nicht um die Vergangenheit, sondern um die Gegenwart und die Zukunft, wie in einer beklemmenden letzten Einstellung deutlich wird.
Gewalt und Allmachtsfantasieen sind Säulen des Faschismus. Der einst Vergewaltigte übernimmt die Rolle des Schänders und stellt dessen Taten nach, so sehr ist Angelo von Klaus' Macht beeindruckt, dass er das Haus Stück für Stück zum Konzentrationslager umbaut. Dessen Wände verlässt der Film nur kurz bei den zwei Fluchversuchen von Klaus' Tochter, die zwangsläufig scheitern müssen. Eine sehenswerte Studie über menschliches Verhalten und eine zeitlose Botschaft: Fuck Fascism! (9/10)