Review

Irgendwie konnte ich mir das von vornherein nicht recht vorstellen, wie man einen britischen Komiker wie Richard Ayoade ( „The IT Crowd“) mit Ben Stiller, Vince Vaughn und Jonah Hill paaren sollte, um einen kohärenten Film zu bekommen.
Das klappt dann auch folgerichtig nicht, denn geschrieben wurde die Alien-Chose von Seth Rogen und seinen bewährten Autoren Stern & Goldberg, die zwar wissen was sie tun, um einen ordentlichen Publikumserfolg zu generieren, aber dabei nicht zwangsläufig irgendein Niveau mitliefern.
Manchmal bringt das dann recht unterhaltsame, wenn auch kuriose Ergebnisse („Superbad“, „This is the end“ ), manchmal ist der „Outcome“ auch einfach zusammengewürfelter Murks.

So auch hier, denn die Mischung aus Nachbarschaftskomödie, Beziehungsproblematiken und Alien-Invasionsthriller gerät zwar zu einer streckenweise turbulenten Nummernrevue, fällt aber spätestens dort auseinander, wo das Skript all seinen Stars gerecht werden will.
Das bedeutet bei Ben Stiller natürlich verkopftes Problematisieren (da ist dann die Beziehungsproblematik), bei Vince Vaughn obszöner Sabbeldurchfall und Jonah Hill bringt eine gewisse „weirdness“ in alle seine Rollen, liefert die aber ungeachtet der begleitenden Umstände. Ayoade dagegen ist – schon optisch ein Nerd – und deswegen natürlich ein Fremder (Alien) in dieser uramerikanischen Umgebung – und es ist keine Überraschung, wenn er sich wirklich als ein Besucher von anderen Planeten entpuppt.
Was aber auch zur Folge hat, dass er viele seiner Sätze noch einmal leise wiederholen muss, weil die Anderen – dauerhaft beschäftigt im munteren Durcheinanderbrüllen – erst einmal mühsam die Klappe halten müssen.

Was bei „Paul“ aber bspw zu amüsanten Ergebnissen führte, mündet hier nach dem üblichen Quark natürlich in eine satte Welteninvasion, die von einem CostCo-Megamarkt ausgehen, die sich hier bestimmt einen Ast über das Product Placement gefreut haben.
Das ergibt dann ein knalliges Ende mit Ballerei und Glibber und jede Menge Alientricks, während vorher ein bißchen Mystery-Spannung herrschte und die Nachbarschaftsbedrohung hinter der idyllischen Fassade für die üblichen Jokes ausgebeutet wurden (rabiater Nachbar mit Knarre, mysteriöser Nachbar mit Sexparty, fanatischer Vati passt auf renitente Tochter auf).

Die Teile des Film passen kaum mit der Brechstange zueinander, während jeder offenbar nur mit auf den Weg bekommen hat, das zu machen, was man sowieso am besten kann. Stiller sinniert problembelastet leise sabbelnd vor sich hin, bis Vaughn jede Szene mit Wucht und Wortgewalt totbrüllt und dabei unendlich viele Sex- und Fäkalwitze absondert, von denen sich alle anstecken lassen, um sich nur dann zu beruhigen, wenn der Joke sich müde gelaufen hat.
Das generell ernste Thema und die guten Absichten laufen sichtlich quer zu der kindischen Idiotie, die die Männer allesamt an den Tag legen, was aber gut zu den Nachbarn oder den ermittelnden Beamten in der weiteren Umgebung passt. Ein wirklich sympathisch e Figur liegt im ganzen Film nicht vor, stattdessen drehen alle die Karikaturenleistung mindestens auf Stufe 9.

Natürlich wird das allen egal sein, die die einfachste Rechnung aufmachen: Titten- und Spermawitze, Alienschleim, dicke Knarren, bißchen Gore und jede Menge Infantilitäten, aber das stete Auf und Ab von Ernst und Infantilie, von guten und sehr schlechten Witzen und einfach viel zu viel typischen Dauerlabereien Marke Rogen ermüdet dann doch sehr schnell und man will den Film einfach nur noch hinter sich bringen – trotz gelegentlichem Aufblitzen von Talent.
Für das R-Rating, das der Film kassiert hat, ist er zu harmlos-albern, für PG-13 ist er wieder zu drastisch-direkt, also kein Wunder, dass er nur mit Mühe das Budget weltweit einspielte und somit ein Verlustgeschäft war.

Ich würde mich freuen, wenn es auch mal eine Komödie von Rogen und Co. geben würde, die überhaupt nicht von Ficken, Kiffen, Saufen und analfixierten Pimmelwitzen handelt, aber das wird wohl ein Traum bleiben.
Hier bitte schmunzeln und dabei ruhig schon mal ein gutes Buch lesen. (4/10)

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