Die klassische dreigeteilte Anthologie hat Tradition bei den koreanischen Regisseuren oder allgemein in Asien. Auch einer der Regisseure von DOOMSDAY BOOK Kim Ji-woon, hat mit dem Horrorklassiker THREE…NIGHTMARES schon vor über 10 Jahre goretechnisch und vom Faktor Skurrilität Maßstäbe gesetzt. Auch diese Eigenschaft kann das neueste Werk von ihm und Pil-Sung Yim vorweisen, gepaart mir reichlich Zynismus und eigenwilliger Philosophie rund um das Thema des Weltendes. Es gibt viel schrägen Humor, aber gleichzeitig auch tolle Bilder und stimmungsvolle Melancholie.
Die 3 Folgen sind im Einzelnen:
BRAVE NEW WORLD (Pil-sung Yim):
Eine Zombiegeschichte bei dem der Zombievirus über kontaminiertes Rindfleisch zu den Menschen gelangt. Die vom anfänglichen Verhalten und auch der Musik her skurrile aber gleichzeitig auch sozialkritische Folge ist blutig und von den Effekten her sehr gut gelungen. Der starke satirische Einschlag wird am Ende auch von sehr philosophisch geprägten Sequenzen vervollständigt…
HEAVENLY CREATURE (Kim Ji-woon):
Ein Roboter in einer fernen digitalen Zukunft wird von buddhistischen Mönchen als Reinkarnation Buddhas verehrt. Konsequenterweise stellt er die Existenz des Menschen selber in Frage. In sehr langsamen und hypnotisch-schönen und detailliert komponierten Bildern wird diese sehr interessante klassische Science-Fiction Geschichte über die Zukunft der Menschheit aufgeblättert…
HAPPY BIRTHDAY (Kim Ji-woon & Pil-sung Yim):
Eher fantasylastiger aber auch der schrägste Beitrag der den Bogen über eine Fehlbestellung im Internet zu einer Bedrohung durch einen riesigen Meteoriten für die ganze Menschheit spannt. Jahre später machen die Menschen eine fatale Entdeckung…
Die Mischung der 3 Geschichten zwischen Horror, Science-Fiction, Fantasy und Drama ist sehr gut gelungen. Wie immer besticht das koreanische Kino durch außerordentlich gute Effekte, eine bestechende Kameraführung und eine gute Portion Skurrilität wie sie nur von dort kommen kann. Gleichzeitig ist dies weitab von üblichen Mainstream und deshalb schließe ich mich den Stimmen an die warnen, dass nur Asiafilm-Erfahrene mit viel Sinn für den schrägen asiatisch-geprägten Humor, dessen Abgedrehtheiten und die spezielle Darstellung sich an DOOMSDAY BOOK wagen sollten.
Nicht jeder kann und muss die in Humor verpackten philosophischen Elemente sowie die grotesk-zynischen Bestandteile der einzelnen Folgen verstehen und nachvollziehen. Einiges kann unfreiwillig komisch wirken und tut es auch. Nicht jeder kann so einfach umschalten zwischen wahrnehmbaren post-apokalyptischen Bedrohungen und fast naiv-kindlichen und völlig überdreht anmutenden Szenen mit einer guten Portion des - aus unserer Sicht - typischen Overactings mit überdrehter Mimik und Stimme. Wer dazu in der Lage ist, wird allerdings mit optisch sehr anspruchsvoller und intelligenter Filmkunst belohnt.
Aufgrund meines Asiafilm-Faibles kenne ich fast alle Filme der für DOOMSDAY BOOK maßgeblichen Regisseure Kim Ji-woon und Pil-Sung Yim. Ersterer hat uns in den letzten 15 Jahren nicht nur klassische Filme mit klarer Handschrift über die Genre Sozialdrama, Horror und Thriller mit u.a. THE QUIET FAMILY, THREE…NIGHTMARES, I SAW THE DEVIL geboten, sondern zuletzt mit THE LAST STAND mit Arnold Schwarzenegger auch ganz erfolgreich seine Handschrift in der Welle der 80er Revivals verewigt.
Letzterer war schon vor 6 Jahren spätestens mit dem ebenfalls sehenswerten HANSEL & GRETEL Horrorbeitrag aufgefallen, weit vor der 2013er Hänsel und Gretel Remake und Mockbuster Welle. Mit DOOMSDAY BOOK beschreiten beide gekonnt filmtechnisches Heimatland in Form dieser schrägen asiatisch-geprägten dreigeteilten Anthologie. Jeder der sich nur etwas für Science-Fiction oder den jungen südkoreanischen Film interessiert sollte an DOOMSDAY BOOK nicht vorbeigehen.
7/10 schwarzen Billardkugeln....äh,....Punkten