Der Mann, der uns die „Godfather“ – Trilogie und „Apocalypse Now“ brachte, zeigt sich auch für eine der edelsten Adaptionen des „Dracula“ – Stoffs von Bram Stoker verantwortlich – Francis Ford Coppola. Sein Schaffen mag in der Gesamtheit zwar überbewertet sein, denn zwischen seinen Filmgeschichte schreibenden Meisterwerken findet sich immer wieder Murks (besonders sein produzierendes Gespür lässt doch arg zu wünschen übrig), doch seine lichten Momente hatte Coppola unumstritten.
Sein „Dracula“ platziert sich dazwischen, stellt keinen Totalausfall dar, kann aber auch ganz eindeutig keinen Klassiker-Status genießen. Dafür ist James V. Harts („Lara Croft Tomb Raider: The Cradle of Life”, „Sahara”) Drehbuch einfach nicht griffig genug und hat Mühe auf den Punkt zu kommen.
Nichtsdestotrotz gibt es hier in visueller Hinsicht kaum etwas zu bemängeln, denn Coppola schwelgt hier unter der kräftigen Mitarbeit des hier zu Höchstform auflaufenden Michael Ballhaus („The Color of Money“, „Outbreak“) in einer sündhaften Wahnsinnsoptik, die romangetreuer und klassischer kaum sein könnte. Die Studiobauten sehen bis ins letzte Detail perfekt aus.
Die Geschichte ist selbstverständlich die alte geblieben. Der Londoner Immobilienmakler Jonathan Harker (Keanu Reeves, „Point Break“, „The Matrix“) reist nach Transsylvanien in die Kaparten, um dort dem mysteriösen Graf Dracula (Gary Oldman, „Léon“, „The Fifth Element“)zu Diensten zu sein. Der möchte nach London umziehen. Nun ist dieser Adelsmann aber ein Vampir, der Harker seinen drei Bräuten (u.a. die damals noch unbekannte Monica Bellucci, „Irréversible“, „Tears of the Sun“) als Spielzeug dalässt, um selbst nach London zu reisen, wo Harkers Verlobte Mina (Winona Ryder, „Reality Bites“, „Alien: Resurrection“) lebt. Dracula glaubt in ihr seine Frau wiederzuerkennen und beschließt sie zu seinesgleichen zu machen. Aber da gab es ja noch einen gewissen Professor Abraham Van Helsing (Anthony Hopkins, „The Silence of the Lambs“, „Hannibal“)
Freilich kommt man angesichts der Kostüme, der auch in der deutschen Synchronisation immer noch ausgezeichnet geschriebenen Dialoge und der vor allem zu Beginn im nebeligen Karpatenstaat gruselige Atmosphäre ins Schwärmen, nur leider verliert die Dramaturgie sehr schnell an Substanz. Sind die Fronten erst mal geklärt, offenbart sich dem Zuschauer in der Filmmitte eine überlange Romanze zwischen Gentleman Dracula und der jungen Mina. Da ich die Buchvorlage bisher nicht kenne, entzieht sich meiner Kenntnis, ob diese Gewichtung dem Roman entspricht, nur sind Film und Buchvorlage zwei verschiedene Paar Schuhe, weswegen hier eindeutig gut 15 Minuten gestrafft hätten werden können.
Abseits dieses Mankos gibt es jedoch wenig Grund zur Beanstandung. Von der wohldosierten Erotik, dem Schuss Horror und den größtenteils, insbesondere von Idealbesetzung Gary Oldman und dem wunderbaren Anthony Hopkins, hervorragenden Darstellerleistungen (Reeves fällt da als Beau etwas aus dem Konzept) findet man jedenfalls alle Elemente der bissfesten Vorlage. In den gut zwei Stunden kann man sich deshalb problemlos von dieser phantastischen Welt gefangen und mitreißen lassen. Die absichtlich anachronistische Tricktechnik trägt ihren Teil dazu bei.
Fazit:
Francis Ford Coppolas Verfilmung kann zwar nicht alle Wünsche des Zuschauers erfüllen und leidet etappenweise unter Langatmigkeit. Dennoch ist die hier etablierte Bilderwucht erhaben. Oldman und Hopkins sind Weltklasse, die Atmosphäre großartig und die Ausstattung mehr als nur opulent. Kein Meisterwerk, aber nah dran.