Während des Mittelalters ist rumänische Fürst Vlad Dracula (Gary Oldman) ein großer Krieger. Er gewinnt sämtliche Schlachten gegen die türkische Armee und kehrt als Sieger nach Hause. Bei seiner Ankunft erfährt er, dass seine geliebte Elisabeta (Winona Ryder) Selbstmord begangen hat. Die listigen Türken schickten Elisabeta die Nachricht, dass ihr Geliebter im Krieg umkam. Der Fürst bricht in Tränen aus, rast vor Wut und entsagt schließlich Gott. Fortan ist der Fürst kein lebender Mensch mehr, sondern ein Geschöpf der Nacht: Ein blutsaugender Vampir.
Jahrhunderte vergehen und der Graf ist ein reicher, mächtiger Mann geworden. Dracula ist im in Begriff einige Anwesen in London zu kaufen. Daher wird der englische Anwalt Jonathan Harker (Keanu Reeves) von seiner Kanzlei nach Transsylvanien geschickt um die nötigen Verträge mit dem Grafen zu schließen. Harker erreicht schließlich das Schloss des Grafen und fühlt sich in seiner Anwesenheit sichtlich unwohl. Zufällig sieht der Graf ein Bild von Harkers Verlobten Mina Murray (ebenfalls von Winona Ryder gespielt), die seiner verstorbenen Elisabeta täuschend ähnlich sieht. Der Graf sieht in ihr nicht die Verlobte Harkers Mina Murray, sondern Elisabeta, die er auch nach über hunderte von Jahren über alles liebt. Harker ist nicht mehr nur Draculas Gast, sondern sein Gefangener. Währenddessen beschließt Dracula nach London zu seiner Elisabeta/Mina zu reisen.
Auch in London tut der Graf, dass was seine Natur ist. So fällt der Graf fast jede Nacht über Mina’s Freundin Lucy (Sadie Frost) her und saugt ihr das Blut aus den Adern. Ihr Verlobter Lord Arthur Holmwood (Cary Elwes), Quincey P. Morris (Bill Campbell) und Dr. Jack Seward (Richard E. Grant) stehen wie vor einem Berg. Keiner der Herren weiß warum es Lucy so schlecht geht oder was mit ihr geschieht. Dr. Seward erinnert sich an Professor Van Helsing (Anthony Hopkins), der sich mit außergewöhnlichen Fällen befasst.
Van Helsing erscheint, begutachtet Lucy und weiß sofort was Sache ist. Er erläutert den drei Herren, dass Lucy die Merkmale eines Vampirbisses hat. Es werden nachts Posten aufgestellt um Lucy zu beschützen. Der Graf überwältigt die Posten und macht aus Lucy endgültig ein Geschöpf der Nacht.
Aber der Graf ist nicht nur nach London gekommen um englisches Blut zu kosten. Seine ersten Annäherungsversuche zu Mina scheitern kläglich und Mina weist ihn drauf hin, dass sie verlobt ist. Doch Mina kann dem Charme des Grafen nicht lange widerstehen. Mina verhält sich überhaupt nicht rational und beginnt sich in Dracula zu verlieben. Sie ist die Einzige, die seine Gefühlswelt ergründen kann. Das bestätigt den Grafen darin, dass Elisabeta zurück gekehrt ist.
Zeitgleich in Transsylvanien kann Harker aus dem Schloss fliehen. Er schreibt Mina einen Brief, in dem er ihr alles erzählt. Bald erfährt Mina wer ihr Prinz wirklich ist, und dass er es war, der ihre Freundin Lucy tötete. Mina ist verwirrt. Einerseits hasst sie ihn für seine Gräueltaten, andrerseits ist er ihre einzig wahre Liebe. Sie bittet ihren Prinzen sie zu beißen und aus ihr ebenfalls ein Geschöpf der Nacht zu machen.
Währenddessen macht die Gruppe um Van Helsing eine erbarmungslose Hetzjagd auf den untoten Graf Dracula.
Kritik:
Coppolas’ Verfilmung über den blutrünstigen Grafen erleuchtet das Innenleben dieses grausamen und doch bemitleidenswerten Wesens. So bestialisch er auch ist, so zerbrechlich und gefühlsbetont ist er.
Auch wenn im Film eine Menge Blut fließt, ist Bram Stokers Dracula kein Action oder Horror Film. Er ist viel mehr gleichermaßen eine Tragödie, Epos, und Romanze. Auch das Wort opernhaft fällt im Zusammenhang mit dieser Verfilmung nicht selten.
Der britische Schauspieler Gary Oldman als Dracula ist einfach super und seine Leistung wäre mindestens eine Oscar Nominierung wert. Viele Leute wie Bela Lugosi und Christopher Lee haben den berühmten Grafen verkörpert, aber Oldman’s Dracula ist für mich bestechender. Er ist gefühlsbetont, bleibt aber weiterhin glaubwürdig als eine gefährliche Bestie. Und selbst als Bestie ist er sehr variabel. Somit bietet er uns einen wortgewandten, klugen, undurchsichtigen, leidenschaftlichen, ehrenhaften Grafen.
Das Zusammenspiel zwischen Gary Oldman und Winona Ryder stimmt. In keiner Sekunde zweifelt man an dieser Romanze. Für den Vampirjäger Van Helsing hätte ich mir keinen besseren als Anthony Hopkins vorstellen können. Auch die Rolle des Mr. Renfield, gespielt von Musiker und Schauspieler Tom Waits, ist beachtlich. Mr. Renfield war Harkers Vorgänger und kehrte nach dem Besuch in Transsylvanien verändert zurück. Im Film sieht man ihn ausschließlich nur in der Irrenanstalt. Renfield ernährt sich seit seiner Rückkehr nur noch von Ungeziefer und Insekten und wartet auf die Ankunft seines Meisters.
Keanu Reeves als Harker wirkt im Film relativ leidenschaftslos, bodenständig, beherrscht und zeigt kaum eine Gefühlsregung. Somit wirkt er wie das genaue Pendant zum Grafen. Folglich bleibt Reeves Spiel eher begrenzt, da es seine Rolle nicht zulässt.
Die ganze Inszenierung, sprich also Optik, Filmmusik, Kostüme usw., ist allererste Sahne. Es gibt etliche Szenen die bei mir einen bleibenden Eindruck hinterlassen haben. Beispiel: In einer Szene in Draculas Schloss unterhält sich Harker mit dem Grafen. Im Hintergrund sieht man Draculas Schatten, der sich eigenständig bewegt.
Übrigens ist Bram Stokers Dracula einer dieser Filme, wo es sich besonders lohnt die Originalfassung (also in Englisch) anzuschauen.