Der Anwalt Jonathan Harker sucht Graf Dracula auf, da er ihm Häuser in London verkaufen will. Der Graf sieht ein Foto seiner Verlobten Mina Murray und verliebt sich in diese. Er sperrt Harker ein und versucht dessen Verlobte zu verführen und beißt deren beste Freundin. Harker kann jedoch entkommen und sucht den Vampirjäger Prof. Abraham van Helsing auf.
Die Story ist bereits geläufig. Jeder hat schon mal einen Film mit Dracula gesehen, ein Buch über ihn gelesen, oder weiß zumindest, wer Dracula und van Helsing waren. Doch was kann dieser Film Neues bieten? Nichts wirklich neues, jedoch schafft er es, die Geschichte von Dracula und van Helsing gut und interligent zu verschachteln, sodass es sicherlich eine der gelungensten Dracula-Verfilmungen ist.
Die Umsetzung ist gut gelungen, wie man es von Coppola (der Pate/ Apokalypse now) kennt. Die Kulisse ist hervorragend gelungen, genauso wie der Ton, die Filmmusik, die Garderobe und die Maske. Alles ist mit Liebe zum Detail gelungen, weswegen der Film optisch eine Menge zu bieten hat. Am Anfang wird gezeigt, wie Dracula zum Vampir wird, dann läuft der Film leider ein wenig langsam an, kommt aber mit der Zeit richtig in Gang. In dem Moment, in dem Dracula sein wahres Gesicht zu zeigen beginnt und van Helsing die Jagd eröffnet geht es richtig los, wobei ich sagen muss, dass ich mir mehr Spannung erhofft hätte, es ist doch alles recht vorhersehbar und altbekannt.
Dramatik gibt es auch. Dracula liebt Mina Murray zwar, zögert aber davor sie zum Vampir zu machen, da er anscheinend mit der Art seiner Existenz nicht zufrieden ist. Die Liebesgeschichte der beiden, die aber nicht zusammen sein können ist stellenweise aber ein wenig zu melancholisch geworden, geht aber dennoch in die Tiefe. Es gibt einige ekalhafte und brutale Szenen, die jedoch die Spannung nicht erhöhen und den Film eher ausbremsen. Hier hätte ich Coppola mehr Konsequenz, auch ohne Splatter-Szenen auszukommen, zugetraut.
Gut ist auch, dass der Film die Perspektive im Mittelteil dreht. Am Anfang und im Mittelteil scheint Dracula der böse Menschentöter zu sein, am Ende steht jedoch van Helsing, der den Mörder ermordet ,als der Täter da. So kann der Film sich die Gut-Böse-Klischees sparen.
Die Charaktere sind ebenfalls gut und haben Tiefe: Dracula ist zwar skrupellos, wird aber nicht als gefühlloses Monster dargestellt, da er sich verliebt. Van Helsing ist ehrgeizig und will Dracula mit aller Macht fangen, auch er hat kaum Skrupell. Mina Murray hat anfangs Angst vor dem Grafen, merkt aber, dass sie mit Harker nicht glücklich wird und will am Ende selbst zum Vampir werden. Jonathan Harker liebt seine Frau und will nicht akzeptieren, dass sie mit dem Grafen zusammenkommt und will diesen auch deshalb von van Helsing töten lassen.
Viele sehen in Bram Stokers Dracula ein Meisterwerk und einen der besten Filme aller Zeiten. Zugegeben, ich bin durchaus der Auffassung, dass der Film nah dran ist, aber zum Meisterwerk fehlt ein Fünkchen Dramatik oder alternativ mehr Spannung.
Gary Oldman (Dracula) spielt hervorragend, er lebt die Rolle förmlich. Dies gilt auch für seinen Gegner Anthony Hopkins (van Helsing), der ebenfalls eine Weltklasse Leistung abliefert. Winona Ryder (Murray) und Monica Bellucci sind ganz gut. Keanu Reeves (Harker) stellt mal wieder unter Beweis, dass er in Hollywood eigentlich nichts zu suchen hat.
Zusammenfassend ist Bram Stokers Dracula ein starkes Horror-Drama, dass in die Tiefe geht, jedoch stellenweise zu langsam inszeniert wurde. Oldman und Hopkins sind Weltklasse.