London um ca. 1890: Der Immobilienmakler Jonathan Harker reist geschäftlich nach Transsilvanien. Dort trifft er in einem Schloss den Grafen Dracula, der Fürst der Vampire. Als Dracula bei seinem "Opfer" ein Foto deren Freundin Mina findet erkennt er darin seine verstorbene Ehefrau wieder. Dracula lässt Jonathan im Schloss schmoren und reist selbst nach London, um sich dort Mina anzunehmen.
Dracula Verfilmungen gibt es quantitativ ja mindestens ebenso viele wie der Mensch rote Blutkörperchen in seinen Venen hat. Coppolas Prämisse war dabei sich möglichst dicht an Stokers Romanvorlage zu halten, was Vorteile aber auch Nachteile mit sich bringt. Was ich ihm persönlich übelnehme das er mit seiner eher erotischen Herangehensweise zumindest mitschuldig ist, das Vampire permanent nicht mehr im Christopher Lee Stil dargestellt werden, sondern eher als romantisch verklärte Geschöpfe gezeigt werden, denen der Sex Appeal schier aus den gebleichten Poren quillt und was zu solch kitschkoitalen Auswüchsen wie den Twilight Filmen führte.
Die Geschichte Draculas ist ja hinlänglich bekannt und auch die Verfilmung hält sich streng an die Etappenziele Transsilvanien -> London -> und wieder zurück. Es dürfte daher auch kein Zufall sein, das zumeist gebürtige Engländer die wichtigen Rollen besetzen. In Sachen Ausstattung wurde aber aus dem Vollen geschöpft. Kulissen und Kostüme sehen viktorianisch üppig aus und vor allem Draculas fünf Meter langer Umhang ist zwar modisch gesehen unpraktisch, aber ein absoluter Blickfänger. Auch bei den Darstellern ließ man sich nicht lumpen und stellte ein sehr gutes Ensemble auf die Beine, bei denen aber besonders Gary Oldman in toller alter Mann Maske als Dracula und Anthony Hopkins als bis zum äußersten motivierter Van Helsing die beiden zentralen Gegenpole bilden.
"Wollen sie etwa eine Autopsy an Lucy durchführen?"
"Nein. Wir wollen ihr nur den Kopf abschneiden und das Herz entnehmen."
Einziger Wermutstropfen ab und an sind dann die oft sehr schwülstig schmachtenden Dialoge des Karpatenfürsten und seiner angebeteten Mina, die doch zuweilen etwas ausufern. Verständlich ist dabei das bei dieser Auslegung des Romans der Horror ein wenig zurückgenommen wurde, außer ein paar Blutstropfen bleibt das Geschehen ansonsten recht sauber, oder wird wie zu Beginn als Schattenspiel dargeboten. In der Summe ist der Film aber natürlich gelungen, wenn er auch gerne nicht unbedingt über zwei Stunden laufen mußte. Nicht die beste Dracula Filmbetrachtung aber eine gute.
7/10