Der Altmeister des unterhaltsamen Low-Budget-Spannungs- und Gruselfilms sowie des Gimmick-Kinos William Castle („Mörderisch“) drehte den Thriller „Es geschah um 8 Uhr 30“ im Jahre 1965 und läutete damit langsam, aber sicher seine Endphase ein. Telefonstreichspielende Babysitterinnen geraten mit ihrem Spruch „Ich habe gesehen, was Sie getan haben und ich weiß, wer Sie sind“ an den Falschen, denn ohne es zu ahnen haben sie einen wirklichen Mörder (John Ireland, „Lauf um dein Leben“, „Nackt über Leichen“) an der Strippe, der sich fortan verfolgt wähnt, was ihn nur noch gefährlicher macht.
Hollywood-Diva Joan Crawford, mit der großmundig geworben wurde und mit der Castle kurz zuvor sein Beinahe-Meisterwerk „Die Zwangsjacke“ gedreht hatte, hat zwar nur eine Nebenrolle inne, doch auch die anderen Darsteller spielen ausdrucksstark und mit Sharyl Locke („Der große Wolf ruft“) hat man gar ein wirklich süßes Kind dabei.
Die Handlung ist eine dieser einerseits arg konstruierten, die andererseits aber Erinnerungen an eigene geschmacklose Streiche aus der Jugendzeit weckt und daraus einen nicht unerheblichen Grad an Realismus bezieht sowie die Ängste zu Hysterie neigender Eltern bedient. Der Beginn des Films fällt noch verhältnismäßig komödiantisch aus, die gute Laune der albernen Teenagerinnen und der ganz Kleinen überträgt sich auf den Zuschauer. Das daraus entstehende gleich dreifache Missverständnis auf Seiten der Mädchen, die den Mörder sympathisch und interessant finden und daher sogar dessen Nähe suchen, des Mörders, der denkt, er solle erpresst werden, und der auf den Mörder scharfen, aufdringlichen Nachbarin Amy (Joan Crawford, „Was geschah wirklich mit Baby Jane?“), die glaubt, die jugendliche Libby (Andi Garrett, „Verrückter wilder Westen“) habe ihrerseits eine Affäre mit ihrem Angebeteten, verfügt dann auch noch über einen gewissen schwarzen Humor. Anschließend jedoch beweist Castle wieder sein Geschick für Suspense nach Vorbild Hitchcocks: eine gelungene Dramaturgie verhindert, dass „Es geschah um 8 Uhr 30“ allzu langatmig werden könnte und spannende Einzelszenen inkl. einiger gruseliger Einstellungen verbreiten angenehmes Gänsehautgefühl nach alter Schule. Die Kameraarbeit, die leider erneut auf Farbe verzichten musste, ist zwar recht statisch, beweist aber ein sicheres Händchen in der Wahl ihrer Perspektiven und wird durch einen dynamischen Schnitt aufgewertet. Die musikalische Untermalung erfolgt durch einen sehr pointierten, aber etwas übertriebenen Orchestereinsatz.
So weit, so gut, doch leider kann das Finale des Films da nicht ganz mithalten (Achtung, leichte Spoiler): Ein präziser Schuss durch die Heckscheibe eines Autos? Na gut, von mir aus. Die moralisch-belehrende Aussage des Filmendes jedoch erscheint unpassend, denn immerhin half der Telefonstreich letztlich, ein Verbrechen aufzuklären. Ansonsten ist es Castle aber ein weiteres Mal gelungen, einen unterhaltsamen, comicartig makabren Genrefilm mit einfachen Mitteln zu kreieren, der optimal auf sein Publikum zugeschnitten wurde und mit Sicherheit das eine oder andere nachfolgende Werk aus dem Thriller- und Slasher-Bereich inspiriert hat.