Wo "Under the Skin" aufhört, hätte ein passabler Sci-Fi-Thriller anknüpfen können, aber nein, das Werk ist zu Ende und man darf, sofern man nach 108 Minuten purer Inhaltslosigkeit denn noch gewillt ist, über Kunst oder purem Unsinn nachdenken.
Laura (Scarlett Johansson) tourt als Alien in Menschengestalt mit einem Van durch Schottland und gabelt fremde Männer auf. Ihre Opfer verführt sie und lässt sie anschließend verschwinden, doch dann gerät ihre Mission ein wenig aus den Fugen...
Schon schlecht, wenn man eine wie Scarlett Johansson als durchschnittliche Schauspielerin mit null Sexappeal ansieht, denn dann funktioniert das erste Kapitel von Regisseur Jonathan Glazer überhaupt nicht. Gesprochen wird ohnehin erst nach einer Viertelstunde, vernascht wird in surrealer Umgebung und wenn Laura nicht gerade durch ihren auffallend hässlichen Lippenstift auffällt, dann herrscht Eiseskälte vor, weil Menschen ja so sind und Männer ganz besonders.
So tourt sie also durch Schottland und Kameramann Dan Landin bekommt sogar ein paar sehenswerte Urlaubsbilder hin, die Rettungsaktion in einer tosenden Bucht hätte man mit weniger Distanzaufnahmen sogar spannend gestalten können, doch außer den alptraumhaften Metaphern bieten die Bilder rein gar nichts, während der Score phasenweise so disharmonisch daherkommt als würde sich Bernard Herrmann gerade im Grabe umdrehen.
Dazwischen gibt es noch eine Begegnung mit einem Elefantenmenschen, Torte schmeckt Aliens grundsätzlich nicht und schreiende Kleinkinder in der Natur stören auch.
Glazer will so sperrig wie möglich vortragen und das gelingt ihm mit Bravour.
Vielleicht hätte ein Kurzfilm bedeutungslose Mittelmäßigkeit ausgelöst, doch gefühlte zwanzig Mal durch eine Menschenmenge mit dem Fahrzeug vorzudringen oder sich im Kaufhaus nach passendem Make-up umzusehen, fährt nur noch mehr Monotonie ein.
Hinzu kommt, dass Johansson in einigen Einstellungen verdammt speckig und unförmig aussieht, was vielleicht noch auf die Alien-Rolle zurückzuführen ist. Doch die Definition des Menschlichen gerät derweil zur Farce, die harten Schnitte sollen das Dokumentarische untermauern, doch im Endeffekt zeugen drei Meter Waldweg von mehr Kreativität.
Also machen wir uns nichts vor, - "Under the Skin" ist ein Pseudo-Film mit null Handlung, null Spannung und null Unterhaltungswert. Der Landeplatz für Außerirdische hätte durchaus Potenzial gehabt, doch wer sich auf einen surrealen Trip mit nur wenigen gelungen Einstellungen ausruht, darf sich hinterher nicht über zweigeteilte Kritiken wundern.
Ist ein wenig wie der weiße Punkt auf türkisem Hintergrund: Interpretationsliebhaber sind gefragt, wer einen anständigen Streifen mit Hand und Fuß sehen will, sollte sich eher anderweitig umschauen.
2 von 10