Der Dämon, die Besessenheit, der Exorzismus, - so verläuft das Prozedere seit Jahrzehnten und nicht erst seit William Friedkins Klassiker von 1973. Meistens ergreift das Böse Besitz von Kindern oder jungen Frauen mit schwarzen Haaren, nur selten von alten Leuten, Korpulenten, Behinderten oder Haustieren. Regisseur Jay Alaimo hat sich für eine Blondine entschieden und die holt sogar noch recht viel aus den Klischeeabläufen heraus.
Es sollte eine Familienzusammenkunft nach einem Jahr der Trauer werden, als Hannah und Michael ihre dreijährige Tochter verloren. Neben ihrer Freundin Maggie sind auch Mutter, Schwester Bethany (Sienna Guillory) und Schwager Luke anwesend. Als Bethany im Kinderzimmer Abschied nehmen will, wird sie von einer unsichtbaren Macht übermannt und kehrt stark verändert zum Familienclan zurück…
Die Chose steigt wie eine bitterböse Weihnachtskomödie ein, bei der das Familientreffen als grundlegend böses Omen gilt, zumal mindest eine Person aus der Reihe tanzt. Hier ist es die Mutter, die mit unerfüllten Enkelkinderwünschen nervt und diverse Anwesende maßregelt. Der für spätere Zwecke nicht unerhebliche Nebenhandlungsstrang beschäftigt sich mit einem Polizeipsychologen (Eric Roberts), der einige leicht lädiert aussehende Familienmitglieder nach den wahren Abläufen fragt. Folgerichtig muss es ja noch Tote geben.
Bis dahin dauert es allerdings eine ganze Weile und bis auf ein kurz zuckendes Messer auf dem Wohnzimmertisch ist lange Zeit nichts Paranormales auszumachen. Es wird erst leidlich interessant, als die besessene Beth ein paar düstere Familiengeheimnisse ausplaudert, ein Medium mit sarkastischen Einlagen in die Runde geladen und ein Priester gerufen wird, der aus Unsicherheit sämtliche Beschwörungsformeln ablesen muss, weil er bei Friedkin nicht richtig zugehört hat.
Zwei Leichenfunde gibt es, grausig geht hier gar nichts vonstatten und auch die Effekte halten sich in Grenzen, denn die Besessene verfügt über die routinierten Dämonenanwendungen wie Gedankenlesen, verfärbte Klüsen, Telekinese und Latein. Sienna Guillory bringt das allerdings sehr überzeugend rüber und spielt alle anderen Beteiligten locker an die Wand, manchmal auch im bildlichen Sinne. Denn die übrigen mimen größtenteils sehr hölzern und auch Eric Roberts scheint einige Male kurz vorm Einnicken zu sein.
Immerhin folgt noch ein finaler Twist, der sich bei einem der Polizeiverhöre herauskristallisiert und mit dem man nicht unmittelbar rechnen kann. Er ist zwar ein wenig an den drei goldenen Haaren des Teufels herbeigezogen, erfrischt jedoch mehr als der Rest der wenig kreativen Vorstellung.
Bei der herrscht nämlich selten Spannung, die hinlänglich bekannten Versatzstücke des Exorzismusbaukastens werden nur wenig variiert und die Wohnung als Hauptschauplatz gibt rein gar nichts her. Die Kraft Jesu Christi bezwingt dich…
4 von 10