"Tremors" war eine wundervolle Parodie auf die dummen, aber unterhaltsamen Monsterfilme, die die Filmwelt um ein einmaliges Genre bereichert haben. Die Grundidee war folgende: der Weisse Hai war zwar ganz schön gemein, aber eben nur im Wasser. Die Menschen leben aber auf dem Land. Was wäre, wenn die Monster direkt vor unserer Haustür lauern würden und aus einer Richtung angriffen, aus der wir es am wenigsten erwarten würden... nämlich von unten?
Angetrieben wurde diese Idee durch ein saukomisches Duo: Kevin Bacon und Fred Ward spielten Val und Earl, zwei Nichtsnutze und faule Säcke, die in dem ebenso gemütlichen Kaff Perfection einige handwerkliche Aufgaben zu erledigen hatten und dann mit riesigen Erdwürmern konfrontiert wurden, die ihnen das Leben zur Hölle machten.
Das Sequel schließt nun an den erfolgreichen Abschluß des Originals an und erzählt die Zeit nach dem Ruhm. Waren die beiden Buddies unmittelbar nach der Eindämmung der Monsterplage noch gefeierte Stars und Entdecker einer neuen Spezies, stellt sich nun heraus, dass sich das Leben zumindest für Earl nicht gerade verbessert hat. Genaugenommen hat man ihn ordentlich übers Ohr gehauen. Er wohnt immer noch in seinem Trailer, weil er sich weder an dem Gewinn des Videospiels noch des Comics noch von irgendeiner sonstigen Vermarktung hat beteiligen lassen.
Derweil bedrohen die Raketenwürmer die Arbeiter bei einer Ölbohrung. Der Verantwortliche muß reagieren und wendet sich an die Entdecker der Würmer, die sich ja schon damals als souveräne Worm-Killer erwiesen haben. Val hat allerdings schon abgelehnt. Bleibt nur noch Earl, der zwar anfangs skeptisch ist, bei einer gewissen Geldsumme in Anbetracht seines bisherigen Lifestyles aber nicht mehr Nein sagen kann. Ihm zur Seite stehen ein junger Kerl (Christopher Gartin), der Earl über alles verehrt und ihm voller Tatendrang helfen will sowie eine unerschrockene Wissenschaftlerin (Helen Shaver).
Erst geht alles gut. Als die Monsterplage aber Überhand gewinnt, wird ein alter Bekannter reaktiviert: Burt Gummer (Michael Gross) und seine durchschlagskräftigen Wummen kehren zurück, um der Gefahr ins Auge zu blicken...
Der Beginn ist schon von fehlender Logik durchsät. Erstens: wieso heuert man unbedingt Earl an? Klar hat er die Würmer entdeckt und auch erledigt, aber letztendlich war er nur ein dummer Average Guy, der durch Zufall in eine ungewöhnliche Situation geraten ist. Da würde man sich in der Realität doch eher an Profis wenden.
Zweitens: ich habe die genaue Summe nicht mehr im Kopf, aber (ungefähr) 50.000 Dollar für ein getötetes Exemplar? Die wissen doch gar nicht, wie viele von den Würmern da herumkriechen (und wir erfahren später, dass es verdammt viele sind). Und nur, um da bohren zu können, solche Unsummen? Wie wärs mit: woanders bohren und/oder die Situation dem Staat überlassen?
Drittens: das Doppelte für ein lebendes Exemplar? Wieso hat ein kapitalistisch veranlagter Ölmagnat Interesse daran, eins von den Dingern lebend zu bekommen? Wissenschaftliche Neugierde? Na ja, vielleicht will er`s ja verkaufen.
Hört sich also schonmal nach einem grottenschlechten Sequel an. Aber: wir dürfen nicht vergessen, womit wir`s hier zu tun haben. Auch wenn die genannten Storyschwachpunkte sicherlich nicht absichtlich eingefügt wurden, ist "Tremors 2" ein purer Trash-Film. Und als solcher können inhaltliche und sonstige Schwachpunkte witzig verpackt werden, wenn man`s richtig anstellt. Und das tut man hier.
Was auch die späteren Fortsetzungen noch auszeichnen sollte, hat hier schon seinen Ursprung. Die Akteure sprühen vor Wortwitz. Allerdings ist es ein sehr subtiler, zurückhaltender Humor, der einem entgegengebracht wird. Das heißt, Schenkelklopfer oder Jim Carrey-Situationen sucht man vergebens. Es ist eher die Art, wie gesprochen wird, welche Worte gewählt werden etc. anstatt besonders gelungene Pointen zu bringen. Also weniger Sitcom- als vielmehr Fargo-Humor.
Erzählerisch war man bemüht, die Reihe auszubauen, was sich dann ein wenig in der Charakterentwicklung zeigt (aber eher wenig; Fred Ward und Michael Gross sind die einzig Verbliebenen aus dem Original und entwickelten sich nur sporadisch weiter), vor allem aber im Monsterdesign. Zwar bleiben die "Graboiden" als solche ihrem ursprünglichen visuellen Design weitgehend treu, doch wird ihr Evolutionszyklus erweitert - ähnlich wie bei der Alien-Reihe.
Man nutzte die Chance und schuf für sich betrachtet äußerst interessante Viecher, die sich aus dem Leib der Raketenwürmer fraßen und damit plötzlich frei auf dem Land umherlaufen konnten. Wer das Computerspiel "Oddworld" kennt, wird sich in etwa vorstellen können, womit man es hier zu tun hat. Die Mäuler sind denen der Erdwürmer nachempfunden und bestehen aus drei zusammenklappbaren Schnabelsätzen. Der Körper sieht aus wie der eines gerupften Hühnchens und die Bewegungsweise ähnelt der eines Tyrannosaurus oder eines Raptoren aus "Jurassic Park". Wer weiß, vielleicht wurde dasselbe Programm benutzt, denn diese kleinen Monster wurden am Computer erstellt. In Anbetracht des Produktionsjahres sind sie sicherlich gelungen. Natürlich kommen sie nicht mal annähernd an die Saurier aus Spielbergs Blockbuster heran und sind stets als CGI-Kreationen zu entlarven. Trotzdem wurde hier bemerkenswerte Arbeit geliefert.
Dass die Monster nun auf der Erde spazieren können, nimmt man etwas zwiespältig auf. Das Besondere am Original war eben die Gefahr von unten und das Spiel mit der Umgebung (Steinfelsen als Hindernisse etc.).
Trotzdem bleibt genug Spielpotential erhalten, denn die neuen Kreaturen sind zwar im Gegensatz zu den Raketenwürmern taub, reagieren aber auf Körperwärme. So werden zum Ende hin einige nette Einfälle durchgespielt, mit denen man die Graboidenbrut austrickst.
"Und deshalb sind wir ganz oben in der Nahrungskette."
"Tremors 2" ist eine akzeptable Fortsetzung. Das liegt in erster Linie daran, dass die kritische Distanz erhalten blieb und man genug Selbstironie bewahrte, um das Ganze nicht zu ernst zu nehmen. Besonders gut stehen dadurch die Akteure da, die teilweise zwar betont schlecht spielen, aber gerade dadurch die Funschraube nach oben drehen. Fred Ward spielt gewohnt souverän den roughen Badass, und Michael Gross kann sich als "Geheimwaffe" gar besser in Szene setzen als noch in "Tremors", wo er nur die dritte Geige spielte.
Dass nicht jeder die Fortsetzung mag, der das Original mochte, sollte aber auch klar sein. Zu sehr versucht Regisseur Wilson noch, die Geschichte weiterzuerzählen, wobei er den typischen Sequel-Schwächen unterliegt. Auch einige Längen schleichen sich ein, weil die Monsterangriffe eher rar gesät sind. Die neuen Monster sind Geschmackssache.
5/10