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Verlassene Wohnblocks feiern Hochkonjunktur im Action – und Horrorbereich, denn spätestens seit „REC“, „Raid“, Attack At The Block“ und „Citadel“ sind solche immer wieder für atmosphärische Grundlagen zu gebrauchen. Auch unter der Regie von Menhaj Huda kommt die marode Kulisse gut zur Geltung, was der ansonsten etwas einfältige Slasher auch dringend nötig hat.

Die Ghetto Kids um Lloyd und seine schwangere Freundin Jemma wollen im Londoner Mercy Point, einem unbewohnten Hochhaus, eine Antenne für einen Piratensender anbringen und dabei ein wenig abhängen. Doch als Jemma verschwindet, heizt Lloyd seinen Kumpels mächtig ein, denn die Gruppe ist nicht länger allein in den Korridoren…

Huda versucht den Slang der jungen Menschen relativ maßstabsgetreu wiederzugeben, die in dem Ghetto hausen und die Straßen mit ihrem Ganggehabe unsicher machen. Dadurch kann sich zunächst kein Sympathieträger entfalten, denn mit solchen Früchtchen möchte man es eher nicht zu tun bekommen. So dauert es letztlich doch rund eine halbe Stunde zwischen „Hey Bro“ und „Schnauze, Bitch“, bis sich die beklemmende Atmosphäre ausbreitet und die jungen Wilden ein wenig runterkommen.

Anders als bei „REC“ geht die Gefahr nicht von mutierten Monstern aus, sondern von einer recht irdischen Persönlichkeit, deren Ziele jedoch kaum nachvollziehbar sind. Sonderlich bedrohlich wirkt der Kerl mit seiner Kapuze allerdings nicht, auch wenn seine kleinen Fallen und die Mordwerkzeuge von einiger Unbarmherzigkeit zeugen.
Da schlägt die Nagelpistole zu und trifft auch mal ein Auge, es wird jemand mit einem Messer traktiert, es gibt ein abgebissenes Ohr und eine Pfählung und kleine Gemeinheiten am Rande.

Allerdings kommt nie ein ordentliches Mitfiebern auf, zuweilen stellen sich zwar spannende Momente ein, etwa, als es im Wettlauf gegen die Zeit um giftige Dämpfe geht oder der Fahrstuhl stecken bleibt, doch die eigentlichen Auseinandersetzungen werden etwas zu kurz abgehandelt, zumal die Teens jede erdenkliche Irrationalität für sich nutzen, um mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Ableben zu ermöglichen, denn spätestens wenn man eine kleine dunkle Kammer als Versteck gefunden hat, sollte man vielleicht das leuchtende Display des Handys ausschalten.

Ansonsten sind die Mimen gut besetzt und performen ihre etwas zu stereotyp angelegten Figuren recht überzeugend, der marode Schauplatz sorgt für ein zumeist stimmungsvolles Ambiente und auch die wenigen Effekte sehen ordentlich aus, zumal die meisten handgemacht sind.
Storytechnisch sollte man allerdings keinerlei Überraschungen erwarten, da die Reihenfolge der Dezimierung beinahe erwartungsgemäß eintritt, nach dem eigentlichen Ende ein makaberer Abschlussgag geboten und auch sonst nicht allzu sehr von den Versatzstücken eines Slashers abgewichen wird.

Genrefreunde oder Liebhaber verlassener Wohnblocks können mit dem Streifen halbwegs solide unterhalten werden, welcher immerhin einige Härte ins Spiel bringt und nach einer halben Stunde ein passables Tempo fährt. Eine Handvoll spannender Momente ist schließlich zu verzeichnen, handwerklich wird solides Niveau geboten, nur wirklich fesseln vermag der Stoff nicht.
Knapp
6 von 10

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