Review

Wenn Tim Burton seinen eigenen Kurzfilm von 1984 adaptiert, könnte man vermuten, dass ihm so langsam die Ideen ausgehen. Oder er wollte sich mit Disney versöhnen, denn die hatten das Original seinerzeit abgelehnt, da es zu düster für einen Kinderfilm sei.
Recht makaber ist auch seine abendfüllende Version des Stop Motion Streifens ausgefallen, doch das Potential erschöpft sich leider bereits auf halber Strecke.

Der Schüler Victor Frankenstein hat nur einen Freund: Seinen Hund Sparky. Als dieser vom Auto überfahren wird, bringt ihn sein Naturwissenschaftslehrer unfreiwillig auf die Idee, den Kadaver mithilfe von Elektrizität erneut zu beleben. Das Experiment gelingt, doch Sparkys zweites Leben bleibt nicht lange unentdeckt. Daraufhin stehlen Mitschüler die Idee zur Reanimation, was nicht ohne Folgen für den kleinen Ort New Holland bleibt…

Burton hat einen unglaublichen Aufwand betrieben, denn Stop Motion bedeutet in diesem Fall 25 Bilder pro Sekunde und das bei der Detailverliebtheit der Figuren, die bereits auf den ersten Blick nach Burtons Stil aussehen. Typische Außenseiter mit Einschlag Richtung Gothic, große Augen, kleine Pupillen und schräge Frisuren, - selbst der Nachbarspudel erinnert mit der blonden Strähne im ansonsten dunklen Fell an „Frankensteins Braut“.

Überhaupt liefert Burton eine Hommage an die Horrorfilme der Dreißiger bis Achtziger: Das Hauptthema ist natürlich „Frankenstein“ (einschließlich der brennenden Mühle), es gibt Referenzen zur „Mumie“, eine Szene erinnert an „Die Vögel“, eine andere an die „Gremlins“ und eine Anlehnung an „Godzilla“ wird während des Showdowns geliefert. Das Schwarzweiß unterstreicht den Hang zum Düsteren, auch wenn die Geschichte in der Jetztzeit angesiedelt ist und phasenweise fast schon familientauglich erscheint, - für die jüngeren Zuschauer dürften einige Szenen zu verstörend sein, weshalb eine FSK12 völlig in Ordnung ist.

Leider dümpelt die Geschichte phasenweise ein wenig dahin, es fehlt der richtige Biss und der packende Humor und auch tiefgründige Momente sind nicht allzu viele auszumachen.
Als Sparky zu seinem eigenen Grab läuft, schimmert für einen Moment der Konflikt durch und auch die Rede des umstrittenen Lehrers vor der aufgebrachten Elternschaft bringt ein paar wahre Worte ins Spiel, doch die meisten Figuren bleiben eher blass und können sich kaum entfalten.

Dafür bringen die letzten zwanzig Minuten ordentlich Tumult ins Spiel, als New Holland von diversen Monstern und Kreaturen heimgesucht wird und das Tempo merklich gesteigert wird. Dabei zeigt sich auch, dass die musikalische Unermalung von Burtons Stammkomponisten Danny Elfman herausragende Arbeit leistet und die Detailverliebtheit der Animation viel entdecken lässt.

Doch trotz der ansprechenden Optik leidet das Geschehen unter der mageren Story, welche nur selten fesseln kann und deren Humor nicht allzu häufig zündet. Zudem werden ethische Themen kaum behandelt und auch die meisten Figuren bleiben eher eindimensional.
Im Gesamtbild zwar ein halbwegs unterhaltsamer Streifen und in vielerlei Hinsicht ein typischer Burton, jedoch einer, dem über weite Teile deutlich der Biss fehlt.
6,5 von 10

Details