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"Heute Nacht werden wir die Toten zum Leben erwecken."

Der introvertierte Junge Victor Frankenstein interessiert sich sehr für wissenschaftliche Projekte und verbringt seine Freizeit häufig unter dem Dach. Seine Eltern wünschen sich, dass er mehr mit Freunden unternimmt. Doch Victor hat eigentlich keine Freunde, abgesehen von seinem treuen Hund Sparky.
Victor's Vater bewegt seinen Sohn dazu , Baseball in der Schulmannschaft zu spielen. Währenddessen läuft Sparky einem Ball hinterher auf die Straße und wird von einem Auto überfahren. Victor ist über den Verlust sehr traurig.
Durch ein Experiment seines Physiklehrers, in dem die Muskeln eines Froschs durch Elektrizität motiviert werden, schöpft Victor Ideen, gräbt Sparky aus und erweckt ihn bei einem Gewitter tatsächlich wieder zum Leben. Victor versucht seinen untoten Freund im Haus zu verstecken, dieser reißt aber immer wieder aus und wird von dem Klassenkameraden Edgar bemerkt. Edgar droht daraufhin Victor zu verraten, wenn er ihm nicht bei einem Naturwissenschaftswettbewerb für die Schule hilft.

Regisseur Tim Burton mag es in der Regel düster und gruselig. Neben Realfilmen wie "Dark Shadows" und "Edward mit den Scherenhänden" hat er auch ein Faible für Stop-Motion-Werke. Die bekanntesten Beispiele dafür dürften "Nightmare Before Christmas" und "Corpse Bride - Hochzeit mit einer Leiche" sein. Für die Langversion seines 1984 erschienen Kurzfilms "Frankenweenie" arbeitete er nun erneut mit Disney zusammen und kreierte einen gleichnamigen Stop-Motion-schwarz-weiß-Film.

"Frankenweenie" referenziert unzählige Klassiker des Horror- und Monster-Genres. Die zahlreichen Anspielungen sind intelligent und unterhaltsam gestaltet. Durch die Anlehungen an "Frankenstein", "The Mummy", "Leviathan", "Gremlins" und "Godzilla" entwickelt der Animationsfilm aber zunächst auch wenig Eigeninitiative.

Dies bemerkt man auch an der Handlung. Überwiegend an "Frankenstein" angelehnt, wirkt die Geschichte sehr bekannt, vorhersehbar und altbacken. Erst im Letzten Drittel löst sich die Handlung ein wenig von totgetretenen Pfaden und baut endlich die bis dahin fehlende Spannung auf.
Häufig ist ein schneller Stimmungswechsel zwischen schaurig-charmant und herzerwärmend spürbar. Dies steht "Frankenweenie" ebensowenig wie der nur selten zündende Humor, der häufig auf einer morbiden Grundlage basiert. Dem familientauglichen Ende sieht man dann endgültig die Einflüsse von Disney an, die Burton's Schauervision einschränkt.

Klar zu erkennen ist der der typische Stil von Burton. Hagere Figuren, trostlose Gegenden und böse Fratzen sorgen stets für eine gewisse Skurrilität und die einzige Komponente, die den Film von vergleichbaren abhebt.
Das eigentlich nicht mehr ganz zeitgemäße Stop-Motion-Verfahren funktioniert und bietet abgehackte wie auch flüssige Animation. Die Optik der Figuren ist liebevoll gegen den Strich gebürstet und durch die schwarzweißen Bilder sowie die herrlichen 50er-Jahre Kulissen bekommt "Frankenweenie" einen ganz eigenwilligen und eigenständigen Anstrich, der sich ebenfalls wohlwollend von den farbenfrohen und technisch perfekten Animationswerken dieser Tage abhebt.

"Frankenweenie" fehlt es an einer eindeutigen Richtung. Die Mischung aus Burton- und Disneyansprüchen lässt ein Zielpublikum kaum definieren. Für Kinder ist der animierte Film zu schaurig, für Erwachsene zu generisch. Nur selten funktioniert der morbide Galgenhumor, die Handlung ist sehr einfach und die überzeichneten Figuren mit überproportional großen Augen oder fratzenhaften Mündern haben keine ausgearbeiteten Charaktereigenschaften, sondern erfüllen vorwiegend ihren klischeehaften Zweck im filmischen Geflecht. Alles in allem ist "Frankenweenie" zwar recht unterhaltsam und nett anzusehen, doch völlig hinein zieht es den Zuschauer nicht, trotz der gruseligen Atmosphäre und dem exzentrischen Stil.

4 / 10

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