PAYBACK ist ein kleines unentdecktes Juwel des britischen Actionkinos mit einem Exploitation-Einschlag, welches von hoffentlich vielen Sehern noch entdeckt werden wird. Auf der Basis dieser Herkunft ist er ist brutal, sehr schnell inszeniert, dann wieder ruhig und melancholisch im Stile eine unbarmherzigen Knastthrillers der ohne Schönung und mit nicht allzu vielen Klischees auskommt. Selbst die in anderen Filmen selbstzweckhaft genutzten Zeitlupen sind hier einfach nur passend. Dazu gibt es einen passenden, variablen und manchmal an THE PRODIGY erinnernden Soundtrack, der dann aber auch wieder unvermittelt swingt, balladenähnlich wirkt oder mit coolen Beats aufwartet.
Der Originaltitel OFFENDER (in etwa "Täter", "Angreifer") ist wie meist viel treffender als der völlig uninspirierte deutsche Titel PAYBACK – TAG DER RACHE, welcher so völlig ohne eigene Note ist. Die Geschichte von dem 20-jährigen Tommy Nix (Joe Cole) der ein Verbrechen begeht um sich im Knast an der Bande von Verbrechern zu rächen die schuldig für das verlorene Baby seiner Freundin sind. Diese Story ist geradeheraus und wird als solche keine Preise gewinnen. PAYBACK gewinnt aber durch seine authentisch wirkende Umsetzung die schonungslos die gnadenlosen Zustände im Knast aufzeigt.
Wer das Thema Selbstjustiz moralisch nicht in Filmen ertragen kann wird den Film ablehnen. Er baut hauptsächlich auf diesen Mechanismus. Natürlich spielt PAYBACK mit unseren diesbezüglichen einfach strukturierten Gefühlen und immer wenn man denkt es geht nicht weiter gibt es dramaturgisch eins auf die Fresse. Wenn man sich auf dieses Szenario einlassen kann ist er stets spannend und kann sogar mit surrealen Momenten in den diversen Traum- oder Rückblendenszenen von Tommy aufwarten. Selten wurde uns die Ausweglosigkeit einer einmal ausgelösten Gewaltspirale so intensiv vor Augen gehalten.
Erinnerungen an den phantastischen deutschen PICCO als Gefängnisdrama werden wach auch wenn dieser gänzlich anders gestaltet ist und es auch keine Storyähnlichkeiten gibt. Es gibt schon eine Reihe von schwarz-weiß Elementen in der Handlung und den nicht gerade tief beleuchteten Charaktere. Vieles scheint der Präsentation von schierer Gewalt und Eskalation untergeordnet. Aber genau dadurch zeichnet sich Exploitationkino aus. Es scheint das Langfilm Debüt für den Regisseur mit dem schillernden Namen Ron Scalpello zu sein und damit empfiehlt der sich durchaus für kommende Werke.
6/10 Punkten