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Großproduktion ausführlich vorangetrieben und umgesetzt durch Oliver Stone als Abschluss seiner Vietnam-Trilogie, hier basierend auf "When Heaven and Earth Changed Places: A Vietnamese Woman’s Journey from War to Peace", den 1989 veröffentlichten Memoiren von Phung Thi Le Ly Hayslip, mitgeschrieben von Jay Wurts. Das Buch ursprünglich vom Drehbuchautor Ronald Bass und der Schauspielerin Joan Chen als Option für den Erwerb der Filmrechte ins Auge gefasst, dann durch Oliver Stone in Zusammenarbeit mit Robert Kline von Transatlantic Enterprises zu einem nicht näher genannten sechsstelligen Preis plus einem Gewinnanteil und ursprünglich als Projekt für Carolco Pictures, dann für TriStar Pictures, letztlich für Warner Bros. optioniert, zusätzlich zu den Folge-Memoiren "Child of War, Woman of Peace". Die Hauptdreharbeiten begannen Ende Oktober 1992, als Budget wurden 23 Mio. USD veranschlagt, darunter aufwendige Aufnahmen in Thailand, welches für Vietnam herhielt, da dort keine Drehgenehmigung aufgrund "diplomatischer Nichtanerkennung durch die USA und eines Handelsembargos" bestanden:

Die junge Le Ly [ Hiep Thi Le ] wächst in einem vietnamesischen Dorf bei ihren Eltern [ Joan Chen & Haing S. Ngor ] auf; ihr Leben verändert sich, als kommunistische Aufständische im Dorf auftauchen, um sich gegen die Truppen Frankreichs und später der Vereinigten Staaten zu verteidigen. Während der amerikanischen Beteiligung wird Le Ly von südvietnamesischen Truppen gefangen genommen, später trifft sie Steve Butler [ Tommy Lee Jones ], einen Gunnery Sergeant im United States Marine Corps. Sie ziehen nach San Diego.

In Assoziation mit u.a. Le Studio Canal + Regency Enterprises, Alcor Films, Ixtlan, Kitman Ho Productions und Todd-AO gehalten, sich direkt auf die Erinnerung von Hayslip gerichtet und diese bedienend und verweisend, eine Rückkehr von Stone thematisch nach Vietnam, seine prägenden Jahre und das in prägende Jahr, hier mit dem schönsten Dorf dieser Erde angefangen, mit der Kindheit des Mädchens begonnen, die später zur Frau wird und werden muss, Nahaufnahmen und spektakuläre Panoramen, eine Verliebtheit zum Land ausgedrückt, die Liebe der Hauptperson und des Regisseurs auch, ein deutliches Zeichen, hervorgedrückt durch die Bilder und den Score. In ersten Erinnerungen wird geschwelgt, in "wo komme ich wirklich her?", in der noch unbeschwerten Jugend, in das Glauben an Gott und Geister und deren Beistand und deren Hilfe und Rettung, ungewiss und nichtsahnend noch des kommenden, der amerikanischen Bedrohung. Viel Reminiszenz wird hier anfangs bereitgehalten, dann der Angriff der Franzosen zuerst, 1953 wird geschrieben, Flammenwerfer und brennende Hütten, das Dorf das erste Mal zerstört, "über die Jahrhunderte immer wieder leidgeprüft", ein neuer Aufbau, ein vorübergehende Krise hier nur, der wahre Invasor kommt noch und damit die einschneidende Veränderung, von der reichbedeckten und so gut wie unberührten Flora und Fauna in den Krieg und die Destruktion des Landes und der Menschen in ihm; hier als andauernde Erzählung einer anhaltenden Liebeserklärung. Zehn Jahre später startet die eigentliche Geschichte, 1963 nun, "die Vietcong-Einheiten trafen während der Regenzeiten ein", der Konflikt dargelegt und geschürt, die politischen Hintergründe in persönlicher und privater Natur hier gereicht und diskutiert, mit offenen Emotionen und Diskussionen, das Gehören eines Landes dem Volke angepriesen und die Realität dessen gezeigt, das Anpreisen einer großen Familie, eine bereits auseinander gerupfte Idylle, man weiß es nur noch nicht, die nahstehenden Freunde und auch die Brüder abgekehrt in die Rebellentruppen, in den bis dato fernen Kampf.

Geopolitisch wird eingangs die Erzählung behandelt und sozial und intim zugleich, das Heranführen an mehrere Themen über eine Person, eine heranwachsende und hineinwachsende Frau, "Freiheit darf man nicht als Geschenk betrachten", die Worte und Sätze deutlich und voller Empathie und Prophezeiung, eine andere Wendung dann, erst spüren es die Tiere, welche flüchten können, dann die Menschen, die den Auseinandersetzungen hilflos ausgesetzt sind, das Niedersenken eines Hubschraubers aus der Luft wie als Monstrum, die Aufnahmen aus dem Felde undeutlich und verschwommen, die Blicke noch wässrig und neblig zugleich und trotzdem eine eindrückliche Vorstellung. Stones Film und seine Inszenierung auch mit als visuelle Offenbarung, eine fortgeschrittene Truppenoffensive, aufgefahrener Militarismus, dazu Politismus bis hin zur Gehirnwäsche der einfachen Bevölkerung, vom friedlichen zum Regierungsdorf gewandelt, vom jungfräulichen Gebiet zum umkämpften Bereich. "Es ist keine Zeit für Söhne und Mütter.", die Dialoge werden lauter und aggressiver, die Taten auch, von der Biografie fließend in den Antikriegsfilm und zurück.

Albträume kehren bald in die Szenerie ein, Vorahnungen und böse Omen, in schwarzweißen Akzentuierungen, in grellen Offensiven, das bislang einfache und nun entzwei gerissene Leben porträtiert, dazu Hinterhalte von Regierungssoldaten gezeigt und Racheaktionen dieser, Helikopterbeschuss und Fliegerangriffe. Ein Einfall der bis dato nur von außen gesichteten Gewalt nun auch direkt am eigenen Leib, ein Gefangenenlager und Folter grausamster Art, von der Liebe zur Abschreckung, von der Faszination in das Trauma, ein einschneidender Abschnitt, der mittelbare und unmittelbare Folgen hat, eine grundsätzliche Unsicherheit und das verlangte Anpassen an jedwede Umstände, "Mein Leben liegt in deinen Händen.", von der Schönheit der Fotografie hinein in den düstersten Tag, bis dahin zumindest, "Jedenfalls beendete es für immer meine Beziehung zu meinem Dorf.", ein Ortswechsel und ein Zeitsprung, ein Hineinblicken nach Saigon, das forcierte Dasein, eine ständige geforderte Inklusion. Der Film als Porträt einer Frau und eines Landes, mehrere Facetten aneinandergereiht und untersucht und deren Entstehung und Verhalten präsentiert, eine nähere Zeichnung, individuell und dennoch vielschichtig und auslegbar und diskussionswürdig, ein für Stone oftmals wärmere Perspektive als sonst und empfindsamer an den Figuren dran, dabei auf jede vorübergehend gute Nachricht eine schlechte folgend, ein Kampf nicht für die Nation, sondern um das eigene Leben.

Ausgeschmückt wird es dabei mit einigen guten und einigen überschaubaren schauspielerischen Leistungen, mit einigen herausstechenden Merkmalen, mit Vereinfachungen und Entstellungen, mit gestellten Bedingungen als Voraussetzungen, ein Durchwandern und Durchwaten auch von Abgründen und die Assimilation dieser. Eine Ummodulierung im Aussehen, "Alles im Leben gleicht sich immer wieder aus.", die amerikanischen Soldaten und ihr Gebaren am Ende der ersten Stunde im Blick, eine fortschreitende Degenerierung, die Überbleibsel von Prostituiertenmorden, eine versuchte Vergewaltigung in der Militärbasis bei einem scheinbaren Arbeitsangebot, dazu ein "Lass Dich für den Weltfrieden ficken.", das Anbieten des eigenen Körpers dem Feind gegenüber, für die Ernährung des allein aufwachsenden weinenden Kindes. Poesie in all dem Schrecken wird nur vereinzelt und nur die die Darstellung der jungen Hiep gegeben, erst nahezu alleine im Fokus der Aufmerksamkeit, die Fragen nach dem Richtig und dem Falsch, nach dem Sieg und der Niederlage und dem Verlust gestellt, "Der Krieg wurde immer schlimmer. Die Amerikaner wurden ein Teil unseres Landes. Sie wurden ein Teil von uns." Tommy Lee Jones in der zweiten Filmhälfte zugehörig, der Prototyp eines Soldaten, hier mit mehr Ebenen und mehr Facetten, er ist der erste Mann, welcher die Frau kennenlernen will und sich für sie interessiert und respektiert, der erst eine Sicherheit mitbringt und Selbstbewusstsein und beim Überrennen der amerikanischen Basis der Fels in der Brandung ist und erstmals einen Schutz gebietet, aber auch die Albträume in sich hat und die inneren Dämonen und eine Abhängigkeit und Sucht und diese auch mit in die Vereinigten Staaten nimmt. "Irgendwie lebte sie zwischen dieser und der nächsten Welt.", dann der gemeinsame Umzug nach Amerika, "Da sind wir, Schatz, der Traum beginnt.", die Fassade fällt.






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