Review

GANGSTER SQUAD hat zwei Gesichter die eine Mischung ergeben, die wirklich nicht jedermanns Sache sind. Zum einen erleben wir eine recht prollig-schwülstige, fast trashige Ader des Films mit viel dicker Hose und platten, testosteron-gesteuerten Kommentaren aus dem off, oft selbstzweckhafter Gewalt und eine fast comichafte Gestaltung von Dialogen und die klischeehafte Überzeichnung von einfachen Schwarz-Weiß, Gut-Böse Charakteren in einem oberflächlich agierenden Männerfilm mit der Alibifrau Emma Stone als Gangsterbraut. "Pulp" nennt dies gerne vereinfachend der Cineast.

Zum anderen macht diese Mischung, wenn man das ein wenig abstrahieren und sich darauf einlassen kann viel SPASS! Es passt sehr gut zusammen und ist natürlich von Regisseur Ruben Fleischer beabsichtigt. Die diversen Gewaltspitzen hauen einem schön um die Ohren und die mondän-aufwendige und authentisch wirkende Ausstattung in den USA der 1940er Jahre, die Atmosphäre der Bars und Club, und die Charaktere sind konsistent angelegt. Der Film bleibt sozusagen bewusst an der Oberfläche und labt sich gerne an Revolverhelden und sonstigen guten Zutaten. GANGSTER SQUAD schwächelt auch nicht und zieht diesen Stil auch wirklich recht konsequent durch.

Das Prohibitionsdrama des Kampfes der LAPD gegen das organisierte Verbrechen ist sogar "inspired by true events". Schon nach einer Minute gibt der Film seine Visitenkarte ab wenn Wölfe sich über einen frisch zerteilten Körper hermachen. Herausragend ist die Performance von Doppel-Oscargewinner Jean Penn als Mickey Cohen. Er geht förmlich in der Rolle auf und offenbart eine der Rolle gut stehende diabolische Note, alles passt, seine physische Präsenz, seine Wutausbrüche, sein Schwitzen vor Erregung…das nimmt man im alles ab und er ist für mich das schauspielerische Highlight in GANGSTER SQUAD.

Desweiteren bin ich Ryan Gosling Komplettist, d.h. ich kenne alle Filme von ihm und halte ihn für einen guten Actor und er hat auch einige preiswürdige Performances abgeliefert. In GANGSTER SQUAD spielt er zwar als Sgt. Jerry Wooters wie öfters den attraktiven, smarten und coolen Haudegen und kann im Grunde auch überzeugen. Es ist aber keine preiswürdige Performance wie in DRIVE, HALF NELSON oder LARS UND DIE FRAUEN, weil er aus meiner Sicht nicht wirklich gefordert ist, seiner Figur vielschichtige Facetten zu verleihen.

Dennoch gefällt erneut Goslings persönliche Note mit seiner sehr eigenen minimalistischen und verschmitzten lausbubenartigen Mimik, in der ich überspitzt formuliert, abwechselnd den jungen Hauptdarsteller der klassischen TV-Serie LASSIE oder Sandy von FLIPPER entdecke. Auch Emma Stone bleibt etwas blass, auch wenn Rolle der "Quotenfrau" und attraktiven Gangsterbraut im Männerdrama GANGSTER SQUAD im Prinzip auch nicht mehr Charaktertiefe hergibt.

Regisseur Ruben Fleischer ist mir erstmals sehr positiv bei ZOMBIELAND aufgefallen. Mit GANGSTER SQUAD hat er sich aus meiner bescheidenen Sicht für noch höheres qualifiziert und gezeigt, dass er auch große Schauspieler wie Sean Penn und Ryan Gosling exzellent bis sehr gut in Szene setzen kann. Mehr muss man gar nicht über diesen bewusst an der Oberfläche reibenden Film sagen und ich hoffe, Interessenten ein wenig Entscheidungshilfe gegeben zu haben.

7/10 Punkten

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