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2001 wollte Suzuki Seijun es noch einmal wissen und drehte diese quasi-Forsetzung zu "Branded to Kill". Anstelle des paubackigen Shishido Jo tritt die filigrane Esumi Makiko in die Rolle von Killer Nr. 3, die von ihrer Auftraggeberin in Duelle mit den anderen gerankten Attentätern der Killer-Gilde verstrickt wird. Aber der Plot ist, wie so häufig bei Suzuki, sowieso vollkommen irrelevant. Einen Unterschied bemerkt man dennoch: Arbeitete er bei "Branded to Kill" noch mit einem infantilen Studiodrehbuch, hat er diesmal Skriptautor Itô Kazunori an Bord. Den kennt der ein oder andere von seiner langjährigen Zusammenarbeit mit Oshii Mamoru, die auch den Über-Anime "Ghost in the Shell" umfasst. Nebenbei schreibt er auch Skripte für wüsten Gummimonster-Trash wie die "Gamera"-Filme und für die unzähligen ".hack//"-Anime-Serien.
Itô hatte nun wiederum auch das Skript für Oshiis absurdistisches Realfilm-Frühwerk "The Red Spectacles" (1987) geschrieben, das sich in Ästhetik und schrägem Nonsense-Humor sehr stark an "Branded to Kill" anlehnte. Über die Oshii-Prägung rutscht nun "Pistol Opera" allerdings stellenweise deutlich mehr in Richtung unverständliches, intellektuelles Gebrabbel, als das Suzukis ausuferndem anything-goes-Regiestil gut tun würde. Der Film ist daher leider nicht mehr so unbeschwert albern wie "Branded to Kill", sondern wesentlich anstrengender und daher auch spannungsärmer als der Vorgänger. Ich sage das in größtem Respekt vor Itô - "The Red Spectacles" ist einer meiner Lieblingsfilme. Aber es ist eben doch was anderes, wenn ein Filmrebell ein dämliches Studio-Skript in seine Bestandteile zerplückt, als wenn selbiger schon mit einem kunstbeflissenen Drehbuch arbeitet, das in der Hinsicht gar keinen Platz zum Rebellieren lässt.
Das tut dem Spaß aber nur bedingt Abbruch. Denn auch mit weit über 70 Jahren sprudelt Suzuki noch geradezu über von genialen Bildkompositionen und schrägen Einfällen. Für "Pistol Opera" durfte er sich auch wieder in Farbe austoben, was sich in grellen Kostümen, abstrakt bunt ausgeleuchteten Sets und wilden Ausstattungsspielereien niederschlägt. Ein bisschen fühlt man sich damit in die wilden Jahre von Suzukis Nikkatsu-Zeit zurückversetzt. Ein bisschen nur, aber immerhin.

Es sollte vielleicht noch erwähnt werden: Wer das Wort "schräg" in Verbindung mit einem japanischen Film mit einer Pistole im Titel hört, hat wahrscheinlich definitiv gerade ein falsches Bild von dem Film gewonnen. Drum sei hier gleich noch gesagt: Das hier ist kein Spaß-B-Movie, es fließt kein einziger Tropfen Blut und der Film ist von einer kohärenten Erzählung etwa soweit enfernt wie die Erde vom Mond. Wer nach Party-Splatter sucht, sollte das woanders tun oder sicherheitshalber Suzukis alte Studiofilme "Tokyo Drifter" und eben "Branded to Kill" probeschauen. Ihr tut euch sonst keinen Gefallen.

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