Chilenisches Splatterdrama, kontrovers diskutiert (wie es immer so schön heißt) und sogar schon in der Remake-Maschine der US of A angekommen.
Zuerst mal ein kleines Geraderücken der - natürlich auch werbewirksam angefeuerten - Erwartungshaltung: Nein, das ist kein typischer, sleaziger, uninspirierter Rape'n Revenge- Hardcore-Horror der Neuzeit. Die graphische Gewaltdarstellung hält sich eher zurück (natürlich auch im geringen Budget begründet), wobei es auf psychologischer Ebene schon eher zwickt im Oberstübchen.
Es gibt extreme Szenen, auch sexueller Natur, doch werden die Pfade des Sleaze und der Exploitation nahezu vermieden. Die Kamera-Arbeit gehört zum Großteil gar zur Sorte "der Zuschauer wird nicht mit einbezogen". Schiefe Bildausschnitte, etwas Gewackel, geheimniskrämerischer Schnitt.
Es gibt beim Einsatz von Feuerwaffen meist keine Einschusslöcher, bei kannibalistischen Aktivitäten wenig direkte Bisse ins Fleisch und bei sexueller Gewalt keine minutenlange Penetration.
Dafür gibt es blutverschmierte Körper, ein paar geschminkte Wunden und gegen Ende (leider) etwas CGI-Blut. Und dem gegenüber gestellt wirklich gelungene Dialoge und teilweise, trotz vieler Laiendarsteller, sehr überzeugend gespielte Szenen.
Was dann auch am stärksten auffällt, ist die un-amerikanische Machart des Films. Die eigenwillige, teils eben gar nicht stringent wirkende Kamera sowie Erzählstruktur. Somit wird dem Werk ein eigenwilliger und natürlich auch künstlerisch betonter Charakter verliehen, welcher natürlich nicht jedem (Standart-)Seher zusagen wird.
Und natürlich kann der Film seine Produktionsumstände, die teils Semi-Professionelle Wirkung und eben das geringe Budget nicht verbergen. Wenn wir uns jedoch klar machen, das es hier eben nicht um die "production values" eines typischen, modernen US-Splatterfilms geht, sieht man über kleine Fehler und Eigenheiten doch gerne hinweg.
Wenn man denn nun diesen Film schon mit Streifen wie "The Sleeper" oder "Chaos" in einen Topf werfen wollte, zeigt sich umso mehr die Qualität des vorliegenden "Hidden in the Woods"!
Hier soll der Hinweis vor dem Film, daß die Story auf wahren Begebenheiten beruht, übrigens mal der Wahrheit entsprechen...
Ana und Anny leben mit ihrem deformiertem Bruder in den chilenischen Wäldern, gehalten wie Tiere, unterdrückt und misshandelt von ihrem Vater, welcher mit der Drogenmafia operiert. Nach einem unerwarteten Zwischenfall können die drei fliehen, nur um weiter ihrer eigenen Lebensunfähigkeit gewahr zu werden und in einem asozialen Sumpf zu baden... bis zum Grande Finale.
Dem Verlauf dieser Kaputti-Studie ist nicht immer leicht zu folgen, vieles erscheint auch unrealistisch oder unlogisch, doch dem vermag der Film fast frech eine leicht Märchenhafte Form entgegenzusetzen. Und im Endeffekt ist es wie bei jedem Film mit einem gewissen intellektuellen und künstlerischen Nährwert: Es liegt am Betrachter selbst, wie weit er sich auf die Geschehnisse einlässt...
Endlich mal wieder ein "etwas anderer" Film.
7/10