Ahhh! Die entscheidende Wendung in Brian De Palmas Hommage an den Film Noir ist dermaßen haarsträubend, dass man ihn in die Hölle wünscht! Dabei hatte doch „Femme Fatale“ so gut angefangen:
Diebin Laura unterschlägt ihren Auftraggebern nach mißlungenem Coup ein Schmuckstück im Wert von 10 Mio $, nimmt die Identität von der Französin Lily an, die sich erschoss und setzt sich mithilfe des Pariser US-Botschafters nach Amerika ab. Doch als sie 7 Jahre später durch ein Foto des Paparazzo Nicholas auf den Titelseiten von Boulevard-Magazinen landet, gerät ihr Leben wieder in Gefahr. Ihre Komplizen von damals haben sie nicht vergessen…
„Femme Fatale“ ist ein richtig guter verschachtelter Krimi im Stile des Film Noir bis der Plot nach gut 90 Minuten seine entscheidende Wendung erhält. Die ist freilich so ärgerlich und einfallslos, dass der anspruchsvolle Zuschauer nur mit dem Kopf schütteln kann. Im Nachhinein entpuppen sich dann die darauf folgenden 20 Schlussminuten als umso konstruierter und schlussendlich unnötig brutal. Abgesehen davon kann der Film aber durchaus überzeugen: Brian De Palmas Inszenierung ist gewohnt souverän und technisch außergewöhnlich. Erwähnt sei hier nur der 12-minütige Coup mit „Bolero“-Untermalung und diverse Split-Screens. Sowohl Rebecca Romijin-Stamos als mysteriöse Laura als auch Antonio Banderas als gelinkter Paparazzo können überzeugen. Spannend ist das Ganze auch, nur fehlt es dem Film etwas an der Raffinesse, die die Klassiker des Film Noir ausmachten. Das wurde anscheinend versucht mit dem Sex-Appeal der Stamos auszugleichen, was zwar nicht 100%ig gelingt, aber dem sonst etwas biederem Film mit viel nackter Haut etwas Würze gibt. Obwohl diese Erotik-Szenen unbestritten das i-Tüpfelchen dieses Thrillers darstellen, wirken sie doch -typisch für amerikanische Produktionen- etwas verklemmt und gehemmt.
Kein Highlight in De Palmas Filmschaffen, aber im Gesamtvergleich ein guter, unterhaltsamer und verschachtelter Erotik-Thriller mit kleinen Längen. Auch wenn die besagte Wendung schlicht schlecht ist, kann der Film in Sachen Inszenierung und Ausstattung durchweg überzeugen.