Lang genug hat es gedauert, bis Produzent und Autor Wong Jing im scheinbaren Zehn - Jahres - Rhythmus jeweils die Fortführung zum schwülen Naked Weapon (2002) bzw. Naked Killer (1992) erschuf; eine Ankündigung mit Verzögerung im Extrem, die bereits Mitte 2008 ihre erste Pressekonferenz mit noch weitgehend veränderten Voraussetzungen erfuhr. Eruierbare Gründe für die Saumseligkeit, der Wechsel vom geplanten Regisseur Cash Chin, einem ausgewiesenen Bumsorama-Experten, zu Marco Mak, und die Vertagung überhaupt gibt es dabei nicht, sind bereits die Vorgänger gerade auch international bekannt und so mit potentiellem Gewinn, die Produktion im Vergleich dazu auch relativ kostenreduziert und ohne Blockbusterstatus in der Bewerkstelligung klein. Ein Rückstand im Vollzug und im Geiste, und dies gleich im mehrfachen und trotzdem oder auch gerade deshalb willkommenen Enfant-terrible-Sinn. Hochprofessionelles und angenehm zahlreiches Gun Fu von Corey Yuen Kwai und Yuen Tak eingeschlossen:
1980. Nach einer spektakulären Drogenrazzia erhält Interpol-Agent Lung Chi-keung [ Sammo Hung ] unliebsamen Besuch der Schergen der sich rächenden Gangsterbraut Madam Rose [ Ellen Chan ], die ihn schwer verletzt, seine Familie getötet und die neunjährige Tochter Wen-ching entführt sieht.
1995. Mittlerweile zur Killerin namens Phoenix unter den Diensten von Madam Rose herangezogen, lebt Wen-ching [ Jennifer Tse ] unter falscher Identität in Taiwan, von wo aus sie wie ihren Kolleginnen Selina [ Ankie Beilke ] und Ivy [ Lena Lin ] und der in sie verliebte Black Dragon [ Philip Ng ] Mordaufträge in der Unterwelt ausübt. Dabei erregt sie die Aufmerksamkeit von Senior Inspector Sam Wong Chi-yung [ Andy On, welcher in der letzten aktuellen 'Adult' Action Naked Avengers a.k.a. Lethal Angels, 2006, genausowenig zu tun hat wie hier ], der zusammen mit Partner Siu Pei [ Timmy Hung ] und dem extra für den Fall erneut rekrutierten Lung hinter dem Blutbad unter den Kriminellen und den bevorstehenden Machtumsturz im Verbrechertum her ist. Doch auch Madam Rose muss sich vor Konkurrenz fürchten, hat sich doch ihre eigene 'Familie' mit Pau Li [ Anthony Wong ] und seinen Helfershelfern Honey [ Ian Powers ] und Tigress [ Jiang Luxia ] gegen sie verschworen.
Ebenso gestrig, wie die züchtige, aber dafür kampffähige Handlung mit 1995 angesiedelt ist, ebenso verhalten sich der Film und seine Akteure. Regisseur Marco Mak, der zu dem Zeitraum noch als Editor und so hinter den Kulissen, dies allerdings schon seit ganzen zwei Jahrzehnten lang gewerkelt hat, versetzt auch Ton und Aussehen seiner Inszenierung in die Dekade der allgemeinen Veränderung der sozialen und medialen Landschaft. Das bis dahin gewohnte traditionelle Hong Kong Kino hat kurz zuvor den Höhepunkt und gleichzeitig den Rückgang und die Abwanderung oder gar komplette Auflösung vieler ehemaliger Kreativer und Handwerker erreicht. Wurde bis dahin, kurz vor dem Handover '97 zurück an China noch vermehrt für den lokalen, damit auch vollkommen zufriedenen Markt produziert, so stellte man sich bald auf die veränderten Umstände der darbenden heimischen Anziehungskraft ein. Eine spezielle Unsicherheit der einst produktiv und originell beschriebenen Traumfabrik Hong Kong, in der man mit viel weniger Erfahrung und Mitteln der Konkurrenz aus Hollywood zu Trotzen und der Emigration so mancher Talente nach USA oder der vorzeitigen Rente des Restes der Filmschaffenden Einhalt zu gebieten suchte.
Eine Zeit des zumeist missratenen Kintopps, in der oft halbherzig verrührt und gemischt, wenig Inspiration gesucht und in Kopie westlicher Eigenschaften die vermeintliche Attraktivität gefunden wurde. Ein fortschreitend substanzloser Stil, in der die Oberfläche dünnhäutig glänzt, darunter aber nur blasse Gimmicks mit nicht viel dahinter, eben nur der bloße Schein an sich zu erkennen ist. Das einst zahlenmäßig florierende girls with guns Motiv zu dem alle drei Naked - Vertreter, auch die (noch bekanntesten) Trittbrettfahrer Her Name Is Cat (1998), Martial Angels (2001), So Close (2002) gehören, war generell schon lange tot und irgendwo auf den Philippinen begraben. Naked Soldier, in diesem Jahr gleichzeitig herzlich begrüßt und weitab und weit außen vor von jeglicher Konkurrenz, ist da auch lange nicht die Reanimation und schon gar nicht von Zukunft, sondern nur das private Jahrestreffen der Notarztwagenbesatzung. Ein Circulus vitiosus Empfang im kleinen Kreise, mit extra salutierten Gästen, die eigentlich gar nicht richtig zum Verbund gehören, aber dennoch ihre Auferwartung machen, und dem mal vertraulichen, mal schlagfertigen Geplänkel mit- und untereinander im Konzept.
Entsprechend dessen und der Herkunft seines werkgerecht routinierten Regisseurs, der aufgrund seines eigenen Œuvres von Actionthrillern kleiner Garnitur nicht nur ausführendes Organ von Produzent Wong Jing, wenn auch sicher ganz und gar nicht der alleinige Teilhaber ist, fühlt sich der Film so an und sieht auch wesentlich älter aus als er eigentlich ist. Ein gewisser Charme aus überkandidelten Frisuren, grotesker Kleidung, eigentlich dem komplett verschrobenen Interieur mischt sich mit leicht biederer Noblesse, albern vorgetäuschter, prüder Weltmännischkeit, und einer aufgenötigten Ausstrahlungskraft aus Trash, Pulp, sowieso B - picture, und brünftigen Action - Barock. Dafür, daß die Geschichte natürlich gattungsaffin, aber trotzdem hanebüchen bis lächerlich und bieder, die Hauptdarstellerin weder richtig adrett noch interessant und sämtliche Effekte, von blood squibs bis 'Glas'stunts und 'Explosionen' überdeutlich als fake zu erkennen sind, entwickelt das Werk erstaunlichen Ehrgeiz und Reiz. Angenehm ist besonders die Besetzung in Neben- und Kleinrollen, wobei Manche davon, gerade Philip Ng und Jiang Luxia zwar wiederum unter den Möglichkeiten gehalten und so theoretisch wiederum verschwendet, aber für den Augenblick nichtsdestoweniger herzlich in der Runde begrüßt sind. Zudem entwickelt die Erzählung von der ersten Minute an ihr eigenes Tempo mit wenig Verhalt, wird wie als narrative Eingreiftruppe im kräftig-kühlen Blau und sattem Sounddesign kurzer Prozess mit Logik und Verstand, mit Großmüttern und Kindern, mit Leerlauf und Stillstand gemacht.
Attentate hier, Reaktionen anderer Verbrechertruppen dort, einschreitende Polizeiaktionen da; viel Raum und Zeit für die schon standesgemäße Choreographie, die sich erwartungsgemäß mit Training mit scharfer Munition, dem Auslöschen ganzer Familien, Prügeleien quer durch die Zimmer, Messerattacken im Pool und im Kickboxring, Schießereien und Kampfeskünsten mit und ohne Draht an der Torheit beteiligt. Im direkten Vergleich zum Vorgänger vielleicht nicht deutlich bessere und auch nicht größere, aber von der Quantität, einschließlich eines viertelstündigen Showdowns wesentlich mehr Action. Ein Dauergeprügel der vollen Parteien, wie als Ausgleich für die Reduzierung von Sexismus und Offenherzigkeit, die hier bloß zu manchen verschämten Auftritten im Bikini und dem Blinken und Blitzen von ein wenig Dekolleté gereicht.