Samsara (2011)
"Baraka" der Erstling von Ron Fricke war das Warmlaufen. (1992)
"Samsara" ist die Kür, und was für Eine!
Erstsichtung: Konzentriert genossen! Zweitsichtung, kurz danach, ja wenn schon dann den vollen Irrsinn: Notierungen vorgenommen. Ich habe so derart viel notiert, würd ich das hier alles niederschreiben ich wäre Weihnachten noch nicht fertig, soviel steht mal fest. Da prasselten derart viele Gedanken auf mich ein, so schnell kann nicht mal ich schreiben. Und das Schlimmste ist ich kann das Meiste nichtmal mehr lesen...Ich krame also zusammenhanglos im Kopf und versuche irgendwie in Worte zu fassen was da gerade fast 200 Minuten auf mich eingeflossen ist. Denn hier fließt wirklich alles, inkl. "Bänder".
Zunächst mal muss man sagen wenn es ein Film schafft 100 Minuten lang ohne auch nur einen Dialog mehr zu fesseln und auszudrücken als so manch' 90Minüter MIT Dialog, da hat der Macher im Grunde ja schon alles richtig gemacht.
Selten lagen Hässlichkeit und Schönheit so dicht beieinander, oder war's das Hässliche in der Schönheit, das Schöne im Hässlichen?
100 Minuten meditative und dennoch rüttelnde und packende Bilder! Ich war mir auch während der gesamten Laufzeit eigentlich nie so ganz sicher ob ich nun den Film aufsauge, oder der Film mich. Eine Sinnesflut sondersgleichen.
Das planetengroße Hamsterrad trifft auf "Herr der Ringe-Wälder", traumhaft verlassene Schneelandschaften und Tötungstrucks die sich durch unzählige Hühner fräsen. Großraumbüros wie Legebatterien, felshöhlige Kamerafahrten und Wasserspiegelungen, Vulkanausbrüche, ja da kam teilweise sogar schon kubriksche 2001er Stimmung auf, auch akustisch.
Es gibt eine Einstellung, auf der unteren Seite des Bildes dicht, dichter, amdichtesten besiedelte Favelas, dann nur minimalste "Baumflächen-Grenze", oben im Bild die "reichen" Wolkenkratzer.... genial eingefangen, kontraststark und erinnerte mich irgendwie an "Land of the dead".
Gefühlt 1Million Kampfsportlerkids auf einem Fleck die synchron ihre Kampfübungen abhalten, so genial da "klagten" selbst die Mauern vor Freude, auch die im Knast, und obwohl ich kein Freund von "Gotteshäusern" bin, war ich mehr als fasziniert von diesen Kirchen - Kamerafahrten.
Schwerst beeindruckend sind die Sand-Mandala malenden Mönche, was muss man für eine innere Ruhe haben um das manuel so hinzubekommen, ganz zu schweigen von der immensen Arbeit! Soviele Hüte konnte ich hier spontan gerade gar nicht auftreiben...ich zog imaginär...ich zog und zog...und der Film zog derweil dann auch mal kurz aber um so heftiger an meinen Nerven. Aber als wäre das noch nicht genial genug wird am Ende das Sand-Bild rituell "zerstört", der ganze, "vermalte", farbige Sand wird zusammengekehrt und in eine Schüssel gekippt. Was fällt ein? Jede noch so grandiose Schönheit ist am Ende vergänglich. Die Schüssel ist der Sarg, aber auch Echtmenschsärge in riesiger Pistolenform werden zu Grabe getragen, während man sich fragt ob nun der Mensch oder der Roboter der eigentliche Roboter ist. Fleischbeschau ob Mensch, Tier oder Gummipuppe. Es gibt hier soviel zu sehen, im Grunde reichen 2 Augen gar nicht aus um das alles zu erfassen. Denn schließlich will man ja dabei auch noch die grandiose musikalische Untermalung aufsaugen und sich während dessen zigfache Interpretationen des Gesehenen zurechtlegen, verwerfen und wieder neu zusammensetzen. Und ich fange jetzt gar nicht erst an von dem Typen am Schreibtisch zu erzählen, der sich selbst in mehreren Etappen zum Monster schminkt, und verändert, dabei aber immer auf AUGEN und MUND hinweist. Tanzend wird man aus dem Film geleitet...wenn man nicht wie ich kurz nochmal zurückspult.
Metaphernreiche, mordsmäßig musikalische, monströse Mahnschönheit, und ich sage "Herzlich willkommen" auf meiner Lieblingsfilmliste, ganz oben sitzt Hal, aber ist ja noch genug Platz da.
hässlich,traumhaft schöne und komplett gefühlspalettige:
10/10 ?