Review

Manchmal leihe ich mir bei meinem Videotheken-Dealer Filme aus, die meine Erwartungshaltungen übertreffen. Im Fall von "Stitches - Böser Clown" haben die Zeichen ziemlich schlecht gestanden: Irischer Humor, der schon in dem Horror-Humbug "Grabbers" nicht funktioniert hat, oder "Guard - Ein Ire sieht schwarz", den ich dank des achso tollen Humors nach einer halben Stunde ausmachen musste. Dieser irische Humor  gepaart mit von einem Clown durchgeführten Splattereinlagen soll mich unterhalten? Der letzte Clown, der dies Tat, war in Stephen King´s "Es" oder von mir aus auch "Doink the Clown" in der WWE (Wer es nicht weiß: Das ist Wrestling).
Was soll ich jetzt nach dem Anschauen sagen? Ja, "Stitches" hat mich verdammt gut unterhalten - nicht nur in Sachen Humor und Splatter, sondern auch die anderen Zutaten waren alle exzellent.

Stiffler´s, ähhh..., Tom´s (Tommy Knight) Mum (Valerie Spelman) bestellt für den Kindergeburtstag ihres Sohns einen Clown (Ross Noble in der Rolle seines Lebens), der die Spielkameraden unterhalten soll. Doch der Unterhaltungskünstler namens Stitches nimmt seinen Job nicht sonderlich ernst und schiebt lieber schnell mal noch eine Nummer oder zieht sich einen Joint rein, anstatt an seiner mauen Arbeit zu feilen. So wird der Auftritt zum Desaster, die Kids treiben Schabernack  und durch einen "Arbeitsunfall" stolpert Stitches mit der Fresse in den Geschirrspüler. Das wäre nicht weiter schlimm, wenn aus dem Spüler nicht gerade das 30 cm lange Fleischermesser rausragen würde. Denn das rammt sich der Clown im Fallen leider komplett durch den Kopf, was für ihn tödliche Folgen hat.
Sechs Jahre später als dieselben Kids am Wochenende eine Party feiern wollen, steigt Stitches der Clown aus seinem Grab und hat nur ein Ziel: Alle Kiddies von damals, die ihn schikanierten und in den Tod trieben, umzubringen...



Jason war nicht tot zu bekommen, Freddy und Michael Myers auch nicht - und ein John McLane würde auch noch zehn weitere Sequels ohne Kratzer überleben. Als wäre die Woche nicht schon schlimm genug gewesen, dass Papst Benedikt XVI. zurückgetreten ist oder Nordkorea als Meteoriten getarnte Raketen auf Russland abfeuerte, nein, - mir muss auch noch dieser Streifen über den Weg laufen.
Wem das Geburtstagsintro schon nicht zusagt, braucht den restlichen Film auch nicht weiter anzuschauen, denn der platte (ja, das mag ich) Humor und auch der Härtegrad der Splatter-Einlagen bleiben den restlichen knappen 75 Minuten treu. Ob man jetzt Abneigung oder Gangnam-Style-Party im Knausen verspürt, dürfte man noch etwas weiteres bemerken: Handwerklich sind hier auf alle Fälle Profis am Werk. Der Kameramann und vorallem die Leute am Schnittpult machen eine gute Arbeit (bestes Beispiel: Die Schnittfolge, bei der sich Stitches anzieht, für seinen Job auszuüben).

Wer jetzt keinen Arthouse-Film erwartet hat und dem Treiben weiterzusieht, wird auch noch feststellen, dass sämtliche Charaktere und ihre Dialoge ordentlich gezeichnet sind. Lediglich den Storyschreibern (wenn überhaupt) könnte man einen Klapps auf den Po geben, da die Story wirklich nicht innovativ ist und man bei vielen anderen Filmen gewildert hat. Trotz des Ideenklaus kreirt Regisseur Conor McMahon seine ganz eigene Note.

Das beginnt schon mit dem Alter der Darsteller: Wir haben keine Twens und auch keine Teens, sondern eher eine Art Pre-Teen-Gruppe. D.h.: Manche haben ihr bestes Stück schon versenkt und andere eben nicht, 14jährige eben.
Der Film spielt sich zum größten Teil in der Highschool ab und so ist es auch kein Wunder, dass der Humor deutlich an "American Pie" angelehnt wurde. Viele Situationen haben mir einige Schmunzler besorgt. Die Charaktere sind schräg, blöd und trotzdem äußerst sympathisch gezeichnet. Hauptfigur Tom, der damals die Beerdigungszeremonie mitbekommen hat, leidet seit dem Tod unter Angstattacken und stopft sich mit Benzos voll.

Eindeutiges Highlight ist jedoch Ross Noble als böser Clown, der - ja ohne scheiß - einem Fred Krueger Konkurrenz machen könnte. Er kommt so bösartig rüber und haut (auch in der deutschen Synchro)  dennoch so ziemlich die besten Oneliner raus, die mir in letzter Zeit über den Weg gelaufen sind. Ein wahnsinniges, diabolisches Charisma besitzt Ross Noble.

Was manche Leute eventuell abschrecken könnte, ist die Tatsache, dass der Schwerpunkt eher auf der komödiantischen Seite liegt, was aber nicht weiterhin schlimm ist, da sich die Splatter-/ und Spannungspassagen sehr gut einfügen und nicht gestellt oder reingequetscht wirken. Zudem wird dem Lebewesen "Clown" noch ein wenig Background bezüglich der Entstehungsgeschichte und Entwicklung gegeben, was dem Film eine minimaleMystik-Komponente mit auf den Weg gibt.

"Stitches - Böser Clown" wird nicht jedermanns Geschmack treffen, aber viele werden hier ihren Heidenspaß haben. Wenn ich diesen Streifen mit einem Satz beschreiben müsste, dann wäre "Stitches" eine gelungene Mischung aus "American Pie" und "Nightmare on Elmstreet (Teil 3-6)" .
Unbedingt mal Probe schauen.

9/10

Details
Ähnliche Filme