Wenn in einem amerikanischen Filmtitel das Wort "Coach" vorkommt, kann man davon ausgehen, dass sich die Rahmenhandlung um Baseball, Basketball, Eishockey oder American Football dreht. Fußball, wie wir ihn kennen, ist in dem Land der beschränkten Möglichkeiten eher eine Randsportart, die den Amerikanern gepflegt am Allerwertesten vorbeigeht. Ausnahmen bestätigen die Regel und bei "Kiss the Coach" ist unser Volkssport Nr. 1 zur Abwechslung mal das Aushängeschild für einen "romantischen" Film.
Als Fussballer war George Dryer (Gerard Butler) ein gefeierter Star, doch pünktlich zum Karriereende ging obendrein seine Ehe in die Brüche, worunter auch sein Sohn Lewis (Noah Lomax) gelitten hat. Gerade, als seine Ex-Frau Stacie (Jessica Biehl) vor der zweiten Ehe steht, versucht George wieder eine aktivere Rolle im Leben von Lewis zu spielen. Dies gelingt ihm, als er den gelangweilten Trainer seines Sohnes ablöst und ab sofort die Jugendmannschaft trainiert. Neben dem neu aufkommenden Spaß am Spielen, den die Kinder verspüren, zieht George auch die Aufmerksamkeit der Eltern auf sich. Ebenso ist Lewis von seinem Vater schwer begeistert, der sich jedoch insgeheim nichts anderes wünscht als seine ganze Familie wieder zurückzuhaben.
Mit "Kiss the Coach" hat Regisseur Gabriele Muccino viele Schauspielgrößen in einem Film untergebracht und scheinbar nicht so genau gewusst, wohin er mit ihnen will. Einzig Gerard Butler kauft man seine Rolle komplett ab, die aber auch nicht ausreichend gezeichnet worden ist. Butler´s Charakter ist im Leben nach dem Fußball ein sympathischer Looser: (was ja eigentlich schon schwer vorstellbar ist, bei den Millionen die solche Alibi-Kicker nur in einem Jahr verdienen) Gut aussehend, wortgewandt und er besitzt alle ethischen Grundeigenschaften, die ihn zum Womanizer und absoluten Kumpeltyp machen. Die Frage, auf die jedoch im ganzen Filmverlauf nicht mal ansatzweise eingegangen wird, ist natürlich: Warum ging bei diesem charmanten Kerl überhaupt die Ehe in die Brüche? Früher Charlie Sheen auf Dope und heute Mutter Theresa oder wie? Naja, mit solch einem Säbelrasseln muss der Zuschauer diese Tatsache eben schlucken. Muccino ist eben der Meinung, dass bei dem Staraufgebot nicht viel hinterhergefragt werden darf.
Was anfangs noch sehr harmonisch mit klassischer Musikuntermalung (ich vermisse in der heutigen Zeit solche Soundtracks sehr) beginnt, weiß nach dem ersten Drittel nicht mehr weiter. Es beginnt erstmals zu kribbeln, als Dennis Quaid als durchgeknallter Familienvater auftaucht, was ja noch ganz nett wäre, wenn er die einzige Knalltüte im Film bleiben würde. Was dem Film beinahe das Genick bricht, ist der Umgang mit dem Wesen "Frau". Gerade in romantischen Komödien, in denen der weibliche Zuschaueranteil weitaus größer ist, sollte man es vermeiden, die Frauen als kleines Dummchen darstehen zu lassen. In "Kiss the Coach" sind die Frauen meistens junge Mütter, sexuell total frustiert und geschieden und haben natürlich nichts besseres zu tun, als George hinterherzustelzen, der natürlich mit seiner Fackel nicht lange fackelt, sondern gleich loslegt und ihnen die Frustation nimmt.
Nicht nur, dass die weiblichen Charaktere alle auf eine niveaulose Ebene reduziert werden, sondern der Film entwickelt sich von einer Romanze zur grottenschlechten Komödie, die keine Sau sehen will. Somit kann man auch mal den Geisteszustand von Catherine Zeta-Jones, Judy Greer und Uma Thurman hinterherfragen, was sie sich alle dabei gedacht haben, solch schlechte Rollen anzunehmen. Sämtliche namhafte Frauen werden verheizt, so dass selbst die motivationslose Jessica Biehl als positiver Charakter heraussticht.
Dennis Quaid, der seine Filmehefrau Thurman beschatten lässt, selbst aber alles rammelt, was ihm vor die Latz kommt, wird von einer auf die andere Sekunde aus dem Drehbuch gestrichen, nur um am Schluss wieder urplötzlich aufzutauchen, damit er auch noch seine fünf Minuten Ruhm im Aggressionsabbau bewältigen darf.
Das Ende ist dagegen ungewöhnlich, aber nicht unrealistisch - in meinen Augen wird dieser Twist (kann man das so nennen?) lediglich viel zu schnell umgesetzt.
Auf jeden Fall fehlt Regisseur Gabriele Muccino jegliches Feingefühl in Sachen Timing. Heitere und ernste, sowie
satirische und dramatische Momente fahren mit Tollwut und Schaum vor dem Mund Achterbahn.
"Kiss the Coach" funktioniert weder als Romanze, als Sportlerdrama noch als Komödie. Die einzig positiven Komponenten sind ein gut agierender Gerard Butler, der klassische OST, der mich ein wenig an die alten Zeiten ("Die Verurteilten", "Green Mile") erinnert und Iqbal Theba als einzig funktionierender Sidegag. Kennt den jemand? Ich auch nicht. Ansonsten kann man alles in die Tonne treten und als Fazit ziehen, dass Schauspieler sowie Fußball-Profis zu viel Kohle verdienen.
Einmal anschauen tut mit Sicherheit nicht weh, jedoch sollte jeder überlegen ob in baldiger Zukunft beim Blu Ray-Release dieser Film überhaupt die Ausleihgebühr wert ist.
4/10