"Wenn ich nicht ich bin, wer bin ich dann?"
Im Jahr 2084 ist die Erde bis auf zwei Inselstaaten verseucht. Nur noch in Großbritannien und Australien ist es den Menschen möglich zu leben. Beide Areale sind durch einen Schacht durch das Erdinnere miteinander verbunden und durch Überbevölkerung gebrandmarkt. Bewohnbare Fläche ist extrem kostbar und knapp.
Douglas Quaid (Colin Farrell) lebt mit seiner Frau Lori (Kate Beckinsale) in der australischen Kolonie. Sein tristes Leben sowie Albträume veranlassen ihn sich bei der Firma Rekall eine künstliche Erinnerung einpflanzen zu lassen. Gerade als sein künstliches Abenteuer als Geheimagent beginnen soll, stürmt eine Spezialeinheit die Firma. Quaid reagiert instinktiv und tötet die gesamte Einheit. Noch völlig außer sich erzählt er Lori von den Vorkommnissen, die sich als verdeckte Agentin offenbart und ihn verfolgt. Nicht mehr wissend wer er selbst ist, trifft er auf die Untergrundkämpferin Melina (Jessica Biel), die ihm schon mehrfach in seinen Träumen begegnet ist.
Einige erinnern sich sicher an Regisseur Paul Verhoeven's "Die totale Erinnerung - Total Recall". Einem Science-Fiction-Film, der 1990 in vielerlei Hinsicht für Furore sorgte, gerade wegen seiner drastischen Darstellung von Gewalt. Umso weniger verwunderlich ist es, dass der schon vorher bekannt gegebene Wunsch nach einer familientauglichen Variante zur Gegenwehr der Fans des Originals führte. Und tatsächlich wirkt das Remake aus dem Jahre 2012 ein wenig zu zahm.
"Total Recall" enthält zahlreiche Anspielungen auf das Original. Nicht nur die Figurenkonstellationen sind beinahe identisch, auch Dialoge gleichen sich zum Teil. Durch diese Masse an Verweisen riskiert der Film seine Eigenständigkeit und langweilt diejenigen, die "Die totale Erinnerung" noch in Erinnerung haben.
Auch sonst macht "Total Recall" kaum etwas neu. Visuell orientiert er sich an "Blade Runner" und Elemente aus "I, Robot" sowie "Minority Report" sind kaum von der Hand zu weisen. Daher setzt der Science-Fiction-Film keine eigenen Akzente und beschränkt sich auf eine Aufzählung bekannter Einzelszenen.
Obwohl das Remake nah an seinem Original wandelt ist ausgerechnet die reizvolle Doppelbödigkeit von "Die totale Erinnerung", die noch lange nach Filmgenuss rätseln ließ, ob man nun einem Traum folgte oder das Gesehene Realität war, nicht inbegriffen. "Total Recall" bleibt in seiner eigens aufgebauten Welt und lässt genau genommen nie Zweifel daran zu, dass es sich bei dem Gesehenen nicht um ein Täuschung handelt.
Stattdessen kommt der Film häufig in Erklärungsnöte. Die Gesetze der Physik scheinen ausgesetzt und die futuristischen Technologien werden unzureichend erklärt.
Diese Unzulänglichkeiten nutzt der Film wiederum für seine Stärken: Die digitalen Effekte. Optisch bietet "Total Recall" eine toll anzusehende, düstere Vision unserer Welt. Ballereien in der Schwerelosigkeit, Autoverfolgungsjagden mit schwebenden Automobilen und flotte Actionszenen, die vielseitig präsentiert werden, sorgen für viel Abwechslung. Die viele Action führt allerdings zu einer recht schnellen Übersättigung und und lässt den Figuren keinen Freiraum.
Von den Darstellern setzt sich nur Kate Beckinsale ("Underworld"-Reihe, "Pearl Harbor") durch. Sie vereint in ihrer Rolle Elemente von Sharon Stone's Figur Lori und Michael Ironside's Richter, hat dementsprechend auch eine ausgebautere Rolle, als so manch andere handlungsrelevante Figur.
Colin Farrell ("Kill the Boss", "Daredevil") wirkt ambitioniert, kann Schwarzenegger aber gerade physisch nicht das Wasser reichen. Jessica Biel ("Next", "Michael Bay's Texas Chainsaw Massacre") scheitert an ihrer extrem blassen Rolle.
"Total Recall" ist zwar nicht der befürchtete Totalausfall, viel bleibt nach dem Sehen aber auch nicht hängen. Die moderne Variante des trashigen Originals ist nur noch visuell von Wert. Inhaltlich bietet der Science-Fiction-Film nichts, was bei der besseren Konkurrenz nicht bereits zu sehen war. Gerade die massiven Logiklücken drücken den Eindruck des sehr actionreichen, aber auch monotonen Films. Knappe ...
5 / 10