Nach all dem Zerreiße muss ich doch mal die Schose um mein Geseier ergänzen.
Als es hieß es würde ein Remake entstehen, war ich skeptisch, da Arnis-Original eigentlich noch keines bedurfte. Aber mal schauen was denn da kommen mag.
Vorweg war ich eigentlich nie ein großer Fan von Verhoevens „Totale Erinnerung“, zu trashig die Kulissen, zu ekelhaft die Mutanten und der Plot teilweise etwas krude serviert.
Aber Arni hatte es für mich gerettet, na gut Arni und Verhoevens überproportionaler Blutdurst, zahlreiche neue Ideen und die Grundgeschichte an sich… Also so schlecht war es nicht, aber es war nicht mein Lieblingsessen, sondern das wo die Beilagen (ihhh, Rosenkohl!) immer liegen bleiben.
22 Jahre später nun… Colin Farrell zieht sich das viel zu große österreichische Muckihemd an und geht auf Selbstfindung und das in einem FSK 12-Film. Kein Wunder dass, ich ihn monatelang ignoriert habe. Doch irgendwann war es so weit, der „Blau-Strahl-Abtaster“ gleitet über die Plastikscheibe und bringt eine angenehme Stimmung ins heimische Wohnzimmer.
Wahr, ich mochte die Atmosphäre von Anfang an. Da wo in meinen Augen Verhoeven versagt hatte punktet Wiseman von der ersten Szene an. Als absolutes Highlight gilt für mich die „Auto“-Jagd, die trotz ihres utopischen Hintergrunds absolut plausibel präsentiert wird und sich vollkommen in das Zukunftsszenario einpasst. An jeder Ecke dieses gut durchdachte Cyberpunkambiente was durchaus an einen Square/Eidos-Titel oder ähnliche Videospiele erinnert. Die gesamten 113 Minuten erinnern von ihrer Dynamik sowieso etwas an ein Videospiel, Action, Story, Action, kurzes Rätsel, Action… Obwohl das aus meinem Betrachtungswinkel nicht negativ zu werten ist oder er im Actionteil total überladen wirkt. Da fand ich Wisemans Film mit der 4.0 im Titel wesentlich…naja, sprechen wir nicht darüber!
Storytechnisch wird es besser und glaubwürdiger vorangetrieben, zumindest ist es etwas einfacher gestrickt und lässt einem somit die Übersicht besser wahren.
Spaßig fand ich die immer wieder auftretenden Parallelen und Anspielungen aus dem Pendant von 1990, hierzu sei nur „2 Wochen“ erwähnt. Sauer aufstoßen lässt mich eigentlich nur Kate Backinsale, die als „Terminatrix“-Verschnitt (Gott, wie ich diesen Ausdruck verabscheue) etwas viel Fahrt aufnimmt und mir mit ihrer übertriebenen Boshaftigkeit und Allgegenwärtigkeit einfach nur auf den Keks ging. Da war mir Sharon doch lieber.
Ach so, die eingangs von mir befürchtete Blutarmut wurde simpel durch die Dezimierungen und Verstümmelungen von Cyborgs kaschiert. Hier definitiv besser gemacht als in so manchen Videospielen (oder hat jemand ernsthaft die deutsche Version von „Soldier of Fortune II: Double Helix“ gezockt?).
Summa summarum, bleibt ein anständiges Remake, welches zwar den Schwarzenegger-Bonus einbüßt, dafür aber einiges besser macht da es ansprechender und moderner verpackt ist.
Ich für meinen Teil, gehe jetzt, vom Szenario infiziert, mit Adam Jensen auf Verbrecherjagd oder doch lieber noch einmal mit J.C. Denton? Ich hoffe ihr versteht die hier angespielte Analogie!? ;-)
Euer „Cyberpunk-infizierte“ Gonzo