Review

Will Ferrell spielt einen Kongress-Abgeordneten, der schon zum fünften Mal kandidiert, zuvor jedoch meist als einziger Kandidat zur Wahl stand. Doch diesmal bekommt er es mit einem anderen Kandidaten, gespielt von Zach Galifianakis zu tun. Der Sonderling wird von zwei Unternehmern, gespielt von Dan Aykroyd und John Lithgow, ins Rennen geschickt, die sich nach der Wahl ein paar Gefälligkeiten erhoffen.

Ein perfekter Zeitpunkt für eine Wahlkampf-Satire, möchte man zumindest meinen. In den USA ist der Präsidentschaftswahlkampf bereits zur Farce verkommen, in der Inhalte überhaupt keine Rolle mehr spielen, in der Fakten schon lange keine Diskussionsgrundlage mehr bieten und vor allem die Lauten sowie die Scharfmacher öffentlich wahrgenommen werden. Und “Qual der Wahl“, auch wenn die Macher leugnen, dass Starttermin und Thematik keine Zufälle sind, greift durchaus Aspekte dieses Wahlkampfes auf.

So kommt es durchaus zu bissigen und zynischen Szenen, in denen man der Komödie bescheinigen kann, dass sie ihr satirisches Potential ausschöpft und dies sind gleichzeitig die besten Momente des Films. Wenn etwa der von Ferrell gespielte Cam Brady, bei dem es sich um einen erfahrenen Berufspolitiker handelt, in jeder Rede die gleichen Phrasen drischt, sich beim Publikum einschmeichelt und immer wieder betont, gläubiger Christ zu sein, später aber nicht einmal das „Vater Unser“ fehlerfrei zu beten vermag, werden einige Vertreter der politischen Kaste durch den Kakao gezogen, die Cam Brady nicht unähnlich sind. Auch die Wahlkampftrailer, die nicht einmal ansatzweise um Inhalte bemüht sind, zeigen durchaus Parallelen zum aktuellen Wahlkampf auf, in dem es vor allem darum geht, den Gegner unter der Gürtellinie zu treffen.

Umso ärgerlicher ist es, dass der Film um ein paar platter Gags willen immer wieder in den Slapstick verfällt und die ernsten Absichten ein wenig in den Hintergrund treten lässt. So ist der von Zach Galifianakis gespielte Marty Huggins stellenweise ein wenig zu verschroben und trottelig dargestellt, auch die sexuellen Anspielungen und sonstigen Zoten stehen dem Film nicht wirklich, auch wenn sie gelegentlich lustig sein mögen.

Dennoch ist “Qual der Wahl“ durchweg unterhaltsam, weil das Tempo hoch ist und auch der Klamauk durchaus amüsant geworden ist. Jay Roach, der zu den erfahrensten seines Fachs zählt und unter anderem “Austin Powers – Das Schärfste, was Ihre Majestät zu bieten hat“ sowie “Meine Braut, ihr Vater und ich“ inszenierte, leistet nämlich solide Arbeit und lässt in Hinblick auf den Unterhaltungswert nichts anbrennen, unterbindet Leerlauf und kann zudem auf zwei gut aufgelegte Hauptdarsteller zurückgreifen. Besonders Will Ferrell ist hier in der besten Rolle seit Langem zu sehen, Galifianakis, der seine Figur teilweise etwas zu sonderlich erscheinen lässt, leistet ansonsten ebenfalls gute Arbeit. Der restliche Cast kann sich ebenso sehen lassen, besonders John Lithgow und Dan Aykroyd sind als schmierige Unternehmer herrlich besetzt.

Ärgerlich ist dann jedoch das Happy End, bei dem “Qual der Wahl“ dann endgültig der Sarkasmus abhandenkommt. Hier wendet sich dann doch noch alles zum Guten, was in der echten Politik wohl eher selten der Fall sein dürfte, gerade nach einem derart vergifteten Wahlkampf. Der Zuschauer geht nach dem Film, der im Endeffekt dann doch keine richtige Satire ist, nicht nachdenklich nach Hause, sondern viel mehr genauso, wie er gekommen ist. Aber immerhin gut unterhalten.

Fazit:
“Qual der Wahl“ hat gute satirische Ansätze, die sich auch auf den aktuellen Präsidentschaftswahlkampf in den USA übertragen lassen, ist aber auch sehr klamauklastig und zotig, was den nötigen Ernst dann doch nicht so recht aufkommen lässt, selbiges gilt für das allzu versöhnliche Ende. Der Film, der versiert gespielt, inszeniert und erzählt ist, weiß dennoch durchgehend ordentlich zu unterhalten.

73%

Details
Ähnliche Filme