Fremdartige Exploitation - Katastrophe in Eigenverantwortung von Joe Chien, der nach einigen besser situierten und prominent besetzten Genrearbeiten wie dem Thriller Buttonman (2008) und dem Comedydrama Gangster Rock (2010) die Umkehr zum niederen Werk des Suhlens in Blut und Dreck und dies in Form des sogenannten ersten Zombie-Filmes aus Taiwanesischen Landen in Angriff nahm. Dabei lässt Chien gleich mehrfach und dies auch sprichwörtlich die Hosen ungeniert runter, fungiert als Autor, Regisseur, Produzent und Darsteller des 'Pervert' im eigenen dürren Skript voll Hektik, Spekulativitäten und mittlerer Langeweile zugleich und kommt trotz viel vorheriger Aufmerksamkeit gerade auch seitens der wartenden ausländischen Presse nicht über Dutzendware aus den Videotheken, Abteilung hinten unten in der Ecke hinaus. Sepiadurchflutetes Laientheater trotz vieler toller Zutaten; voll Zombies, Monster, Mutationen. Einem japanischen Serienkiller. Einem Martial Arts Cop. Und einem Parcour - Gwailo, der keine Treppen normal rauf oder runter gehen kann, ohne seine Kunststückchen zwischen Chaos und Nonsens zu absolvieren:
Nach dem Ausbruch eines tödlichen Virus steht der Wanhua District von Taipei, Taiwan unter strenger Quarantäne. Gefangen in dem Tumult sind eine SWAT - Einheit [ u.a. Jack Kao, Tai Bo, Dennis To, Chu Mu-yen ], die eigentlich auf die Hatz nach einem Gangsterboss [ Yung Cheung ] und dessen Schergen geschickt wurden. Während sich die uneinigen Parteien erst nach und nach gegen den gemeinsamen Feind einigen können, befindet die sich gerade erst zur Witwe gewordene junge Mutter Linda [ Yvonne Yao ] händeringend auf der Suche nach ihrem kleinen Mädchen. Zu vertrauensselig steigt sie dabei und der Flucht vor den heranstürmenden Horden der Untoten in das Auto eines Fremden [ Joe Chien ], der sich rasch als Schläger, Vergewaltiger und zur Not auch Mörder entpuppt.
Vielleicht die erste Viertelstunde, das Chaos im Ausbruch und das erste scheinbare Ausgeliefertsein in einer menschenleeren Welt, kann in seiner klassischen Komposition mit vielerlei Erinnerungen an Genregrößen selber einige Anregungen erzeugen. Auch ist das Projekt, aus eigener Kraft und gleichzeitig nahe am und in seiner anderweitigen sicko - Schiene doch weit entfernt vom Kommerz gestemmt, in der Anlage her schon grundsätzlich informativ. Nur, mehr als die Wiedergabe bereits längst vorhandener, zumeist aus dem amerikanischen oder britischen Film entliehener Bilder, Ideen und Verhaltensweisen werden allerdings hier auch nicht, später nur noch die Pflicht zum Schmuddel, als einzige Originalwendung, und dies dann mit seltsamen Gusto, auch freiwilligen und unfreiwilligen Slapstick und so zweifelhaften Ansehen erreicht. Klischees, Abartig- und Lächerlichkeit en masse, sowie Brüste und Gore als Kunstgriffe der sprunghaften b - picture Unterhaltung, wie gefangen zwischen der unrühmlichen Mischmasch-Kopie Devil's Playground (2010), Stuart Gordon's Organic Theater und den beiden glorreichen Staffeln von Baywatch Nights (1995-1997).
Doch gerade die primitive Anbiederung an dem misogynen Folterkeller und seine ausschweifenden Eskapaden nimmt in der Zeichnung der Handlung, die erst vor und zurück, und dann seitwärts und parallel verläuft, einen Großteil an Raum und so auch Platz für jeglich Sonstiges und tatsächlich Interessantes in dieser plothole / cuckoo bananas - Dramaturgie ein. Mit einer bewegten Produktionsgeschichte im Rücken, laut der das (low) Budget von ca. 340000 USD durch Spenden von Unterstützern zusammen gekommen und dann um diese Geldspritzen herum fabriziert ist, erscheint das Werk schon nach wenigen Minuten zwischen heiligem Ernst, zuweilen abstoßenden Ressentiment und der Unsicherheit von Bedienung von Satire und unfreiwilliger Parodie zugleich zu wandern, was eine ähnliche Unübersichtlichkeit und Verlorenheit des Filmes auslöst wie die Figuren in ihm angesichts dieser Anarchie gefangen sind. Der Ausbruch der Epidemie, traditionell mit einem schiefgegangenen Experiment, hier dem eines alkoholkranken und dadurch zum mad scientist gewordenen Wissenschaftlers erklärt, löst nicht nur eine allgemeines Durcheinander der Zivilisation und den Zusammenbruch von Sitte und Anstand, sondern auch die absurdesten Verhaltensweisen und Dialoge der um das Überleben Kämpfenden aus. Eine Konstellation im Delir und dem fiebrigen Albtraum zur Nacht.
So ist das erste Kompetenzgerangel in den Hierarchien der Polizisten ebenso töricht wie der Versuch, aus dem Zusammenstoß von Kriminellen und Gesetzeshütern angesichts der gleichen Bedrohung so etwas wie eine nervenaufreibende oder gar soziale Komponente aus den Rollenkonflikten heraus zu zaubern. Action ist rar und schwunglos und ab und an wie als Sketch gesetzt. Zudem sind die Personen allesamt dünne Abziehbilder, teilweise bis zur Karikatur übertrieben, und mit völlig sinnentleerten Kommentaren zur seltsamsten Zeit. Füllmaterial in Collagenform, dass wie improvisiert oder erst am Vorabend der Dreharbeiten mühsam aus dem Fundus der Zitatenkiste zusammengeklaubt wirkt, was der optisch zumindest gefallenen, wenn auch gesteigert mit Farbfiltern tätigen Inszenierung die dortige Stärke der Reproduktion und die formale Gewissheit darin auch wieder komplett nimmt.