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Die bösen Albaner sind wieder da und diesmal haben sie einen echten Grund, auf den Ex-CIA-Mann und jetzigen Security-Bodyguard Bryan Mills (Liam Neeson) sauer zu sein. War sein Auftauchen beim ersten "Taken" noch eine unangenehme Nebenerscheinung, da dessen jungfräuliche Tochter Kim (Maggie Grace) den Mädchenhändlern zufällig in die Hände fiel, schwören sie nun Rache am Grab der Männer, die Mills bei der Befreiung seiner Tochter im Weg waren. Da Selbstreflexion oder das Gefühl von Mitschuld keine üblichen Eigenschaften albanischer Stammesführer zu sein scheinen, verspricht Murad Krasniqi (Rade Serbedzija), dessen Sohn sich ebenfalls unter den Toten befindet, den anwesenden Trauernden, dass Mills Blut auf albanischer Erde vergossen werden soll.

Während er sofort alle Hebel in Bewegung setzt, um dessen Standort heraus zu bekommen - dabei weder vor Mord, Folter oder Bestechung zurückschreckend - widmet sich der Film parallel ausführlich des Action-Freunds Lieblingsthema - einer Familien Home-Story. Bryan Mills hat daheim in Los Angeles nämlich echte Probleme. Nicht nur, das seine 18jährige Tochter Kim schon zweimal durch die Führerscheinprüfung gefallen ist, sie hat zudem auch noch einen Freund (Luke Grimes), weshalb sie nicht anwesend ist, als Mills auf die Sekunde genau bei seiner Ex-Frau Lenore (Famke Janssen) vor der Tür steht, um mit Kim für die nächste Prüfung zu üben. Kein Wunder, das Papa nur Augenblicke später bei dem Knaben vor der Tür steht, der seiner Tochter gerade an die Wäsche will, und auf die Fahrstunde pocht.

Auch sonst ist viel los im bürgerlichen Amerika, denn praktischerweise hat sich der reiche Ehemann von Mills Ex-Frau gerade getrennt und da Mills kein Loser mehr ist, wie zu Beginn des ersten "Taken", zeichnen sich erfreuliche romantische Gefühle am Horizont ab. Optimistisch lädt er deshalb Ex-Frau und Tochter nach Istanbul ein, wo er einen Auftrag als Body-Guard übernommen hat, um danach ein paar gemeinsame schöne Tage mit ihnen zu verbringen. Souverän überlässt er den beiden Frauen die Entscheidung, ob sie sein Angebot annehmen, weshalb er auch nicht ahnt, das sie plötzlich bei ihm im Hotel auftauchen, kurz nachdem er seinen Job beendet hatte. Im ersten Moment reagiert er etwas konsterniert und erwähnt zurecht, was denn gewesen wäre, wenn er schon abgereist wäre. Man merkt ihm die Überraschung an.

Allerdings nicht den Albanern, die nicht nur gewusst haben müssen, das Mill sich langsam wieder seiner Ex-Frau annäherte, weshalb er sie zum ersten Mal nach vielen Jahren zu einer solchen Reise einladen würde, sondern die auch gespürt haben müssen, das sie kurz nach der schmerzhaften Trennung von ihrem Noch-Ehemann schon zu einem solchen Schritt bereit war. Anders lässt es sich nicht erklären, das sie sich zuvor so professionell in Istanbul darauf vorbereiten konnten. Eine große Zahl an Männern stand bereit und verschiedene Standorte waren entsprechend präpariert, um sofort zugreifen zu können, sobald die Drei in Istanbul versammelt wären. Oder hatten sie vorher etwa das Drehbuch gelesen?

Und damit kommt es zum eigentlichen Knackpunkt der Geschichte - was interessiert den Action-Freund die innere Logik ? - Psychologisch hinken die Beweggründe der Albaner ein wenig, aber angesichts ihrer brutalen Gesichter, den fleischigen, muskulösen Körpern und ihrer martialischen Vorgehensweise geben sie einen schön finsteren Gegner ab, der nur darauf wartet, von Mills auseinander genommen zu werden. Dieser beweist zudem einmal mehr, das nur die Paranoiker überleben, die über ein anständiges Waffenarsenal verfügen und den Braten schon riechen, wenn Jemand hinter der nächsten Straßenecke nur furzt. Dazu liefert Istanbul noch einen angemessen exotischen Hintergrund, so das sich der Betrachter auf spannende Momente freuen kann, wenn osteuropäische Schergen versuchen, hellhäutige Frauen zu foltern und zu ermorden.

Schon der erste "Taken" konnte mit einer solchen, geschickt inszenierten Konstellation aufwarten, aber er blieb innerhalb der Story immerhin schlüssig. "Taken 2" verstößt dagegen ausgerechnet gegen die Regel, die Luc Bessons Filme sonst auszeichnen - die konsequente Handlungsweise der sich gegenüber stehenden Protagonisten. So brutal und kompromisslos die Gangster gegenüber Jedem auftreten, so bescheuert amateurhaft verhalten sie sich im Angesicht von Mills. Ihn mit einem schmalen Bändchen zu fesseln, das er an der nächsten Heizleitung durchscheuern kann, ist schon sträflicher Leichtsinn, aber ihn auch noch alleine zu lassen, während er seiner Ex-Frau beim Verbluten zusehen soll, entbehrt jeder Grundlage, angesichts der Tatsache, das die Albaner wissen, zu was Mills fähig ist.

Noch mehrfach hält der Film sein Publikum für blöd, wenn er zu vermitteln versucht, das man im dicht bebauten, unübersichtlichen Istanbul Handgranaten zum Zweck der akustischen Ortung werfen kann, ohne Unschuldige zu gefährden, oder wenn das Töchterchen, das den Führerschein in den USA mit dem Automatik-Wagen noch nicht bestanden hat, plötzlich mit einem geklauten Mercedes-Taxi kuppelnd durch Istanbuls enge Straßen rast, ohne den Wagen einmal abzuwürgen. Auch darüber mag der geneigte Action-Freund wohlwollend hinwegsehen, angesichts der Prämissen Tempo, Ballereien und ständig zugespitzter Situationen, aber diese offensichtlichen Drehbuchmängel sind nur deutliche Zeichen für die entscheidende Schwäche des Films - ihm fehlt jede Spannung.

Musste im ersten "Taken" nur Tochter Kim ihre jungfräuliche Unversehrtheit bewahren, damit Papa Mills am Ende als Held da steht, während ihre Freundin, viele weitere Mädchen und einige Nebenpersonen zu Opfern wurden, verfügt "Taken 2" nur über Mutter und Tochter als gefährdete Personen. Der Film muss schon sehr auf die Naivität seiner Betrachter spekulieren, wenn er die Vorbereitung des Folterers auf seine kommenden Aufgaben, parallel zu Mills schwieriger Suche am Bosporus nach dem geheimen Versteck schneidet, als ob beide Vorgänge etwa zeitgleich geschehen. Die Zielsetzung dieser Szene ist klar, denn bekanntlich kommt der Mann immer pünktlich.

"Taken 2" ist weniger ein Action-Film, als eine Familien-Home-Story, die von einem sauberen heilen Amerika erzählt, indem sich die Protagonisten den Genuss an ihrem Milkshake nicht von ein paar finsteren Albanern im fernen Europa verderben lassen. Hübsche, schlanke Frauen und glückliche junge Menschen am Anfang einer Beziehung, die dank eines Übervaters ohne merklichen Hang zur Selbstironie auch vor kleinsten seelischen Erschütterungen beschützt werden. Die Aufräumarbeiten sind erledigt und liegen angesichts einer bestandenen Führerscheinprüfung an einem strahlenden sonnigen Tag gedanklich schon weit weg - nicht erstaunlich, das der Film so gut ankommt. (1/10)

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