Wie schafft man es, einen japanischen und amerikanischen Vertrieb für einen deutschen Horrorfilm im Independent Bereich zu finden? Ganz einfach. Man lädt Lance Henriksen ein, lässt ihn in irgendeinem 08/15 Wohnzimmer ein paar Textpassagen herunterleiern und verkauft das Ganze als Slasher. Immerhin eine kluge Taktik, wenn der Rest vom Schützenfest so rein gar nicht zünden will.
Samantha (Helen Mutch) hat seit zehn Jahren psychische Probleme aufgrund wiederkehrender Alpträume. Ihr Therapeut (Henriksen) vergleicht ihre Zeichnungen und stößt dabei auf ein altes Kloster in Deutschland, welches Sam kurzerhand aufsucht. Doch gerade dort angekommen, werden sie und ihre neuen Bekannten von einer vermummten Gestalt mit einer Streitaxt heimgesucht...
Regieneuling Sebastian Bartolitius wollte gegenüber vielen anderen deutschen Horrordebüts augenscheinlich nicht so sehr auf krasse Gewaltszenen setzen, sondern Atmosphäre durch die Lokalität schüren, was ihm mithilfe der Johanniterburg in Thüringen auch in Ansätzen gelingt. Das im 13. Jahrhundert errichtete Kloster strahlt etwas recht Uriges und gleichermaßen Düsteres aus, doch das allein reicht natürlich nicht aus, um einen funktionierenden Slasher zu kreieren.
Das Dilemma macht sich primär bei den Figuren bemerkbar: Zu Sam wird überhaupt keine Nähe aufgebaut, zumal die Frau außer ihren Alpträumen rein gar nichts Persönliches mitbringt. Die übrigen Nebenfiguren bleiben ebenfalls konturlos, selbst der obligatorische Kotzbrocken fällt kaum auf. Demgegenüber kann Henriksen als Therapeut noch so ausdruckslos in seinem Sessel sitzen, - er bringt zumindest in Ansätzen etwas Glanz in die ansonsten stocksteife Bude.
Handlungstechnisch erhält man indes den üblichen Durchschnittsslasher mit allen dazugehörigen Klischees und absehbaren Abläufen: Randfiguren erhalten rund zwanzig Sekunden Screentime, nämlich zehn bei der Kurzvorstellung und zehn beim Abschlachten, ein Tagebuch hilft bei der Aufklärung eines Geheimnisses, bei Konfrontationen schlagen die potentiellen Opfer stets halbherzig zurück und selbst beim Whodunit erlebt man keine Überraschung, da der Twist meilenweit erahnbar ist.
Zwar ist die Kamera um variable Blickwinkel bemüht, doch der zuweilen holprige Schnitt und die viel zu stark eingesetzten Blaufilter rauben der Optik jeglichen Reiz. Darüber hinaus ist der Score noch einigermaßen zweckdienlich, jedoch plätschert er die meiste Zeit ohne Höhen und Tiefen vor sich hin und ist viel zu wenig auf das konkrete Geschehen abgestimmt.
Hinzu kommt eine zum Teil grauenhafte Synchro, welche jedoch noch besser ist, als der phasenweise kaum zu verstehende Originalton. Die austauschbaren, überwiegend hölzern agierenden Mimen komplettieren den Eindruck einer nahezu amateurhaften Produktion.
Der stumme Killer mit Mönchskutte, Kreuzritterhelm und Streitaxt würde im Endeffekt auch mehr hermachen, wenn die dazugehörigen Taten etwas expliziter und darüber hinaus abwechslungsreicher ausfallen würden, doch die wenigen handgemachten Effekte kommen leider nicht über eine Heckenschere in der Brust und einige kleine Fleischwunden hinaus, während einige Kills gar im Off stattfinden.
Somit bleibt lediglich der Schauplatz eines ehemaligen Klosters, an den man sich nach der Sichtung eventuell noch für eine halbe Stunde erinnern könnte. Der Rest wirkt uninspiriert und ideenlos, an Humor und nackten Tatsachen mangelt es komplett und selbst der einigermaßen getimte Showdown vermag nicht mehr viel auszurichten.
Ein Streifen den man im Vorfeld gut finden möchte, vielleicht auch, um mal wieder eine deutsche Regiehoffnung im Horrorbereich auszumachen, entpuppt sich als herbe Enttäuschung. Genrefans können ihn bedenkenlos auslassen.
3,5 von 10