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Im Unterschied zu Eric Mattis On the Job (2013), der als contemporay crime thriller konzipiert tatsächlich eine einheimische, d.h. philippinische Generierung mit dem gesamten Stab bestehend auch aus lokalen Kräften ist, ist der zeitlich nachfolgende Metro Manila trotz ähnlichen Ansinnen und Wirkung in realiter eine britische Produktion. Geschrieben, fotografiert, gedreht und produziert vom Mitt-Vierziger Sean Ellis, der sich rein lokalen Darstellern bedient und dessen Spiel auch in der Landessprache Tagalog belässt, wirkt das Drama jederzeit wie in der lebensnahen Praxis, als nicht nur ortsansässige, sondern nahezu gebürtige Erfahrung formuliert. Bodenständig im Aufbau und der Umsetzung wird das Leben in der Großstadt, am Rande der Existenz und gegen die Wirren dessen, das drohende Verschlungenwerden und der Kampf gegen die Unwirren erzählt:

Aufgrund einer gescheiterten Ernte, die nicht genug Geld für den Anbau des nächsten Jahres einbrachte, ist der Reisfarmer Oscar Ramirez [ Jake Macapagal ] gezwungen, zusammen mit seiner Frau Mai [ Althea Vega ], der neunjährigen Tochter Angel [ Erin Panlilio ] und dem Neugeborenen aus der Provinz Banaue nach Manila, auf der Suche nach einem Neuanfang zu ziehen. Da die wenigen Ersparnisse rasch aufgebraucht sind, sind die Eheleute heilfoh, nach schnellen Rückschlägen jeder eine berufliche Tätigkeit gefunden zu haben, auch wenn beide den Anforderungen des jeweiligen Jobs auf Dauer nicht standhalten können. Während sich die erneut schwangere Mai als Bar-Mädchen und Mehr an gierige Kunden heranschmeißen muss, ergattert der ehemalige Infanterist Oscar durch Zuspruch des Stabsleiters Douglas Ong [ John Arcilla ] die Beschäftigung als Wachpersonal beim Manila Armored Transport. Das Herumkutschieren fremder Güter im fahrenden „Sarg“; eine Anstellung, die schnell verheerende Auswirkungen auf Oscar und seine Familie haben soll.

There is a Filipino proverb
..."No matter how long the procession, it always ends at the church door."
I prefer the version we learned in the Military..."If you're born to hang, you'll never drown."

Trotz mancher Toter im Einsatz von Schusswechseln, und trotz des Spiels mit den Elementen einer Genregeschichte, die von den Gefährlichkeiten des Berufes, von scheinbaren oder tatsächlichen Verfolgen, kurz bevorstehenden oder lange nachwirkenden Überfällen und der steten Bedrohung von Leib und Leben erzählt, liegt die Aufmerksamkeit auf dem Zusammenhalt der Familie Ramirez, die dem Umzug nicht gewachsen ist, aber keine andere Wahl zum Überleben und einzig sich selber und die Hoffnung auf Besserung hat. Die friedliche Beschaulichkeit des Landes im Norden der Insel Luzon, mit denen der Film die ersten Minuten, nach einem unabhängig davon gesetzten Sprichwort eröffnet, wird auch nachfolgend angesichts der immerwährend vollen, lauten, unangenehm wirkenden Metropole und dessen Individuen und Subjekte memoriert. Dabei war längst nicht Alles in Ordnung in der Provinz, die Ernte schlecht, der Lohn dafür noch mehr und das Benehmen der anderen Leute im Dorf ebenso, hatte man dort aber seinen Rückzug zumindest und die Würde und die Ehre, die man Alles bald zu verlieren scheint.

Als Erstes geht die Unschuld verloren, wird im Bestreben, sich einander und die Kinder zu unterstützen ein leidensvoller Weg gewählt, der keine Rückkehr und nur den Umgang damit kennt. Verloren in der Fremde von Quezon City und mit der Naivität, dem Glauben an das Gute und Ehrhafte 'bestraft', kämpfen die Eheleute für eine Zukunft, dessen Gegenwart viele Opfer erfordert und Überwindung eigener Grenzen, vor allem die der Scham, der Moral, des Glaubens nötigt und entreißt. Beiden Partnern folgt die Kamera dabei meist allein, wie ein zweiter Beobachter, manchmal auch wie eine Unterstützung, obwohl der Andere im Bunde gerade nicht da ist und selber mit sich und dem Ungewohnten und Ungewollten ringt. Die schwierigen Situationen sind meist still, werden unnötige Worte gelassen und das Verfallen in alles zu zerreden ausgespart. Der Lohn für all die Mühe und das Labsal ist die gleichsam schweigende Umarmung, die wenigen Minuten des Beisammenseins, die wenigen Momente des Glückes, die der Film den Eltern und ihren beiden Kindern gönnt.

Unabhängig von der Stadt, in der die Handlung, da sie universell ist spielt, aber dennoch gewinnend durch das Umfeld der philippinischen Hauptstadt, dessen wilden Moloch aus Verkehr und Übervölkerung, aus Reichtum auf der einen Seite und Armut direkt anschließend eine Naturgewalt der Zivilisation für sich ist, wird die Beschreibung der Umstände durch eine greifbare Glaubwürdigkeit und kraftvolle Leistungen der Darsteller erhellt. Heroismus existiert nicht, auch kein Pathos in der Darstellung, kein unnötiges Geheische um Aufmerksamkeit, für dessen Eingreifen durchaus Optionen vorhanden und viel Platz im indischen Remake CityLights (2014), unter der Ägide von Hansal Mehta sind. Szenen werden unauffällig und trotzdem lebend und wandelnd, nicht über-, sondern durchgespielt.

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