In Zeiten von der Trash-Schmiede Asylum muss man mit Filmen vorsichtig sein, denn dieses Label haut am Fließband ähnliche Titel zu bekannten Blockbustern auf den Markt, dessen Inhalt nach schimmligen Fleischkäse schmeckt. Ein weiteres Indiz dafür ist natürlich der deutsche Alternativtitel: Wenn aus "Girls gone Dead" auf einmal "Bikini Spring Break Massaker" wird - ja, spätestens dann sollten die Alarmglocken anspringen, dass es sich hier um einen billigen Ableger handelt. Und der dritte Punkt ist, dass der Film "Spring Breakers" mit Selena Gomez und Vanessa Hudgens in den Startlöchern steht.
Trotz dieser drei Warnsignale kann ich grünes Licht geben. Nix Asylum, kein sonstiger B-Trash - Der Film wurde aufwendig produziert und hat schillernde Namen im Cast wie beispielsweise Wrestling-Legende Jerry "The King" Lawler (der vor kurzem live bei WWE Monday Night RAW einen Herzinfarkt erlitten hat), Porno-Dauerfilmer Ron Jeremy (der seit 1980 bis heute knapp 180 Speckfilme abgedreht hat) oder etwa den Iron Maiden-Schlagzeuger Nicko McBrain.
Rebecca (Katie Peterson) und ihre Freundinnen gönnen sich ein paar Tage Urlaub in Papa´s Ferienvilla in Manatee, einem Küstenort von Florida. Ihr Motto: Trinken bis der Notarzt kommt und natürlich hier und da mal Körperflüssigkeiten austauschen. Doch in der Bar "Wyld Wylees", die sie aufsuchen, herrscht nur tote Hose. Bis auf ein paar schrullige Dorfbewohner bleibt lediglich der Alkohol übrig, den sie in Massen in sich reinschütten. In der feuchtfröhlichen Nacht tauchen dann doch noch ein paar smarte Jungs auf, mit denen man sich für den nächsten Tag zu einer ausgelassenen Feier in der Villa verabredet.
Ganz in der Nähe findet der "Crazy Girls Unlimited"-Tag statt, den ein Videolabel ins Leben gerufen hat. Auf ihrer Webseite werden dann die besten Clips des Tages hochgeladen, die die meiste nackte Haut zu bieten haben. Doch an diesem Tag soll alles anders kommen: Ein irrer Killer schlachtet etliche Gäste auf brutale Art und Weise ab. Während man in der Ferienvilla noch nichts von dem Massaker ahnt, macht sich der Killer auf den Weg zu Rebecca und ihren neuen Freunden...
Junge, wenn man auf diversen Internetseiten den Inhalt liest, wird man in die Irre geführt. Der picklige Praktikant mit Clearasil in der Schultüte war mal wieder unterwegs und will uns weis machen, dass der Hauptschauplatz dieser "Bikini Spring Break 2.0-Tag" ist. Das ist Hühnerkacke. Denn mit dieser Location haben unsere Hauptdarsteller überhaupt nichts zu tun. Die wursteln entweder in der Bar oder in der Villa rum.
So, was erwartet man sich von so einem Titel "Bikini Spring Break Massaker"?
Natürlich massig nackte Haut, Boobs, dumme Teenager und Splatter. Am besten ruft man vorher noch die Kumpels an und schaut sich diesen Film in einer gepflegten Männerrunde mit einer Kiste Bier an. Von alledem hat "Girls gone Dead" natürlich etwas zu bieten, aber alle Zutaten bleiben unter den Erwartungen. Nackte Haut gibt es massig. Was mir besonders aufgefallen ist, ist die Tatsache, dass man hier nur Darstellerinnen verpflichtet hat, die zwar gut aussehen, aber lediglich mit einer Körbchengröße von 70A ausgestattet sind. Nicht, dass ich den Film auch nur ansatzweise wegen Brüsten eingeschaltet habe (dafür sind immer noch Werke von Ron Jeremy zuständig), aber ich hab selten solche Flachbretter gesehen (Nichts gegen "Flachbrüstige" im reallife. Ich weiß, dass Frauen mit kleinen Brüsten psychisch durchaus viel zu kämpfen haben). Gut, Busenfetischisten dürften bei diesem Anblick weinen, doch es gibt ja noch den Splatter: Dieser ist in ausreichendem Maße vorhanden und äußerst deftig ausgefallen, lediglich zu kurz und viel schlimmer noch: Völlig am Thema vorbei. Das "Soll" an dummen Teenagern erreicht dieser Film problemlos, denn hier werden ganz bewusst die Charaktere so eingesetzt, dass jedes noch so abgedroschene Vorurteil gegenüber dem dummen Blondchen und dem männlichen Spitzbock zu stimmen scheint.
Was den Film aber zum Stillstand bringt ist, dass plotmäßig wenig bis überhaupt nichts passiert. Von den 103 Minuten Laufzeit könnte man knapp die Hälfte rausschneiden und man hätte immer noch keinen halbwegs unterhaltenden Partyfilm vor sich. Was noch bitterer aufstößt ist, dass der Killer parallel zur eigentlichen Geschichte um Rebecca mordet (was für fünf Minuten gute Unterhaltung reicht). Selbst, wenn der Killer nach gefühlten drei Stunden die Villa erreicht, wird dort erst einmal der halbe Cast weggemetzelt, bevor dies einer der anderen Überlebenden merkt - die feiern einfach treudoof ihre Party weiter.
Bei "Bikini Spring Break Massaker" darf man also knappe zwei Stunden beknackten Teens beim Party feiern zuschauen, während völlig unabhängig Slasherszenen eingestreut werden. Da kann man sich nur fragen, wer sich diesen Quatsch ausgedacht hat. So kann ich behaupten, dass ich mich regelrecht durch diesen Film gequält habe.
Für eine Komödie ist dieser Film nicht witzig genug, für einen Slasher viel zu zahm. Selbst als Partyfilm kann er aufgrund totaler Belanglosigkeit nicht überzeugen. Dann doch lieber noch einmal den weitaus besseren "Club Mad" schauen - das ist zwar kein Klassiker, aber dieser Film zeigt, wie man solch ein Thema richtig umsetzt.
Lediglich Jerry Lawler glänzt als Sheriff im Schlussakt, als er an dem Killer ganz plötzlich den (von der WWE mittlerweile verbotenen Move) Piledriver durchzieht und dies begründet, dass er früher im Wrestling aktiv war. Also da musste ich doch schon einmal lachen. Ansonsten gibt es hier wenig bis gar nichts zu holen.
3/10