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Es macht Spaß, obskure Slasherfilme aus der Mottenkiste zu holen und zu besprechen. Denn manchmal machen diese Filme viel mehr Spaß als die üblichen Verdächtigen, die immer im Gespräch sind, z.B. die Sequels und Remakes von „Freitag der 13.“, „A Nightmare on Elm Street“, etc.
„Curtains“ ist definitiv ein kleiner Schatz aus der alten, verranzten Slasherkiste, denn er bietet eine ungewöhnliche Story (geschrieben von Robert Guza Jr., der auch die Story für „Prom Night“ lieferte), subtilen Grusel, Spannung, und zur Abwechslung mal, keine Teens!

Samantha Sherwood (Samantha Eggar) ist eine bekannte Schauspielerin, die für ihre neue Rolle in tiefe „method actor“-Abgründe steigt und sich in eine psychiatrische Klinik einweisen lässt. Nachdem sie ihren Mentor, den Regisseur Jonathan Stryker (John Vernon, Dekan Wormer persönlich!) mit einem Messer bedroht hat (eine von den Beiden eingefädelte Fake-Attacke), wird sie auch prompt eingeliefert. Doch der Besuch scheint ihr nicht gut zu bekommen, und Stryker verliert auch langsam die Lust, sie zu besuchen, bis er seine einstige Lieblings-Aktrice einfach fallen lässt.
Stryker bekommt stattdessen eine Idee für ein ungewöhnliches Vorsprechen- er lädt sechs Frauen in sein Anwesen, von denen eine den begehrten Part der „Audra“ kriegen soll- eine clevere Methode um an billigen Sex ranzukommen und anderweitige Spielchen mit den Frauen abzuziehen. Stryker entpuppt sich als Mr .Sleaze, der seinen Stengel nicht bei sich behalten kann (diese Castingmethode/Peepshow erinnert stark an die heutigen Reality-Soaps).
Aber auch Samantha hat es faustdick hinter den Ohren, flieht aus der Anstalt und will auch beim Vorsprechen mitmachen.
Zu allem Überfluss werden auch noch die Kandidatinnen von einem unbekannten Killer in einer grässlichen Maske mit einer Sense umgebracht (der die Ladies im Übrigen mit einer gruseligen Puppe anlockt).

Die Geschichte allein ist ungewöhnlich, aber auch die Motivation der Charaktere interessiert. Worum geht es Stryker? Ist er lediglich ein perverser Manipulator, ein kaltherziger Erfolgsmensch, ein Künstler oder womöglich alles auf einmal? Was will Samantha? Will sie die Rolle ihres Lebens oder will sie Rache nehmen an Stryker? Wenn dem so ist, ist sie vielleicht die Killerin? Wenn ja, warum sollte sie dann ihre Mitkandidatinnen aus dem Weg räumen wollen? Etwa doch für die Rolle?
Fragen über Fragen, aber gibt der Film auch Antworten? Nun, zumindest einige. Das Ende ist überraschend und verwirrend, wie nicht selten bei Slasherfilmen, die doch ständig überraschen müssen, die dem Zuschauer immer eine Nasenlänge voraus sein müssen, damit dieser sich ja nicht langweilt. Dennoch ist das Ende beeindruckend und abgründig.
Außer der Story hat „Curtains“ aber noch mehr zu bieten: Der Killer in seiner „Hässliche, alte Oma“- Maske weiß zu überzeugen, und auch seine Puppe jagt einem einen Schauer über den Rücken, den man nicht so schnell vergisst (nur Argentos „Profondo Rosso“ übertrifft ihn in dieser Hinsicht).
Das Kultpotential war vorhanden, dennoch genießt „Curtains“ eher einen Geheimtippstatus- ob der Mangel an gutaussehenden, weiblichen Teenagern dafür verantwortlich ist- wir werden es nie erfahren.

Ich habe es schon mal erwähnt, kanadische Slasher haben es drauf, seien es Klassiker wie „Prom Night“ oder Perlen wie „Rituals“.
„Curtains“ braucht sich vor diesen Filmen nicht zu verstecken.

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