"Curtains" ist ein völlig in Vergessenheit geratener 80er Jahre Slasher, der ein absoluter Höhepunkt in diesem Genre hätte werden können. Doch Regisseur Robert Ciupka (Coyote, Dead End) warf den Bettel hin. Wer dafür einsprang bleibt unbekannt, auf jeden Fall erscheint das Pseudonym Jonathan Stryker, so heisst auch eine Hauptfigur im Film. Größtenteils war "Curtains" schon gedreht und Ciupka dürfte hier die Leistung seines Lebens erbracht haben.
Der Produzent und Regisseur Jonathan Stryker (John Vernon) lädt sechs von ihm ausgewählte Schauspielerinnen auf seinen Landsitz ein. Mit dem Film "Audra" will er einen großen Coup landen, doch die weibliche Hauptrolle muss erst besetzt werden. Auch die berühmte Darstellerin Samantha Sherwood (Samantha Eggar) will die Rolle unbedingt haben. Auch erscheinen nur fünf der Frauen zum Casting, doch stattdessen taucht ein maskierter Killer auf und ermordet die Anwärterinnen. Wer aus der Gruppe würde für die Rolle der Audra über Leichen gehen ? Dank des Schnees gibt es kein Entkommen vom abgelegenen Landsitz, so beginnt ein im wahrsten Sinne des Wortes tödlicher Kampf um die Rolle.
"Curtains" ist Kanadas gelungene Antwort auf die Slasherwelle aus den USA. Die Story kritisiert nicht nur die Filmwelt, sondern ist auch völlig undurchsichtig. Im Mittelpunt steht der unsympathische Produzent und Regisseur Jonathan Stryker. Der schickt die Schauspielerin Samantha Sherwood, die auch glaichzeitig seine Geliebte ist, sogar in die psychatrische Anstalt, um sich auf die Rolle der Audra vorzubereiten. Samantha wird dort fast verrückt und Ciupka hat diese Szenen sehr intensiv auf Zelluloid gebannt. Stryker lässt Samantha in der Anstalt schmoren, um ihr dann zu sagen, sie sei für die Rolle zu alt und hätte zweitens nicht genügend Leinwandpräsenz. Daher veranstaltet er dieses Casting in seiner großen Villa, die mitten im Wald liegt. Er hat sechs hübsche und junge Damen ausgewählt, die teils über kaum Erfahrung in diesem Metier verfügen. Die sehen sich natürlich als Konkurrenz, zicken sich ordentlich an und steigen auch mit Stryker in die Kiste.
Der mysteriöse Killer schlägt aber schon davor einmal zu, denn eine Anwärterin taucht gar nicht erst auf. Etwas seltsam wirken die Szenen mit der Holzpuppe, die nicht so recht in den Film passen wollen und auch die Handlung kaum ausbauen. Leider ist "Curtains" trotz der kurzen Laufzeit zu geschwätzig geraten, obwohl man die Castingszenen auf ein Minimum beschränkt. Doch es gelingt dem Regisseur, uns auf eine völlig falsche Fährte zu locken, trotz der eher kleinen Auswahl was den Mörder angeht, ist es unheimlich schwer das Gesicht hinter der gruseligen Maske zu erraten. Was ich bei "Curtains" noch vermisse ist eine Person, mit der sich der Zuschauer identifizieren kann. Dank des Konkurrenzkampfes sind alle zu unsympathisch, allen voran Jonathan Stryker, der seine Macht über die Mädels wirklich schamlos ausnutzt. Da es über Nacht deftig geschneit hat, ist die Strasse zur Villa unpassierbar und der Killer beginnt seine Opfer zu dezimieren. Selbst die Maske ist hier richtig gelungen und wirkt sehr bedrohlich. Desweiteren könnten die Morde fast nicht besser vorbereitet sein. Der absolute Höhepunkt dürfte die zweite Mordszene darstellen auf dem zugefrorenen See, als der Killer in Zeitlupe mit Schlittschuhen angefahren kommt, bewaffnet mit einer Sichel. Diese Szene verursacht Gänsehaut, aber auch die anderen Tötungen sind spannend geworden.
Nur der Gorehound wird enttäuscht sein, denn man sieht zwar wie die Opfer sterben, doch meist in Großaufnahme, damit die blutige Wunde nicht zu sehen ist. Gegen Ende hält "Curtains" noch eine Wendung parat, was Samantha betrifft und es gibt noch eine höllisch spannende Hetzjagd durch eine große und verwinkelte Requisitenhalle. Die Enthüllung des Killers verblüfft schließlich, jedoch hätte man sich für diese Schlüsselszene etwas mehr Zeit nehmen müssen.
Die Darsteller überzeugen auf ganzer Linie, allen voran John Vernon (Space Invaders, Savage Street) als arschlöchiger Jonathan Stryker. Es gehört schon etwas dazu, dermaßen unsympathisch zu wirken. Mit Samantha Eggar (Das Phantom, Die Brut) ist ein weiterer bekannter Name an Bord, sie verkörpert die alternde Schauspielerin Samantha, die von Stryker gnadenlos ausgenutzt wird. Michael Wincott (Im Netz der Spinne, The Crow) ist in einer Nebenrolle zu sehen.
"Curtains" ist ein wenig gezeichnet von den Problemen während des Drehs. Dennoch kann sich das Resultat sehen lassen und dürfte ausreichen, um selbst den erfahrenen Genrefan zu gruseln. Die Story ist undurchsichtig, hält einige Überraschungen bereit, könnte aber temporeicher umgesetzt sein. Doch einige Spannungsspitzen, die unheimliche Kulisse und der stimmige Score sorgen oft für eine Gänsehaut. Auf jeden Fall als Geheimtipp weiter zu empfehlen.