Sarah (Brit Marling) ist eine junge, aufstrebende Mitarbeiterin einer exklusiven Sicherheitsfirma, die sowohl für das FBI als auch Privatfirmen arbeitet. Von ihrer Chefin (Patricia Clarkson) erhält sie eine besonders heiklen Auftrag: sie soll eine anarchistische, ökologische „Terror“-Gruppe The East infiltrieren, die z. B. in die Wohnung eines Ölkonzernbesitzers einbrechen und dort seine Wohnung komplett verseuchen – so wie er es mit einem seiner Tanker in einer Bucht am Atlantik gemacht hat. Als sie schließlich bei der Gruppe landet, ist sie zunächst irritiert von der verschworenen, archaisch lebenden Gemeinschaft um den charismatischen Benji (Alexander Skarsgard) und Izzy (Ellen Page). Doch langsam integriert sich Sarah immer mehr in die Gruppe und beteiligt sich an Aktionen, kehrt aber immer wieder zurück in ihr ziviles Leben, auch um ihren Auftraggeber zu informieren und ihren Freund wiederzusehen. Doch je länger sie undercover ist, umso mehr findet sie die Ziele der Gruppe nachvollziehbar und höchstens die Methoden zweifelhaft…
Ich kannte bisher zwei Filme mit der wunderschönen und talentierten Brit Marling, nämlich THE SOUND OF MY VOICE und ANOTHER EARTH. Besonders letzterer Film war für mich einer der besten Filme der letzten Jahre (zumal sie bei allen drei Filmen, die ich nun mit ihr kenne, das Drehbuch mitverfasst hat!) und dementsprechend gespannt war ich auf THE EAST. Und ich wurde nicht enttäuscht. Ein von der ersten Minuten an spannender, straff inszenierter Thriller mit hervorragender Kamera und Musik, exquisiten Darstellern und er stellt vor allem die richtigen Fragen.
Denn Sarah langsames Verständnis für die Ziele der Gruppe sind so subtil und nicht in schwarz-weißen Mustern, welches man bei Hollywood-Filmen mitunter zu Recht vermutet, inszeniert, so dass man ihr „Abgleiten“ in die Gruppe mit nur ein paar höchst passenden Bildern dokumentieren muss. So als sie zu Hause auf dem Boden schläft und ihr Freund einfach nur irritiert, aber nicht unbedingt verständnislos auf sie schaut.
Natürlich hat Sarah vor allem mit Izzy Probleme, die ihr nicht recht traut, aber durch einen höchst dramatischen Vorfall stellt sich zwischen beiden Frauen eine (späte) Verbundenheit ein. THE EASR stellt die richtigen Fragen – aber er bietet uns keine passgenauen Antworten, sondern überlässt es dem Zuschauer… obwohl die Sympathien des Films nicht ganz uneindeutig sind!
Und die Anarchogruppe arbeitet mit ziemlich heftigen Mitteln und gerade Sarah wagt auch, diese zu hinterfragen, so als sie eine Gegenmeinung vertritt und von einem Mitglied dafür sofort angegangen wird: sie fragt erbost zurück, ob dies eine faschistische Gruppe sei, in der andere Meinungen nicht gelten. Oder als sie Benji fragt, ob bei Revolutionsgruppen (als solche sieht sich The East) immer Selbstgerechtigkeit mit revolutionären Gedankengut einhergeht und er nur unsicher sagen kann „Ich weiß es nicht“. Sarah ist eine denkende, faszinierende Heldin, durch die der Zuschauer in diese fremde Welt entführt wird.
Ich war erst skeptisch, als ich las, dass Brit Marling und Zal Batmanglij (der Regisseur) dieses Mal mit den Hollywood-Größen Tony und Ridley Scott zusammenarbeiten werden, aber es hat zum Glück nichts an ihrer bisherigen Komplexität und ihrem Charisma geändert.
Ein beeindruckender, wichtiger und spannender Film.