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"Vergiftet ihr uns, vergiften wir euch."

Die einstige Agentin Jane (Brit Marling) arbeitet für ein Sicherheitsunternehmen, dass für Klienten multinationaler Konzerne tätig ist. Für ihren aktuellen Auftrag muss sie die Identitäten sowie die nächsten Schritte der Mitglieder der aktivistischen Terrorgruppe The East herauszufinden. Unter dem Decknamen Sarah schleust sie sich erfolgreich in die Gruppe ein, die einen sehr ungewöhnlichen Lebensstil führen. Mit der Zeit baut sie eine engere Bindung zu Benji (Alexander Skarsgård) und Izzy (Ellen Page) auf, wodurch sie ihre eigene berufliche Tätigkeit und Weltansicht immer mehr in Frage stellt.

Große Konzerne wachsen mithilfe ihrer kapitalistischen Aktivitäten. Beispielsweise kommen jährlich zahlreiche Medikamente auf den Markt, die bei Einnahme schwerwiegende Nebenwirkungen mit sich bringen. Allerdings werden diese Nebenwirkungen nicht wie üblich aufgelistet. Wichtig ist nur, dass das Medikament verkauft wird, sodass Geld in die eigenen Kassen fließt. Doch nicht nur die Pharmaindustrie geht über Leichen, auch große Chemiekonzerne lassen ihre Abfälle in Flüsse verschwinden, verschmutzen damit die Natur und gefährden zudem noch viele Leben.
Der Ökothriller "The East" stellt diese Themen zunächst sehr plakativ in den Fokus. Berichte über verseuchtes Meerwasser und verölte Tiere sollen den Zuschauer wecken und Aufmerksamkeit erregen. Die anarchistischen Kommentare zu den Bildern lassen auf eine sehr offensive Abrechnung mit kapitalistisch orientierten, industriellen Größen hoffen. Allerdings bleibt es bei den beginnenden Parolen, denn immer mehr erweist sich der Film als ein schablonenhaftes Charakterdrama.

"The East" erweckt den Eindruck einer militanten Version von "Die fetten Jahre sind vorbei". Zumindest erinnert die ökologisch motivierte Terrorzelle sehr stark an die antikapitalistische Guerilla mit dem schlichten Weltbild. Wo die deutsche Variante besonders mit zunehmender Laufzeit immer ärgerlicher wurde, langweilt "The East" durch seine überwiegend ruhige Erzählweise.

Die Handlung ist, wenn auch nicht originell, so doch klassisch und könnte einen halbwegs straff gespannten Spannungsbogen über zwei Stunden halten. Aber dafür nimmt sich die politische Attitüde des Stoffes ein wenig zu wichtig, die dann leider zu beliebig, unentschlossen und klischeegesättigt aufgeblasen wird.
Die formelhaften Figuren laden zwar zum kritisieren ein, aber sie funktionieren. Mehr zu kämpfen hat "The East" mit seinen zahlreichen Logikfehlern, die den authentisch wirkenden Film weder rund noch harmonisch machen.

In seinen Fragestellungen ist der Ökothriller durchaus ambitioniert. Vor allem die Gruppendynamik lässt Raum für clevere Ideen und Denkanstöße. Allerdings geht kein Thema in die Tiefe oder traut sich, um konsequent nach komplexeren Antworten zu suchen. Vieles bleibt dem Publikum überlassen, was diesem spätestens am Schluss durch die offenen Handlungsstränge bewusst werden wird.

Es ist offensichtlich, dass das frische Gesicht von Brit Marling der Authentizität zugutekommt. Ganz allein ist sie aber nicht in der Lage den Film zu halten. Ebensowenig Alexander Skarsgård ("Battleship", "True Blood") wirkt in seiner Rolle als wirklich spielfreudig. Dies übernimmt eher die gewohnt gute Ellen Page ("Inception", "Hard Candy", "An American Crime"), während Julia Ormond (" Der 1. Ritter", "Unter Kontrolle") in einer Nebenrolle zur Statistin verkommt.

Zuletzt bleibt von "The East" vor allem ein flaues Gefühl der Unzufriedenheit zurück, denn der prominent besetzte, aber reichlich unspektakuläre Film ist weder subversiv oder komplex genug, um in intellektueller Hinsicht zu überzeugen, noch aufregend genug, um als Thriller zu funktionieren. Und die Probleme in der eigenen Logik sind wirklich frustrierend. Knappe ...

5 / 10

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