Universal war seinerzeit für drei Horrorfilme bekannt, die zu Klassikern wurden: „Frankenstein“, „Dracula“ und knapp ein Jahrzehnt später „Der Wolfsmensch“. Als 2010 das Remake „Wolfman“ nur bedingt überzeugte und zu wenig einspielte, entschied man sich dafür, etwas weniger Budget in weitere Werwolffilme zu investieren, was in vorliegender Form fast schon begrüßenswert ist.
Um 1900 in einem abgelegenen Dorf im Nirgendwo: Ein Werwolf macht seit einiger Zeit die Gegend unsicher, während sich ein Arzt (Stephen Rea) und sein junger Gehilfe Daniel (Guy Wilson) auf ihre Art um die Gebissenen kümmern. Als ein Trupp Jäger aus der Stadt unter der Führung von Charles (Ed Quinn) die Bestie erlegen will, kommt es nicht nur zur Konfrontation mit der Bestie…
Der atmosphärische Prolog macht von Vornherein deutlich, dass die Inszenierung primär auf seine schlichte, aber urige Ausstattung setzt, denn gedreht wurde an verschiedenen Orten in Rumänien, darunter auch Transsilvanien. Die uralt wirkenden Bruchsteingemäuer, sorgen im Einklang mit der zuweilen düsteren Farbgebung für eine tolle Stimmung, wozu auch einige markante Erscheinungen beitragen.
Auch wenn sich die Macher nicht zwischen Western-Flair und Osteuropa-Style entscheiden konnten, besteht die Truppe aus Jägern aus einem coolen Cowboy, einer Art Musketier, ein paar Saufbolden und einer frechen Bogenschützendame.
Leider ist die Story ein wenig überladen und bringt zu viele Nebenhandlungsstränge ins Spiel, die kaum ausgebaut werden. Zwar stehen die Jagd nach dem Werwolf und das Mitraten um seine Identität im Vordergrund, doch die Dreiecksgeschichte um Daniel und Love Interest Eva erhält zu wenig Tiefe, während der dubiose Arzt und sein merkwürdiges Vorgehen zu oberflächlich behandelt werden. Es mischen insgesamt zu viele Figuren mit, denen nicht genügend Spielraum zur Entfaltung eingeräumt wird.
Auf der Habenseite ist allerdings das merkliche Augenzwinkern zu verzeichnen, denn allein die Idee, ein Pferd anstatt mit zwei Hinterbeinen mit Wagenrädern auszustatten bringt mindestens einen Lacher ein und auch das dumme Verhalten der Dörfler, welche in wirklich jede aufgestellte Falle der Jäger tappen weiß zu erheitern.
Splatterfans erfreuen sich demgegenüber an nicht allzu schlechten Effekten, von denen einige augenscheinlich ohne CGI auskommen. Von weggeschossenen Köpfen über einen aufgeschlitzten Bauch, diversen Fleischwunden bis hin zu herumliegenden Leichenteilen werden ein paar unerwartet derbe Einlagen geboten.
Der Werwolf ist allerdings nicht so häufig im Einsatz, erst zum Finale turnt er verstärkt durchs Geschehen, was zwar mit gelungenen Verwandlungsszenen einhergeht, doch bewegungstechnisch ist die Bestie nicht allzu geschmeidig in Szene gesetzt.
Dem Niveau passen sich allerdings die Mimen an, denn eine Glanzleistung liefert niemand, auch wenn einige bekannte Gesichter mitmischen, wirken Leute wie Stephen Rea und Ed Quinn eher unterfordert.
Dennoch kann man dem Streifen einen passablen Unterhaltungswert attestieren, der durch die Mischung Humor, Action und Atmosphäre zustande kommt. Ob ein Flöte spielender Zigeuner orakelt oder ein minimaler Twist zum Finale einen überaus konventionell ablaufenden Endkampf einleitet, - Ruhepausen gibt es fast keine und auch wenn die Geschichte nicht übermäßig spannend abläuft, - allein die unausgegorene Synchro und die skurrilen Gestalten könnten Trash-Freunden Gründe zur Sichtung liefern.
6,5 von 10