Review

Als ein Mitarbeiter einer Erdölraffinerie nach einer übergangenen Beförderung und der provozierten Kündigung Amok läuft, explodiert sein Arbeitsplatz. Rasch brechen 180 Brände in der naheliegenden Großstadt aus, die Feuerwehr ist wegen Einsparungen und mangelndem Wasserreservoir machtlos. Ein nur halb saniertes Krankenhaus direkt neben der Unglücksstelle wird zum Schauplatz von Leben und Tod...

„What you are about to see could happen to any city, anywhere.“
Hier passiert es natürlich einer Stadt in Amerika. Zumindest sieht diese so aus, als ob man in dem Land gesetzt ist und offensichtlich ist es ja auch; stellt sich nur die Frage, aus welchem ominösen Grund man sich weigert, den Namen zu nennen und wirklich Any City daraus macht. Muss man wirklich schon beim geographischen Bezug improvisieren ?
Aus dem Stehgreif hat man anscheinend auch das Projekt selber entwickelt, Ende der 70er waren die bisher erfolgreichen Katastrophenfilme nämlich schon am Auslaufen und brachten weder ihren Finanziers noch den Zuschauern den bisher gewohnten Erfolg. Dabei hatte man ein Jahrzehnt vorher gut begonnen; mit Airport [ 1969 ], Die Höllenfahrt der Poseidon [ 1972 ], Flammendes Inferno [ 1974 ] und Erdbeben [ auch 1974 ] allesamt Prestigefilme geschaffen, die sogar bei Kritikern durchaus Zuspruch fanden und erst Recht die Kinokassen fühlten. Dann wurde es absurd und die Kuh übermolken, die Trittbrettfahrer sprangen auf oder die Macher selber wurden zu gierig, die Stoffe räudiger und die Produktionen schäbiger. Trotz eigentlich besserer Effektmöglichkeiten und auch gewonnener Kenntnis mit dem Genre hält keiner bei Meteor [ 1977 ], Lawinenexpress [ 1978 ], Der tödliche Schwarm [ 1978 ] oder Airport 80 – Die Concorde [ 1979 ] noch die Ruhmesfahne oben; Stadt in Flammen aus dem gleichen Jahr sollten auch weder einer sehen wollen noch lobpreisen.

Was ist das für ein Film, dessen einziger Ruf daraus besteht, dass er 2001 für den Jim Wynorski Heuler Deadly Blaze – Heisser als die Hölle bezüglich der Story und der Actionszenen gleich mit geschröpft wurde und so seine grandiose Neuauflage mit Michael Dudikoff und Ice T fand ? Wer ist Regisseur Alvin Rakoff, der selbst den etwas Eingeweihteren anders als sogar Ronald Neame oder Mark Robson so gar kein Begriff ist ? Und was für Geldprobleme hatte Henry Fonda in dieser Zeit, dass er in gleich vier desaster movies innerhalb kürzester Zeit mitspielen musste und auf die letzten Jahre noch seinen guten Namen opfern wollte ?
Zumindest die erste Frage kann man schnell mit „Kein guter“ beantworten; aber wer generell Gefallen an dem Metier findet und auch sonst Schlechtem durchaus nicht abgeneigt ist, wird auch hier seine Form der Unterhaltung finden. Zwar nur seine spezielle abartige Variante davon; begründet daraus, dass man hier nicht einmal mehr im Ansatz nach Hollywood aussieht und auch abseits jeder inhaltichen Güteklasse überhaupt kein Renommee aufweisen kann.
Katastrophenfilme waren nie die Intelligentesten, da sie immer auf derselben simplen Formel aufbauten und diese dann auch knallhart durchzogen. Das gilt schon für W.S. Van Dykes San Francisco [ 1936 ] so, der auch nur die Erdbebensequenz nutzte um die tricktechnischen Möglichkeiten aufzuzeigen, das vorher angezogene Drama auf den Höhepunkt zu bringen und dabei herauszustückeln, wer über standhaften Charakter verfügte und wer nicht.
Man sollte als Filmemacher also in der Lage sein, sich zumindest etwas für seine Charaktere zu interessieren und auch andere davon zu überzeugen, dass die Bedrohten gerettet werden sollen. Und dann das Unheil möglichst wirkungsvoll hereinkrachen zu lassen.
City on Fire [ OT ] schafft keines davon.

Dabei macht man eigentlich nichts Anderes als sonst auch, geht keine unüblichen Wege und lässt auch nichts weg, aber dreht irgendwie trotzdem alles falsch was man nur falsch drehen kann. Es geht schon ab Sekunde 1 los, dass es der Film nie schafft, Anteilnahme oder wenigstens Aufmerksamkeit für seine Figuren zu entwickeln; alle Vorgestellten sind so schnell unsympathisch, dass man beinahe schon beim Vorspann anfängt zu buhen.
Interessanterweise sind viele Charaktere so porträtiert, dass man fast mit der Nase auf das biblische Sodom und Gomorrha gedrückt wird, wo Gott mit einem Regen aus Feuer und Schwefel die beiden Sündenpfuhle ausgemerzt hat.
Bürgermeister William Dudley [ Leslie Nielsen ] betrügt seine Ehefrau mit der wesentlich jüngeren Millionärin Diana Brockhurst-Lautrec [ Susan Clark ]. Diese ist nur deswegen reich, weil sie sich mit bevorzugt alten Männern hochgeschlafen hat und nunmehr zigfache Witwe ist. Und schon den nächsten Greis im Auge hat. Auch Dr. Frank Whitman [ Barry Newman ] hatte mal etwas mit ihr, als sie noch seinem Stand entsprach; nun muss er jede Nacht eine andere abschleppen und den armen, hoffnungsvollen Frauen am nächsten Morgen unter faulen Ausreden den Laufpass geben.
Also ein rein von Sittenverfall geprägter Ort, diese anonyme Mischung aus San Francisco, New York und Los Angeles und xbeliebigen diversen Metropolen.
Auch die anderen Mitstreiter haben irgendwie alle Dreck am Stecken, richtig edel sind nur Feuerwehrchief Albert Risley [ Katastrophen – Fonda ] und die dicke Krankenschwester Andrea Harper [ Shelley Winters ]; aber das wirkt angesichts der Scheusslichkeiten hier auch nicht mehr. Hinter den Hochglanzfassaden der Hochhäuser aus Glas und Stahl und den ehrwürdigen Blicken hinauf in den Himmel befindet sich nur der moralische Schmutz.

Ein Brand bricht übrigens schon nach 20min aus, allerdings nur als Vorzeichen; kleine Kinder haben geraucht und beim Verschlucken die Zigarette weggeschmissen. Schneller als die Feuerwehr sind die Nachrichten von „Action News“ vor Ort; dabei führen sich sowohl die Reporter als auch die Studioangestellten beim Kampf um Einschaltquoten derart niederträchtig auf, dass nun auch die Medienschelte mit dem Schlaghammer eingetrichtert wird.
Der Berichterstatter drängelt sich mit „Geht mal da weg, Kinder. Macht Platz, das ist nichts für Euch. Lasst die Kamera durch.“ in die Löschmission, während in der Zentrale die alternde Alkoholikerin Maggie Grayson [ Ava Gardner ] ihren grossen Auftritt hat: „Fantastisch ! Geh zuerst auf die Grossaufnahme, Jimbo. Und dann schneidest du mitten ins Feuer, wo das Mädchen drin ist, okay ?“

Für Jimbo [ James Franciscus ] ist das okay, der Sender besteht sowieso nur aus ihm und seiner ehemaligen Diva, die die Flasche in der einen und ihren Leibeigenen in der anderen Hand hält und nebenbei noch sämtliche Programme auf einmal anmoderiert; für mehr als ein dunkles Aufnahmezimmer fehlte wohl das Budget. Emblematisch gilt das für den gesamten Film, der mit 5 Millionen Dollar auskommen musste; Meteor durfte im Vergleich 16 Millionen verpulvern, Der tödliche Schwarm 21.
Das lässt auch die hier aufgefahrene Darstellerriege erklären, die sich nur mühsam aus wenigen Fernsehstars und noch weniger Altstars zusammensetzt und den Rest gleich ganz aus no – names bezieht. Unterschied macht das sowieso nicht, da allesamt furchtbar spielen und nicht annähernd überzeugend in irgendeiner Situation wirken. Dies kann auch an den miserablen Dialogen liegen, die ihnen zum rezitieren vorgelegt wurden; aber auch in stummen Einstellungen wirken alle nur wie auf die nächste Prügel wartend.
Die privaten Probleme drumherum kann man als dramaturgischen Effekt also knicken; werden eben zur Not Kranke, Alte, Kinder, Schwangere und Tiere reingeschrieben, zieht immer.
Und dann versagen noch zuguterletzt die Trickaufnahmen.

Zugegeben, getreu der Aussage „Wer so dürre Gedanken in so trockene Worte faßt, der müßte doch eigentlich gut brennen" [ Charles Haddon Spurgeon ] machen das Enflammen der Raffinerie und die ersten Detonationen alle etwas her. Die mit einem Ölteppich belegte Kanalisation, die explodierenden Tanklaster, die meist in geringster Entfernung der Feuerbälle positionierten Leute zeugen von guter Stuntarbeit und erbringen ihre erforderlich schroffe Wirkung. Hinzu kommt auch, dass man hier schon direkt auf den groben Effekt hinarbeitet: Da müssen die Menschen natürlich brennend erst einmal eine Weile durchs Bild laufen, dann auf der Strasse von einem Auto erwischt werden, welches schlussendlich noch ins Flammenmeer crash und die nächste Explosion auslöst. Ähnliches gilt für die ständig hohen Stürze der Fabrikarbeiter, die auffallend oft und auch auffallend oft sinnentleert unterschnitten werden. Das ist alles pures Actionkino bar Verstand und Logik, aber mit Schmackes und Dynamik. Helfen tut zusätzlich noch das schmuddelige Bildmaterial, welches nicht einen Anflug von Hochglanz besitzt und dadurch die Einstellungen immer noch etwas rauher macht als sie so schon sind. Und ausserdem hält man auch ohne schlechtes Gewissen bei einigen Brutalitäten drauf.

Auf der anderen Seite kann man nie auch nur annähernd die Illusion erzeugen, dass hier die gesamte Stadt brennt. Die für ein Portogeld aufgekauften Setruinen werden angekokelt, ja. Mehr nicht. Symbolisch für den Geldmangel sind gleich mehrere Szenen: Als das Krankenhaus bei seiner Neueinweihung von dem Unglück überrascht wird, hält sich das gesamte Empfangskomitee nur die Hand vor die Augen und schaut ganz entsetzt irgendwohin; dann wackelt die Kamera, täuscht so ein Beben vor und alle fallen um.
Später malt man nur sehr schlechte Mattepaintings – eigentlich nur eines, aber man varriiert es - und will einem damit weissmachen, dass das City - Inferno [ AT ] ausgebrochen ist; also so wird das nichts mit einem Reisser.
Und mit zunehmender Laufzeit haut Regisseur Rakoff dann nur solche Szenen raus, die man überhaupt nicht sehen will:
Jimbo zerrt die sturzbesoffene Maggie unter die Dusche, weil eine Liveschaltung ansteht und man ausser dem Alkoholwrack anscheinend niemand in die Kamera reden lassen kann.
Das Wunder der Geburt plus durchtrennter Nabelschnur in Grossaufnahme.
Die Mund – zu – Mundbeatmung von jemanden, der noch Erbrochenes in sich hat. Ein erstickender Kanarienvogel für die Tierfraktion.
Kleine Kinder, die per “Tschutschubahn” ins Freie zu den Bussen geleitet werden und dann noch wissen wollen, ob Diana die Verliebte vom Doktor ist.
Die dann in der umliegenden Hitze auch wirklich noch ihre alte Liebe wiederaufwärmen.
Und eine grummelnde Invalidentruppe, die sich geschlagene 30min lang über einen Strassenzug zu den wartenden Feuerwehrmännern schleppt; hinten der Bürgermeister “Schneller, Schneller” ruft und sich trotzdem keiner bewegt.

Dies stellt übrigens der Showdown dar, zieht sich dementsprechend auch unendlich in die Länge und gibt dem nunmehr schon zum Machwerk destinierten Film dann endgültig den Rest. Dafür ist die Atmosphäre auf Dauer einfach zu abtörnend, das Skript zu dumm, die Bilder zu hässlich und die Darsteller zu abgenutzt.
In den 80ern war auch generell erstmal Schluss mit dem Genre; neuerdings bekommt man ja wieder einige Exemplare auf grosser Leinwand geboten, die in der Tradition der damaligen Kassenhits gehalten sind. Ansonsten wird sich auch viel im B – und C – Film ausgetobt, was wahrscheinlich auch würdigere Vertreter als den Bodensatz hier hervorbringt.

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