Nach einem Wirbelsturm treiben mehrere Menschen auf einem Touristenboot im Meer herum und hoffen darauf, den Kampf gegen Durst, Hunger und Haie zu überleben.
Regisseur Rene Cardona Jr. scheint es das Meer angetan zu haben, denn ein Jahr vor seinem Mysterymix "SOS-SOS-SOS Bermuda-Dreieck", der ebenfalls im Gewässer spielt, drehte er mit "Tornado" einen von realen Ereignissen und den in den 70er Jahren gern auf die Leinwand gebrachten Katastrophenstreifen inspirierten Hochwasserfilm.
Von dem titelgebenden Tornado bekommt man nichts zu sehen, denn es geht viel mehr um die Auswirkungen des Selbigen. So trifft das überraschend auftretende rauhe Lüftchen eine Touristentruppe, die in einem Glasbodenboot das Meer besichtigen will, einen Fischerkutter und ein Flugzeug. Die Passagiere sammeln sich im Laufe des Films auf dem Touriboot, wo es zu Konflikten untereinander kommt, aber man auch gemeinsam ums Überleben kämpft und auf Rettung hofft. Diese Gruppe ist bunt gemischt mit Reichen, Schwarzen, Kindern, Eltern, einer Schwangeren, einem Geistlichen, Freunden, Draufgängern, Mitläufern und sogar ein Hund ist mit von der Partie.
Die Leistungen der Darsteller sind ebenso vielfältig wie die Überlebenskämpfer und reichen von solide bis naja und mit Carroll Baker als reiche Lady mit Hund, der hübschen Olga "Woodoo - Die Schreckensinsel der Zombies" Karlatos als Schwangere, Lionel "Hart aber herzlich" Stander als Großunternehmer und Hugo Stiglitz als Copilot hat man ein paar bekannte Gesichter mit an Bord.
Bei der Vielzahl der unterschiedlichen Figuren bleibt eine tiefere Charakterisierung natürlich aus, aber ich muss sagen, es macht Laune, der Truppe bei ihrem Kampf ums Überleben zuzuschauen, zumal es ständig neue Konfliktsituationen gibt. So wird das Trinkwasser knapp, was zu Neid gegenüber den Neuankömmlingen und dem Hund führt, man versucht sich Essen zu beschaffen, indem man angelt, wobei in der Notsituation sogar der Kläffer und Leichenteile als Köder herhalten müssen und auch Kannibalismus, bei dem das Fleisch eines Toten auf dem Bootsdach getrocknet wird, dient als Hungerstiller. Hinzu kommt die Gefahr durch im Meer gierende Haie.
Umgesetzt wurde das Treiben zwar kostengünstig, kann sich aber sehen lassen. Man sieht bei den kurzen Sturmszenen zwar deutlich, dass lediglich die Windmaschine und der Gartenschlauch bei Sonnenscheinwetter angeschmissen wurden und die (Unter-)Wasserszenen sehen nicht immer wie Weltmeer aus, aber nichtsdestotrotz wird eine stimmige Katastrophenfilmatmosphäre geschaffen, die einen gefangen zu nehmen weiß. Besonders erwähnenswert ist die tolle Musik von Riz Ortolani, die ins Ohr geht und einem nach dem Film noch eine Zeit lang im Kopf herumschwirrt.
Insgesamt ist "Tornado" trotz einfacher Machart ein stimmiger und abwechslungsreicher Film, der den Überlebenskampf einer Gruppe auf hoher See zeigt, ohne einzelne Helden hervorzuheben, was eine gelungene Alternative zu den amerikanischen Katastrophenfilmen jener Zeit bietet.